Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 76

Teil 2 Familie, Liebe und Unterstützung

Nachdem nun klar geworden war, welche Therapie mir möglicherweise helfen würde, stellte die Universitätsklinik Eppendorf am 20. Januar 2020 einen Eilantrag bei meiner Krankenversicherung. Auf 5 Seiten wurde ausführlich begründet, weshalb diese neue und bisher in Deutschland bei meiner Erkrankung unbekannte Therapie unbedingt angewandt werden muß.

Ein Eilantrag, der ewig bis zur Entscheidung benötigte

Und nun passierte ……………nichts. Eine Woche verging, eine zweite Woche……..Mir war klar, dass ich diese Therapie brauchte und die Zeit, meine Zeit, lief. Selbst bei einer schnellen Zusage der Versicherung würde die Bestellung aus den USA nochmals 2 Wochen dauern. Seit der so negativen Diagnose im Juli letzten Jahres war ich zumindest schulmedizinisch ohne jegliche Behandlung. Verdammt!! Eines frühen Morgens im Februar, ich war nach München geflogen um einen Workshop zu leiten, erwischte mich meine Schwägerin mit dem Handy in der S-Bahn, um sich nach meinem Befinden und dem Stand der Dinge zu erkundigen. Während wir sprachen, brach ich in Tränen aus, verlor meine Fassung ob dieser Situation von machtlosem Warten. Mir wurde deutlich, wieviel Angst ich vor dem „zu spät“ hatte. Als sie daraufhin sagte, sie würde mal mit meinem Bruder sprechen, ob und inwieweit sie sich einbringen können, war ich maximal berührt und die Leute fingen an zu gucken.

Doch nun ging es ganz schnell, meine Brüder verständigten sich, die Behandlung für mich zu bezahlen, damit es, unabhängig von der Versicherung, endlich losgehen könne. Da Susanne und ich unser Geld gerade in einen Hausbau stecken, wäre es für uns extrem schwierig gewesen, diese monatliche Summe aufzubringen. Einige Tage später war das Geld bei der internationalen Apotheke, und die Bestellung ging vonstatten. Selbst meine 78-jährige Schwester beteiligte sich mit 2.00€! So etwas hatte ich noch nie erlebt. Selbst jetzt, während ich dies schreibe, weine ich . Meine Familie!!! Wie soll ich meine Gefühle beschreiben—- Dankbarkeit, Liebe, Freude, ach, es lässt sich nicht ausdrücken, nur fühlen. 14 Tage später nahm ich meine ersten 2 Tabletten (es ist eine Tabletten-Therapie) ein. Einige Zeit später erfolgte auch die Zusage der Versicherung. Nach 4 Wochen! Das von ihr beantragte Gutachten war positiv. Doch meine Familie war schneller!! Ohne Gutachten haben sie alle weit aus dem Fenster gelehnt und engagiert. Einfach aus Liebe!. Ich danke Euch. ICH LIEBE EUCH.

Jetzt nehme ich meine Tabletten immer zur Mittagszeit nach dem Essen. Es hat Nebenwirkungen, doch die halte ich gut aus. Ich kann meine geliebte Arbeit machen, bald fängt die Segel-Saison an, vorher gehts noch nach Lanzarote in die CASA ELISABETH. Auch alles, was Frau S. und ich besprochen haben, mache ich eisern weiter. Und Susanne und meine Familie sind an meiner Seite. Ich bin sehr glücklich.

Alles Liebe für Euch!

Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 75

Viel passiert……………. 1.Teil

Lange Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Dabei ist so viel geschehen.

Nachdem die Chemotherapie nicht gegriffen hatte , war erst mal guter Rat teuer. Irgendwie ging alles in de falsche Richtung, doch was war richtig? Zunächst galt es, wie schon so oft, sich von dieser Nachricht zu erholen. Angst, Tränen, Mutlosigkeit und düstere Bilder erfüllten mich. Für diesen Wechsel in mir brauche ich immer ein, zwei Tage. Dann habe ich meine Energie und meine Zuversicht wieder. Aber die Gewissheit, dass die Luft dünner wird, war auch schon präsent. Was waren den nun meine Alternativen?

Im Grunde war ich gezwungen der Tatsache ins Auge zu schauen, dass alles, was ich bisher gemacht hatte, nicht zu meiner so sehr gewünschten Heilung geführt hat. Jegliche Schulmedizin hat es nicht vermocht. Meine Visualisierungen , die Änderung meiner Ernährung, mein Blog, meine sportlichen Aktivitäten, eigentlich egal was, ich stand vor dem Scherbenhaufen meines Kampfes gegen den Krebs. Oder? Immerhin wurde im November 2015 eine Knochenmetastase in meiner rechten Hüfte entdeckt. Das ist nun mehr als 4 Jahre her. Und ich lebe noch! Aber nun…..? Während ich die, wie ich nun weiß, nutzlose Chemotherapie erhielt, hatte ich auf einmal Schmerzen im rechten Fuß, die in die Wade ausstrahlten. Komischerweise traten diese Schmerzen nur Nachts auf, wenn ich im Bett lag. Schnell wurden diese Schmerzen so massiv, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Jede Stunde war ich gezwungen aufzustehen und hin und her zu laufen, bis es wieder einigermaßen ging. Dann eine Tablette 5 MG Morphium Akut. Wieder schlafen, bis es nach einer Stunde mit dem Schlaf wieder vorbei war. Egal wie ich mich hinlegte, die Schmerzen kamen sicher und unerbittlich. Tagsüber war es ok, doch dieser Zustand führte zu einer zu wachsenden Erschöpfung und geradezu Angst vor der nächsten Nacht, in der ich meinen Schlaf immer dringender brauchte und ihn nicht bekam. Eine, wie mir schien, ausweglose Situation. Doch es gibt immer einen Weg…….!

Meine Onkologin sprach von einem möglicherweise eingeklemmten Nerv, und man müsste doch mal ein MRT meiner Wirbelsäule durchführen. Und siehe da: Ich hatte eine Metastase im unteren Lendenwirbelbereich. Diese Metastase drückte im Spinalkanal auf einen Nerv, und der Druck auf diesen Nerv war der Grund für meine Schmerzen. Ein Scheißbefund, und gleichzeitig tat sich ein Weg auf. So etwas lässt sich operieren. Eine Art Bandscheibenvorfall-Operation, bei der möglichst viel von der Metastase entfernt , der Wirbel mit Titan-Haken fixiert und anschließend die Stelle bestrahlt wird, damit der erst der Metastase möglich klein bleibt. Gesagt getan, eine 4-Stunden-OP, eine Woche Krankenhaus, dann 10 Bestrahlungen. Die Schmerzen waren letztlich nicht komplett weg, doch ich konnte wieder schlafen. Hört sich vielleicht nicht nach viel an. Doch vorher war ich in einem Zustand von Verzweiflung, der nicht mehr lange zu ertragen gewesen wäre. Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir bewußt, wie unbewußt und oft wenig wertschätzend ich in der Vergangenheit geschlafen habe. Lag ich nachts mal eine halbe Stunde wach, war es in meiner Wahrnehmung ein Gefühl von „schlecht geschlafen“ oder eben auch umgekehrt eben „gut geschlafen“. Erst jetzt ist mir bewußt, wie gut es tut, meinen erlebten Schlaf wahrzunehmen, genießen und zu wertschätzen.

Nun sind diese OP und die nachfolgende Bestrahlung keine Therapie, die mir bei meiner Genesung helfen. Denn die Metastasen im Becken und genauso die Metastasen in der Lunge waren nach der erfolglosen Chemo weiterhin ohne jegliche Therapie und haben die Chance, sich zu vermehren und zu wachsen. Dennoch wäre ich ohne diese schmerzauflösende OP sehr viel weniger in der Lage gewesen, mich mit Zuversicht, Klarheit und Kraft weiter meiner Genesung zu widmen.

In der Onkologie wurde mir dann vorgeschlagen, statt der bisherigen erfolglosen, ambulanten Chemo mit einer 6-maligen, stationären Therapie zu beginnen. Stationär wegen der massiven Nebenwirkungen wie Halluzinationen, extremer Übelkeit, Schwäche und einiges mehr. Gleichzeitig wurde eine Heilung ausgeschlossen! Lediglich ein Versuch, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Was also entscheiden? Wieder mal eine Situation, in der ich mich erstmal überfordert fühlte. Ich war nicht klar im Kopf. Dabei gab noch eine andere Möglichkeit.

Denn seit vielen Monaten werde ich von einer Naturopatin begleitet. Naturopathie ist die Wissenschaft der natürlichen Gesundheit. Bei unseren regelmäßigen Treffen lerne ich von ihr, wie ich mit meiner Energie umgehe, spezielle Atem-Techniken, die mein Immun-System unterstützen. Ich trinke viele verschiedene Tees. Von dem einen pro Tag einen Liter, von dem Anderen einen Becher pro Tag, koche Amaranth-Brei (schmeckt ganz gut – aber immer nur wenige Löffel), nehme pro Tag 3 Esslöffel Leindotter-Öl zu mir, 5 mal Tag am 25 Tropfen eines unsagbar bitteren Öls und vieles mehr. Sie sprach sich mit aller Entschiedenheit gegen diese neue Chemo aus. Herr Krankenberg, Sie stehen eine Nano-Sekunde vor 12Uhr!! Wenn selbst die Ärzte sagen, dass es keine Heilungschance gibt, dann wird die Chemo Ihnen keinen guten, zeitlichen Aufschub geben. Vielmehr wird diese Behandlung dafür sorgen, dass es Ihnen währenddessen unglaublich schlecht gehen wird und Sie anschließend mit hohen Morphium-Gaben ins Hospiz eingeliefert werden. Das ist dann Ihr letzter Gang. Irgendeine Lebensqualität wird es für Sie nicht mehr geben. Oder aber wir gehen einen gemeinsamen Weg, der Ihnen für eine gewisse Zeit ein weitgehend gutes und normales Leben bietet bietet, selbst wenn schlußendlich am Ende das selbe Ergebnis stehen wird. Die Entscheidung treffen Sie allein. “ PUH!

Die Tragweite war mir sofort klar, aber ich fühlte mich erstmal außerstande eine solch bedeutsame Entscheidung zu treffen. Ein Kaleidoskop von Fragen geisterte mir durch den Kopf: Was ist, wenn die neue Chemo doch greift? Worum geht es wirklich, um Gesundung oder nur um einen Aufschub? Kann ich ihrer Kompetenz vertrauen? Wie kompetent sind die ärztlichen Vorschläge? Die Tragweite meiner Entscheidung hinderte mich an klarem Denken. Statt Klarheit nur Widerstreit zwischen Rationalität und Gefühl. Mir war deutlich, dass ich für mich in einen Zustand von kompletter Klarheit und Souveränität kommen wollte, ja mußte, und dann würde ich entscheiden können. Dafür nahm ich mir nun Zeit. Spaziergänge, Stille, Tagebuch, erhellende Gespräche mit Susanne, auch Tränen, Angst und Verzweiflung ob der Tragweite einer falschen Entscheidung. Doch bevor ich nicht in dieser inneren Ruhe sein würde, wäre ich immer in einem Zustand von unauflösbarem Zweifel gefangen. Es gab auf beiden Seiten so viele Für und Wider, die rational nicht lösbar waren. Also weg mit dem Thema, hin zu innerer Stärke. Dann war es auf einmal ganz einfach. Ich entschied mich gegen die Chemotherapie!! Es fühlte sich absolut richtig an. Ich war wieder in mir angekommen.

Nun ging los. Zunächst einmal war drei Tage Fasten angesagt. Die Krebszellen sollen nichts mehr zu essen bekommen. Wir entwickelten einen detaillierten Plan, an den ich mich eisern hielt. Manche machen eine Exel-Tabelle, ich hatte immer mein Ringheft auf dem Schreibtisch liegen und jeden verabredeten Tee, jede Nasendusche, alles trug ich ein. Schnell entwickelte ich ein Gefühl Pflichtbewusstsein und freudiger Zuversicht. Meine Achtsamkeit war auf einem, wie ich fand, hohen Niveau. Das Fasten machte mir nichts aus. Immerhin trank ich viel und die zwei Becher Gemüsebrühe schmeckten und reichten mir.

Meine Aufgaben-Liste

Doch diese 3 Tage Fasten waren nur der Aufgalopp für ein letztlich 3-wöchiges Nichts-Essen. Meine Naturopatin, ich nenne sie jetzt Frau S, verlängerte diese Zeit auf eine sehr geschickte Art und Weise. „Es wäre prima, falls Sie das Fasten noch bis zum nächsten Wochenende weitermachen könnten!“ Hab ich natürlich gemacht, und so wurden aus den 3 Tagen stückchenweise 3 Wochen. Natürlich nahm ich ab, mein körperliches Wohlbefinden litt kaum. Schon verwunderlich, wenn man es nicht kennt. Und ich kannte es nicht. So viele Dinge in unserem Leben kennen wir nicht, haben aber ein festes Urteil darüber! Ob es wirklich der Wahrheit entspricht, überprüfen wir kaum, sondern nehmen es als Tatsache hin. Nur wenn die Umstände besonders sind, sind wir bereit, ganz neue Wege zu gehen. Und ich war bereit, mich dem Gedanken zu verpflichten, meinen Krebszellen die Ernährung so schwer wie möglich zu machen, sie irgendwie auszuhungern.

Dennoch war ich aufgeregt und neugierig, wie es nach dieser langen Zeit denn nun mit dem Essen losgehen würde. „Keine Butter, keine Mayonnaise, keine Milch, kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, kein Käse, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis, kein Obst, keine Linsen, keine Süßkartoffeln!!“ Also nur Gemüse und Salat!! Die erste Gemüse-Pfanne>>>>>ein Hochgenuss! So vergingen die nächsten 4 Wochen, und manchmal war es echt öde und manchmal köstlich. Susanne war wie immer sehr kreativ. Nach Ablauf dieser 4 Wochen war ich bei 73 Kilo angelangt. Morgens im Spiegel sah ich schon komisch aus. Aber egal, Hauptsache der Krebs bekam nichts zu essen. Und ich fühlte mich weiterhin ziemlich gut. Meine Haare wuchsen wieder. Das freute mich sehr. Stück für Stück kam ich wieder in mein altes Aussehen.

JA, WIR SIND,TROTZ SCHWIERIGER ZEITEN, SEHR GLÜCKLICH MITEINANDER

Im Laufe dieser Wochen wurde mir, auch durch zusätzliche, neue Informationen, immer klarer, dass meine Entscheidung, die stärkere Chemotherapie abzulehnen, goldrichtig war. Durch Untersuchungen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und der Abteilung für Human-Genetik der Uni Tübingen stellte sic, In Absprache mit einer Klinik in NY heraus, dass es wohl ein Gen gibt, das für meine Erkrankung verantwortlich ist. „Aufgrund der sehr schlechten Wirksamkeit der zuletzt durchgeführten Chemotherapie und der nachgewiesenen aktivierenden PIK3 Mutation im Tumor bei Herrn Krankenberg ist dabei in erster Linie an eine zielgerichtete Therapie mit einem PIK3CA Inhibitor zu denken.“ Was heißt das jetzt? Ich habe einen Prostata-Krebs, der keinen PSA-Wert zeigt. Das ist über mehr als 3 Jahre nicht festgestellt worden! Darüber hatte ich im vorherigen Beitrag berichtet. Nun weiß man, welches Gen wohl dafür verantwortlich ist. Eben diese aktivierende PIK3 Mutation, die nun mit einem PIK3CA Inhibitor angegangen wird. Die vorher angeratene Chemo hätte nichts genützt. Im Gegenteil!!! Einzig eine enorme Schwächung wäre das Ergebnis gewesen. Nun ging es darum, diese Behandlung, die es bisher in Deutschland für nicht gibt, zu beschaffen. Leider ist sie sehr teuer, nämlich ca. € 28.000 mtl.! Dazu gibt es keine Erfahrung mit diesem Medikament. Was nun passierte, war eine der schönsten, berührensten Erfahrungen, die ich in meinem Erwachsenen-Leben gemacht habe.

Das beschreibe ich in den nächsten Tagen im 2. Teil dieses Beitrages.

Alles Liebe für Euch!

Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 74

Zwischenbericht

Gestern hatte ich erstmals den Gedanken: „Ich schaffe es nicht.“

Endlich, nach zwei Monaten, lag der Befund aus Heidelberg vor. Außerdem gab es die Bilder aus dem PET-CT, das tags zuvor angefertigt wurde. Mein Zwillingsbruder und Suse begleiteten mich. Während des ganzen Gesprächs mit der Ärztin hielt Suse meine Hand und mein Bruder hatte seinen Arm um mich gelegt. Ich fühlte mich gehalten und geliebt!.

„Die bisherige Chemotherapie hatte keinen Effekt.“ „Die Metastasen in der Lunge sind gewachsen.“ „Es sind weitere Metastasen hinzugekommen.“

Das waren die Kernaussagen. Was jetzt? Im weiteren Verlauf ging es um den Abbruch der bisherigen ambulanten Chemotherapie, Kontaktaufnahme mit DER Spezialistin für meine Form der Krebserkrankung, die in Houston,USA arbeitet, eine nunmehr stationäre Chemo mit erheblich stärkeren Nebenwirkungen und, und, und…….. Obwohl ich geradezu an den Lippen der Professorin hing, war ich erfüllt von dem Gedanken: „Es klappt nicht!!“ Sie versuchen, wirklich mit Einsatz und auch großer Kompetenz, alles, doch es reicht nicht! All die medizinischen Behandlungen, meine eigenen Bemühungen sind nicht in der Lage den Krebs aufzuhalten. Werden die neuen Therapien es schaffen? Zumal doch gesagt wurde, dass es nicht mehr heilbar ist. Ich spüre bereits eine Veränderung in meinem Brustkorb, in der Lunge. Auch die Schmerzen im Hüftbereich nehmen zu. Die bisherigen Chemotherapie hat mich geschwächt. Wohin geht dieser Weg?

„Wenn Du nichts änderst, ändert sich nichts.“

Dieser Spruch hat mich über viele Jahre meines Lebens begleitet und gelenkt. Oft war er der Beginn einer elementaren, grundsätzlichen neuen Ausrichtung. Es ist notwendig, etwas komplett zu verändern………!!! Was das sein wird, weiß ich noch nicht. Ich werde in mich gehen, in mein Innerstes und eine Antwort suchen. Die ultimative Veränderung? Ich weiß noch gar nichts!

Alles Liebe für Euch!

Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 73

Chemotherapie………….. Das Schreckgespenst

Am 16. August war es so weit, meine erste Chemotherapie. Morgens um 10 Uhr hatte ich den Termin in der onkologischen Ambulanz der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Ich reihte mich in die Schlange im Flur vor der Anmeldung ein. Diskretions-Abstand war die Devise. Mindestens 10 Patienten warteten darauf, hereingebeten zu werden. „Der Nächste bitte!!“ Erst nach der erfolgten Anmeldung konnten wir im Wartezimmer Platz nehmen. Bis dahin war für alle warten im Stehen angesagt. Im Klartext: Es war offensichtlich, dass die meisten Wartenden krebskrank waren, einige an Krücken, manche leichenblass. Eine begleitende Ehefrau fragte ihren Mann sorgenvoll: „Kannst Du noch?“ Mit zusammengepressten Lippen nickte er nur. Ich versuchte mich mental von dieser bedrückenden Situation zu lösen, mich ausschließlich auf mich selbst zu konzentrieren. Gar nicht so leicht, angesichts dieser herzlosen Gedankenlosigkeit.. Wie ich das hasse!

Nach einigen Vorbereitungen, wie Blutabnahme, Legen eine Zugangs für die nun folgenden Infusionen ging es dann in den Raum mit den vielen Liegesesseln. Wie oft hatte ich solche Räume schon in Filmen gesehen, und sie strahlten für mich jedes Mal eine Aura des Todes aus. Endzeitstimmung. Mit äußerster Konzentration versuchte ich meine Gedanken und Gefühle zusammen zu halten. …… „Es ist gut jetzt hier zu sein! Die Chemotherapie unterstützt mich im Gesundwerden. Ich bleibe ganz bei mir, schließe die ganze Atmosphäre aus.“ Es gelang mir ganz gut,

Ich begann meine mentalen Übungen zu machen, um damit alles, was nun passierte zu unterstützen. Meine nur selten benutzten Noise-Reduktion-Kopfhörer waren nun Gold wert. In meiner Vorstellung bekam jede Krebszelle einen Tropfen vom Gift injiziert und starb ab. Gleichzeitig visualisierte ich Bilder vom Windsurfen und das Bewusstsein und Gefühl von völliger Heilung. So verging die Zeit ganz gut. Nach knapp 4 Stunden war alles vorbei. Ich fühlte mich weder benommen, noch war mir übel. Alles wie immer. Doch das änderte sich, wenn auch nicht in dem Maße, wie ich es von anderen, die ebenfalls eine Chemotherapie erhalten hatte, gehört hatte. Übelkeit , Benommenheit, Appetitlosigkeit und Müdigkeit stellte sich dennoch ein. Ich entschloß, mich zunächst all meine Termine zu verschieben und überlegte, welche Termine mir schon seit längerem keine richtige Freude mehr machen würden. Diese Termine sagte ich endgültig ab. So etwas hatte ich nie zuvor gemacht. Ich verspürte anfänglich Angst davor, es mir nicht leisten zu können, doch schnell stellte sich eine große Erleichterung ein. Gut gemacht! Einige Tage später flogen Susanne und ich für 14 Tage in unser Haus nach Lanzarote. Ruhe und Erholung waren angesagt. Wir waren davon ausgegangen, dass ich viel Zeit für Rekonvaleszenz brauchen würde. Doch dem war nicht so. Eigentlich war es wie immer. Jeden Morgen eine halbe Stunde im Meer schwimmen, über die Insel fahren und die Tag an den schönsten Stränden verbringen, abends essen gehen oder auch wunderbar selbst kochen, einen neuen Tisch kaufen, ins Haus transportieren und zusammenbauen. Außer der Tatsache, dass ich urplötzlich an Haarausfall litt und Susanne mir half, meinen Kopf zu rasieren, war es ein herrlicher Urlaub.

Lediglich das Gehen fiel mir schwer, denn vorher, noch in Hamburg, wurde festgestellt, dass ich im linken Knie einen Innenmeniskusabriß hatte. Eine Verschleißerscheinung aufgrund einer 20 Jahre zurückliegenden Knieoperation. Die Schmerzen waren so, dass mir relativ schnell klar wurde, dass ich um eine Operation während der Chemotherapie-Zeit nicht herumkommen würde. Na ja, mal sehen……….. Direkt nach unserer Heimkehr erfolgte die zweite Chemo. Wieder kapselte ich mich vollständig ab. War nur bei mir in meinen Traumreisen. Wiederum 3 Wochen später dann die Dritte. Ging wiederum ganz gut. Bin nun gespannt, wie nun nach der Hälfte der insgesamt 6 Chemos das Ergebnis sein wird. Auch fehlt immer noch der Befund der Zweitmeinung vom Deutschen Krebsforschungszentrum aus Heidelberg. Zusammen mit einem neuerlich PET-CT wissen wir mehr. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Alles Liebe für Euch!

Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 72

Lungenmetastasen

Nach der in „Mein Weg 71“ beschriebenen Entdeckung von einer Ausbreitung der Knochenmetastasen im rechten Beckenbereich wurde schnellstmöglich ein PET-Ct gemacht. Damit kann festgestellt werden, ob und inwiefern eine weitere Streuung und Ausbreitung stattgefunden hat. In einem meiner früheren Einträge habe ich die Funktionsweise einer solchen Untersuchung bereits beschrieben. Dennoch nochmals kurz, wie es funktioniert. Zu Beginn wird mir eine radioaktive Substanz injiziert. Dann komme ich in einen Raum mit dicken Wänden und einer dicken Tür. Dort bleibe ich für 2 Stunden. In dieser Zeit verteilt sich diese Substanz in meinem ganzen Körper, unterstützt durch das Trinken von ca. 2 Litern Wasser. Die dicken Wänden schützen übrigens das Krankenhauspersonal vor einer Bestrahlungsschädigung durch mich.

 In der Röhre bekam ich dann ein Kontrastmittel und die Bilder werden gemacht.  

Nun ja, bei der Befundbesprechung am Folgetag, Susanne war wie so oft dabei, sah ich schon am Gesicht der Ärztin, dass es ein schlechter Befund sein würde. Und so war es dann auch.  Metastasen in der Lunge! Scheiße!! Schlechter könnte es nicht sein. Aus schulmedizinischer Sicht keine Möglichkeit der Heilung.  Jedes Mal löst eine solche Nachricht in mir zunächst schockartige Angst, Fassungslosigkeit und ein Gefühl von Ausweglosigkeit aus. Schaue ich dann meine Suse an, sehe, wie sie mit großen Augen und grau im Gesicht neben mir sitzt, weiß ich, wie ähnlich es uns beiden geht. nach einer solchen Nachricht. Nun geht’s los:   Chemotherapie, Anti-Hormom-Therapie, das voll Programm. Vor allem die Anti-Hormon-Therapie steht mir bevor, habe ich sie doch mehr als 2 1/2 Jahre „genießen“ dürfen.

Wieder mal brauche ich einige Zeit, um mich von dieser Nachricht mental zu erholen. Meine frühmorgendlichen Zeiten, in denen ich meditiere, lese, meine Gedanken wahrnehme, reflektiere und weiterentwickle, helfen mir dabei sehr. In dem Buch „Das heilende Bewusstsein“ las ich viel über die in uns allen innenwohnende Kraft der Handlungsfähigkeit. Ich denke, wirklich jeder Mensch hat diese Fähigkeit zu handeln. . Doch entscheidend ist es, diese Fähigkeit zu aktivieren, sie also quasi zum Leben zu erwecken. Die Beschäftigung mit diesem Thema gibt mir Zuversicht und auch Mut neue Wege zu gehen. Manchmal ist das schwer, aber es geht. Susanne an meiner Seite zu haben ist ein Geschenk des Himmels. Ohne sie……. Daran mag ich gar nicht denken. Dabei weiß ich genau, wie schwer es auch für sie ist. Vor etwas mehr als 3 Jahren hat sie einen Mann geheiratet, der damals bereits an Krebs erkrankt war. Nun wird mein Zustand schlechter und sie ist stets voller Liebe und Unterstützung an meiner Seite. Doch auch sie hat dunkle Zeiten voller Angst. Ich weiß es und bin voller Bewunderung, dass sie es mich nicht in einer Form wissen lässt, die mich schwächen würde. Ich liebe sie so sehr.

Mittlerweile habe ich die die erste Chemo, Kortison-Behandlung und Anti-Hormon-Injektion hinter mir. Davon berichte ich beim nächsten Mal. Nur so viel: Wirklich nicht angenehm, aber auch nicht so schlimm, wie es immer beschrieben wird.

Alles Liebe für Euch

Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 71

Der Krebs, er ist wieder da…………!!!

Gefährlicher und ernster als zuvor .

Schon seit langem habe ich immer wieder Schmerzen in der rechten Leiste. Vor allem wenn ich beim Sport eine falsche Bewegung machte. So während unseres Urlaubes auf Lanzarote im August letzten Jahres. Beim Windsurfen mit viel Wind und Welle überdehnte ich mein Bein ein wenig. Das tat weh und ich beendete meinen Ausflug auf das Wasser für diesen Tag. Letztlich bezahlte ich mit 4 Wochen Schmerzen und der Einnahme von Schmerzmittel. Solche Maleure ereilten mich seitdem in verschiedenen anderen Situationen. Hier in Hamburg fahre ich seitdem lediglich Fahrrad und gehe zum Schwimmen.

Ich schob diese Empfindlichkeit auf einen Beckenbruch vor anderthalb Jahren durch einen Sturz. Durch die Bestrahlungsschäden in diesem Bereich heilte er nicht, bereitete mir aber auch sonst keine Probleme. Doch seit Mai veränderten sich diese Schmerzen rapide. Komischerweise war es nachts beim Liegen besonders unangenehm. Jedoch waren es ausstrahlende Muskelschmerzen in die Beinmuskulatur und nicht so sehr im Hüftbereich. Ein Orthopäde vermutete eine Arthrose in der rechten Hüfte und verordnete ein MRT zur genauen Diagnose. Gesagt getan. Am Dienstag dieser Woche legte ich mich, wie schon so oft, in die Röhre. Susanne wie immer an meiner Seite . Beim anschließenden Befundgespräch mit dem Radiologen dann der Schock: „Herr Krankenberg, Ihre Hüfte ist altersgemäß völlig in Ordnung. Aber schaue Sie mal hier“, er vergrößerte das Bild auf dem Monitor, „hier haben Sie eine große Metastase von 5,5 cm Durchmesser und im Vergleich zum letzten MRT eine massive Zunahme von Metastasen im Knochenbereich des rechten Beckens. Es sind streuende Krebszellen zu erkennen. Sie laufen Gefahr, dass der Knochen brechen kann. Es tut mir Leid, Ihnen nichts anderes sagen zu können.“

Es ist mir nicht möglich meine Gefühle in diesem Moment zu beschreiben. So eine Art ungläubige Leere……………… Susanne stellte noch ein, zwei Fragen. Was genau, weiß ich nicht mehr.

Auf der Fahrt nach Hause schwiegen wir, brachen immer wieder in Tränen aus. Irgendwann meinte ich: “ Ich fühle gar nichts, bin leer, aber meine Gedanken rasen!“ Susanne ging es genauso. Ich rief dann meinen Zwillingsbruder an, genau wie damals im Mai 2015 bei der Erstdiagnose, und er meinte nur: „Ich komme so schnell ich kann.“ Auch das wie damals. Wir saßen dann zusammen, Susanne, Hans und ich, erinnerten uns an damals und waren miteinander verbunden. Was tun? Bei einer solchen Diagnose. Mein PSA-Wert ist seit mehr als 3 Jahren bei 0. Dies ist der entscheidende Wert bei meiner Erkrankung, der angibt, ob Krebs da ist oder eben nicht. Wie passt das zusammen? Erste Schritte wurden besprochen. Am nächsten Morgen ein Gespräch zusammen mit meinem Bruder bei meinem Urologen. Anruf bei einem befreundeten Urologie-Professor der Martini-Klinik des UKE, mit dem ich zufälligerweise gemeinsam im Dezember über den Atlantik gesegelt bin. Mir war klar, ich habe wenig Zeit, alles muß nun möglichst schnell gehen. Anruf bei meinem Freund aus Leipzig, der mir 2016 die Begutachtung der Experten in New York ermöglicht hatte. Alle versprachen schnellstmögliche Hilfe. Nun mußte der schriftliche Befund des Radiologen abgewartet werden, die MRT-CD in mehreren Exemplaren besorgt werden, meine ganze Kranken-Akte für die Universitätsklinik Eppendorf kopiert werden. Beim Termin am nächsten Morgen mit meinem Urologen, dem der schriftliche Befund bereits vorlag, meinte er nur, dass er keine Erklärung hätte. Schon zu früheren Zeiten hatte er uns versichert, dass ein erneutes Auftreten des Krebses bei einem Wert von 0 „labortechchnisch“ nicht möglich sei. Welch ein fehlerhafter Irrtum. Später am Abend riefe mich dann mein Bruder, als auch er den Befund hatte, an und meinte nur: „Peter, der Befund ist katastrophal.“ Mit all dem ging es mir schlecht. Kein Elan, immer müde, nur schlafen, nichts denken und tun. Am Mittwochnachmittag, also dem nächsten Tag, beschloß ich das für den nächsten Tag schon lange geplante Segeln mit einem Freund abzusagen. Jetzt segeln zu gehen, erschien mir wie eine große Last. Zu nichts hatte ich Lust und fühlte mich einfach nur kraftlos. Als ich dann abends telefonisch absagen wollte, zögerte ich. Wo würde das hinführen? Urplötzlich begriff ich, wie wichtig es für mich ist, wieder ins aktive Handeln zu kommen. Ansonsten hätte ich keine Chance. Und meine Entschlossenheit, meine Entscheidungskraft , meine Kreativität und meine Zuversicht würden mich unterstützen. Und wir segelten am Donnerstag!! Es war wunderschön.

Ich bin wieder dran und damit geht es mir gut.

Alles Liebe Für Euch!

Von Krankheit zur Heilung Mein Weg 70

Gewohnheit? Aufgepasst!

Gestern war mein PSA-Wert wieder bei 0. Der Ablauf war wie folgt: Am Freitag beim Urologen wurde mir wie üblich einmal im Monat Blut abgenommen und das Ergebnis für den darauffolgenden Dienstag per Telefon avisiert. Am Dienstag erfolgte jedoch kein Anruf. Ich merkte es nicht, vielmehr wurde es mir erst bewußt als Suse mich abends danach befragte. Kurze gemeinsame Überlegung, ob dieser Nichtanruf wohl ein schlechtes Zeichen sein könne. Suse beruhigte mich. Der erwartete Anruf kam dann am Mittwochvormittag. Schon Erleichterung bei mir, doch anders als bei früheren Malen. Kein Stein, der mir vom Herzen fiel, sondern eben nur eine gewisse Erleichterung. Diese Veränderung ist für mich sehr angenehm. Nicht mehr diese drohende pechschwarze Wolke, die mich geradezu verschlingen droht. Stattdessen das beruhigende Gefühl von „alles gut“. Doch wie die meisten Dinge hat auch dieses Thema zwei Seiten. Nämlich, dass ich in meiner Aufmerksamkeit nachlasse. Es ist nun fast 4 Jahre her, dass meine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Und ich lebe noch. Die Krise scheint vorbei, scheint überwunden zu sein. Möglicherweise !? Doch ich weiß es nicht wirklich. Eigentlich weiß ich nur sehr wenig. Meine letzte schulmedizinische Behandlung erhielt ich im Juni 2017. Schon davor und auch jetzt noch ist mein PSA-Wert bei 0. Das ist gut. Dieser Zustand führt bei mir zu einem gewissen Nachlassen im mich einsetzen für meine Heilung. Jedoch geht es bei dieser Heilung um eine ganzheitliche Genesung. Was meine ich damit?

Viele Aspekte meine früheren Lebens haben zu meiner Erkrankung geführt. Manche sind mir, glaube ich bekannt, andere bis heute nicht. So ist mir nicht klar, ob die Umwelt meine Erkrankung mit verursacht hat und wenn ja und in welchem Ausmaß. Andere Bereich wie beispielsweise meine Lebensführung, Ängste, die mich mein Leben begleitet habe, meine Ernährung, meine Einstellung zu mir und zu vielen Situationen meines Lebens und anderes mehr sind für mich zweifelsohne ursächlich mitverantwortlich. In welchem Ausmaße jeweils weiß ich jedoch nicht genau. Das ist auch nicht so entscheidend. Ich habe mich damals einfach entschlossen, alles in Frage zu stellen und mich all diesen Bereichen zu widmen. Mit voller Absicht und sehr viel Aufmerksamkeit. Das ist mir bis heute gelungen, und die Ergebnisse zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dazu kommt, dass diese neue so andere Form der Lebensführung und Bewusstheit mir Freude macht. Ursprünglich hatte sie ich sie lediglich als Mittel zum Zweck gesehen, nämlich dem Tod von der Schippe zu springen und zu genesen. Doch daraus, im jeweiligen Augenblick meiner anderen Lebensführung, Freude und eine wesentlich intensivere Zeit zu erfahren, ist ein Glück, mit dem ich nicht gerechnet habe. Aus meiner Erkrankung ist etwas Neues entstanden, nämlich ein gänzlich neues Leben, reicher und vielfältiger, als ich ich es vordem für möglich hielt.

Und dennoch…………

Ich ertappe mich dabei, dieses neue Leben als Normalität , als etwas Selbstverständliches anzusehen sehen. Und das ist auch gut so. Denn diese Normalität ist wahrlich selbst erfunden und entwickelt. Sie entspricht meinem Bedürfnis, wie ich leben möchte. so lange ich mir dessen bewußt bin und gleichzeitig wachsam bleibe ist alles gut. Doch ich falle auch in alte Gewohnheiten zurück. Jedenfalls manchmal. Täte ich dies bewußt und absichtsvoll, so wäre es prima. Doch so ist es nicht. Mehr Schokolade, also Süßes, mehr Selbstkritik, mehr Schieben von Aufgaben, die mir eigentlich wichtig sind, weniger Reflektion, Bequemlichkeit, nach dem Motto, es geht schon, und so weiter…… Im Grunde fühle ich mich damit eher unwohl. Ich liebe es doch, bewußt zu leben und zu gestalten. Heute morgen las ich folgenden Spruch: „Zu wissen, dass Veränderung möglich ist, und der Wunsch, Veränderungen vorzunehmen, dies sind zwei große erste Schritte.“ Virginia Satir

Schon während ich dies schreibe verspüre ich wieder große Lust, mehr Aufmerksamkeit und Lebendigkeit zu gestalten. Ich liebe diese Intensität und Leidenschaft. Alles andere ist kalter Kaffee!! Wer mag das schon? Ich nicht.

Alles Liebe für Euch!


Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 69

MIT  DEM SEGELBOOT ÜBER DEN ATLANTIK

Diese Reise war eine der intensivsten Erfahrungen meines Lebens. Für den Rest meines Daseins werde ich mich erinnern und davon profitieren. Schon jetzt, während ich diese ersten  Zeilen schreibe, kehrt alles zurück: so viele Bilder, Situationen, meine Gefühle. Ich habe beschlossen, das während der Reise  geführte Tagebuch in weiten Teilen in diesem Blog zu veröffentlichen. Der Einfluß, den diese Zeit auf mein Leben und damit auch auf meine Heilung hat, ist schwierig in Worten auszudrücken. Am besten ich fange einfach mal an……….

Es ist Dienstag, der 20.November 2018. Ich sitze im Flieger von Hamburg nach Gran Canaria. Nach der Landung werde  ich mit dem Taxi in die Marina fahren und  quartiere mich  in die „Peter von Seestermühe“, unserem Schiff, ein. Bin gespannt, was für eine Koje ich haben werde.
Fühle mich nicht richtig wohl, aber auch nicht richtig schlecht. Eine Stimmung, die ich gut kenne. Leichte Unsicherheit ob meiner Position und Rolle an Bord. Habe sehr wohl einige Situationen mit unserem Skipper  im Kopf. Damit meine ich seine  überzogene Reaktion  während der Aal-Regatta anlässlich der Kieler Woche. Das  wirkte immer noch  in mir. Ich war wie alle anderen auch, schon vorher einmal mitgesegelt,um die „Peter von Seestermühe“ genauer kennenzulernen. Dies war  für alle Mitsegler die Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Atlantik-Überquerung . So segelte ich eben während der Kieler Woche einige Tage mit und erlebte den Skipper grenzüberschreitend. Mir ist klar, dass es nichts mit mir persönlich zu tun hatte. Vielmehr zeigte sich bei ihm ein Verhalten, dass wohl schon öfter da war. Nicht umsonst sprach Hanneke, eine erfahrene Seglerin auf de Peter von Seestermühe, davon, dass es klug war, sich während der Regatta auf dem Vorschiff aufzuhalten. Sie wusste anscheinend, dass die Leute im Cockpit einiges abbekommen würden, wenn er angespannt  und unter Strom stehenden  würde. So war es dann auch.  Na mal sehen, wie es wird . ??
Ob ich alles eingepackt habe? Vielleicht  zu viel?!  Gerade meine übliche Meditation gemacht. Tat, wie meistens, gut. Neben mir sitzt ein Ehepaar, denen die vielen Zigaretten anzusehen sind. Tätowierungen, Goldketten. Nur gut, dass es keinen Raucherbereich mehr gibt. Sind eher unfreundlich und wortkarg. Sie liest im E-Book, er macht nichts. Verlebte Gesichter.
Vorhin, am Gate noch viele Nachrichten geschrieben.  Gute Reise-Wünsche, geschäftliche Dinge. Schnell und konzentriert. Wollte alles erledigt haben, wenn es losgeht.  Alles geschafft.
Sehe immer noch Suse, wie sie bis zum letzten Augenblick Hamburger Flughafen  vor der Security stand und wir unsere Blicke hielten. Dann war sie weg und ich ging allein. Sie fehlt mir. Jetzt schon.
Wir waren uns so nahe.

Noch 75 Minuten Flugzeit, ich habe beschlossen, dieses Reisetagebuch ganz ausführlich zu führen. Mein Vorhaben erscheint mir als so etwas Besonderes, dass ich es dadurch entsprechend würdige und später immer wieder nachlesen kann. Komischerweise versinken doch auch die eindrücklichsten Begebenheiten, zumindest teilweise, im Vergessen.
Höre gerade Rammstein. Unglaubliche Musik. Welche Macht von ihr ausgeht! Nächstes Jahr im Sommer fahren wir nach Berlin zu einem  Rammstein-Konzert. Buntes Leben.
Jetzt höre ich, da ich Musik im I-Phone auf Zufall gestellt habe, die Rede von Susannes Bruder Thomas anlässlich des 50. Hochzeitstages seiner Eltern.  Schön! Wie lange haben Suse und ich ? Ich hoffe noch viele Jahre. Eine lange, intensive und liebevolle Reise soll es sein. Im Grunde ist Suse für dieses Abenteuer verantwortlich. Dieser Traum, über den Atlantik zu segeln, begleitet mich bereits eine lange Zeit. Doch irgendwie war es mehr ein Vorhaben, das immer in der Zukunft, doch nie konkret in der Gegenwart zu liegen schien.
Letztes Jahr im Sommer meinte ich, wir standen in der Küche, dass ich, wenn ich wieder gesund sein würde, über den Atlantik segeln würde. Quasi als Anreiz und Belohnung. Sie erwiderte, und es kam wie aus der Pistole geschossen, „mach’s vorher“. Mir war sofort klar, was sie meinte: nämlich mich ausschließlich auf die Gesundung zu konzentrieren und das geile Gefühl des Segelns dafür zusätzlich zu nutzen. Es dauerte eine ganze Zeit, mich von meiner Zielvorstellung zu lösen und ihre zu übernehmen.  Wer weiß, ob ich es jemals realisiert hätte. Doch nun ist es Realität und am Sonnabend geht es los. Danke Suse! 😘😍🙏🏼
Nun mache ich das Beste daraus. Täte ich es nicht, dann wären diese 4 Wochen der Trennung von Suse nicht anderes als eine überflüssige Qual.

21.November 2018

Bin mittlerweile auf der „Peter v. Seestermühe“. Es ist 17.45 h, ich liege auf dem Vorschiff in der Hängematte und will mal ein wenig weiterschreiben. Strahlender Sonnenschein nach dem wohl schlechten Wetter der letzten Zeit. So war es auch schon gestern. René, der weißgekleidete Taxifahrer, holte mich wie bestellt am Flughafen ab, und nach 20 Minuten war ich am Schiff. Der Empfang von Hanneke war sehr herzlich, der von Christoph eher etwas unterkühlt. Irgendwie können wir nicht recht miteinander. Ich fühle mich unsicher. Beim Abendessen in einem Restaurant nahm ich mein Handy und schaute etwas nach. Als er es sah, sagte er vor allen Leuten, es wäre vereinbart, dass wenn wir in unser Handy schauen würden, dann doch nach draußen gehen sollten. Nichts dergleichen war vereinbart! Ich denke, wie ich das im Restaurant handhabe ist meine Angelegenheit.  Dennoch verspüre ich eine gewisse Angst vor ihm.   Das beschäftigt mich sehr, schon vor der Reise und auch jetzt wieder. Mir ist klar und absolut deutlich, dass mich genau dieses Gefühl schon  während meiner Kindheit begleitet hat. Angst, wenn Großvater da war, Angst vor Schlägen, hoffen, alles richtig zu machen und zu bangen, dass er gute Laune und damit nett, zugewandt und entspannt war. Und Christoph mit seiner „Du bist klein-No Diskussion“ Art triggert mich.  Meine wichtigste Aufgabe wird sein, damit  klar zukommen, also meine innere Souveränität zu entwickeln.

 

 

Montag, der 26.November 2018
Wir sind unterwegs. Vorhin haben wir Delphine gesehen. Auf einmal,  5 Stück. Mit rasender Geschwindigkeit umschwärmten sie den Bug der Peter von Seestermühe.  Sie spielten, mal zu zweit, dann zu dritt oder auch alle.  Hin und her, springend und die Seite des Schiffes wechselnd. Und so plötzlich wie sie aufgetaucht waren, verschwanden sie auch wieder. Kaum 10 Minuten waren vergangen.

Gestern, den 25. November 2018 war um 13h der  Start. Ein beeindruckendes Bild, wie alle Segelboote zunächst den Hafen verließen. Eine schier endlose Phalanx , die von den Zuschauern auf den Molen an der Hafenausfahrt verabschiedet wurden. Ich war aufgeregt und hatte Herzklopfen. Es war vorgeschrieben, dass alle den Hafen unter Motor zu verlassen hatte. Das einzige Boot, das unter Segeln den Hafen verließ waren wir! „Ein wenig Piratentum muß sein!„, meinte unser Skipper. Cool.
Das ganze Team in einheitlichen, blauen T-Shirts und roten Capps, stellten wir uns erst an Backbord dann an Steuerbord in einer Reihe auf und verabschiedeten uns von den Zuschauern.
Draußen dann die Parade der Race-Yachten, der Svans, der Oyster usw.  Und wir mit unserem schönen Klassiker mittendrin. Beim Start wird es dann hektisch, so viele Leinen und Segel. Spinnaker, Genua, Fock, Groß, Besan und Besanstagsegel.  Gut 35 verschieden Leinen. Christoph und Hanneke sind hektisch und kritisieren schnell. Dennoch machte es Spaß. Herzklopfen, alle in Aktion und schlussendlich doch gutes Gelingen.
Wir waren gestartet zu unserer Atlantiküberquerung!!
In diesem Augenblick der allgemeinen Begeisterung dachte ich urplötzlich an den November 2015 und die damalige Prognose : UNHEILBAR.   Und nun drei Jahre später befinde ich mich an Bord einer Segelyacht, um im Rahmen einer Regatta den Atlantik zu überqueren. Ich brach in Tränen aus, hatte einen richtigen Weinkrampf. Konnte mich gar nicht wieder beruhigen. Alles stürmte auf mich ein, die Erinnerung an meine Ängste, die vielen Mühen, der ganze Weg, den ich bis hier zurückgelegt hatte. Meine Suse, ohne die ich es wohl kaum geschafft hätte. Gerade in diesem Moment fehlte sie mir geradezu unerträglich.  Glück und Leid waren in diesem Zeitpunkt vereint. Alle kümmerten sich rührend um mich, nachdem die erste Unsicherheit, was den mit mir los sei, sich aufgeklärt hatte. Später sagten mir viele, als wie gut sie diesen emotionalen Ausbruch empfunden hatte. Hanneke meinte: „Für mich das Highlight dieser Reise.“
Ich blieb, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, sehr still und war sehr erschöpft.

Das Feld der Segler zog sich schnell auseinander. Wir steuerten einen eher südlichen Kurs, entlang der afrikanischen Küste. Christoph hatte so entschieden, da er fürchtete, dass wir auf direktem Weg gen Westen in ein großes Schwachwindgebiet reinsegeln würden.  Wie sich heute zeigt, eine gute Entscheidung.  So sind wir unter Spi, mit einigen Halsen, die ganze Nacht durchgesegelt. Am Nachmittag dieses ersten Tages erfolgte dann auch die Wacheinteilung mit Hanneke, Christian, dem jungen dänischen Bootsmann und mir als Wachhabenden.. Ab 18h wird nun in dreistündigem Wachrythmus gesegelt. Die erste Wache also bis 21h, die zweite bis 24h und die dritte, das war meine erste Wache, von 0 – 3h.  Unter grandiosem Sternenhimmel mit wirklich Millionen Sternen und anschließendem Vollmond segelten wir die Nacht durch.
Ich war dennoch  angespannt, wusste ich doch, dass das Steuern schwierig ist und meine Aufgaben als Wachhabender relativ unkonkret waren.  Doch es lief alles gut und nach anfänglich schlechtem Steuern hatte ich es dann raus. Um 3 Uhr morgens dann ziemlich müde und erschöpft habe ich dann  schlecht geschlafen. Die Bewegungen des Bootes, meine schmale Koje und auch der Druck, alles richtig zu machen, sorgten für unruhige Stunden.
Montagmorgen, der erste volle Tag auf See. Alles spielt sich ein. Immer zwei Leute sind für „Backschaft“ eingeteilt. Neben ihrem normalen Wachdienst machen sie das Frühstück, waschen dann ab, putzen die Kajüte und die Toilette, sorgen dafür, dass immer eine gefüllte große Thermoskanne Tee bereitsteht. Mittags machen sie einen Salat oder ähnliches für alle. Dann wieder abwaschen. Nachmittags Kekse und Kaffee. Wieder abwaschen. Um 8 Uhr abends dann warmes Abendessen. Zum letzten Mal an diesem Tag abwaschen. Echt harte Arbeit. Gegessen wird morgens in der Kajüte. Mittags und nachmittags  dann alle zusammen im Cockpit und abends wieder in der Kajüte. Das Ganze immer für 2 Tage hintereinander und dann wird gewechselt. Es gibt einen „Backschaft-Plan. Ich war gleich am Anfang im Hafen dran.  Da sind wir abends jeweils essen gegangen. Glück gehabt.  Na ja, später komme noch mal dran.
Den ganzen Tag unter Spi gesegelt. Knapp 5 Windstärken.  Durch die Wellen von hinten gilt es tierisch achtzugeben, auf Kurs zu bleiben. Um 9h morgens dann der nächste Wachdienst.  Unsere Wache besteht aus Alex, dem 49-jährigen Urologen aus Eppendorf und Klaus, dem 68-jährigen Juristen im Ruhestand aus Holland. Wir funktionieren gut zusammen.

Klaus redet sehr viel und vergisst manchmal, dass es auch etwas zu tun gibt. Doch er ist  bisher von uns dreien der beste Steuermann.
Mittwoch, 28. November 2018
Viel passiert. Unsere Wache, die sogenannte Hundewache, ging von 3 – 6 Uhr. Als wir rauskamen war gerade Hektik an Bord. Es sollte gehalst werden. Windstärke 5. Alles in gleißendem Mondlicht! Ein surreales Bild.  „Peter, geh ans Steuer. Kurs 270.“ Ich schaffte es nicht, den Kurs zu halten.  Abweichungen von bis zu 30 Grad in beide Richtungen. Christoph sah es sofort und löste mich ab.  Ich hatte auch sofort eingeräumt, dass ich schlecht steuern würde und es nicht schaffte. Stress!!
Die restliche Zeit, nachdem die Manöver beendet waren, steuerte Klaus. Und er machte es viel besser. Christoph kam immer wieder raus, da die Bedingungen mit dem Spi, den Wellen und dem vielen Wind wirklich schwierig wäre. Erleichtert und erschöpft ging es um 3 h ins Bett. Wiederum unruhig und wenig  geschlafen. Schlechte Träume. Bis jetzt erst ab und zu das reine Vergnügen

Morgens nach dem Frühstück um 9h die nächste Wache.  Ich hatte beschlossen, die kompletten 3 Stunden zu steuern, um es endlich zu lernen. So war es dann auch. Ich begriff und fühlte, dass es sich mit kleineren Bewegungen und schnellerem Ausgleich wesentlich genauer steuern ließ. Hohe Konzentration, ohne Unterlass   Am Ende der Wache, schnell noch die Einträge ins Logbuch und bis zum Mittagessen um 13.30 in die Koje. Ausruhen.
Freiwache heißt, nichts tun müssen. Erst langsam begriff ich, wie wichtig es ist, sich zwischendurch immer wieder ins Bett zu legen und zu ruhen,  zu schlafen und auch meine Übungen zu machen. Suse fehlt mir sehr. Immer wieder lese ich gerade ihre letzte Nachricht und schaue Bilder von ihr an.
Nachmittags dann helle Aufregung. Wir haben eine große Dorade gefangen. Seit Montagmorgen schleppen wir zwei Angelleinen hinterher. Nun zwei Fische, die gleichzeitig angebissen hatten. Während die eine Angelschnur leider riss, konnte die andere über Hand eingeholt werden. Am Ende dieser wunderschöne, große Fisch.  Ganz schlank, goldgelb, mit Zacken. Auf mich wirkte er wie ein edles Rennpferd. Komisch, aber so empfand ich es. Mit dem Bootshaken wurde er reingeholt und dann, das hatte ich  noch  nie gesehen, wurde ihm etwas Rum in den Hals geschüttet. Er war sofort ruhig und Christian, unser dänischer Bootsmann, tötete ihn schnell. Das ganze Heck war voll Blut.  Christoph nahm ihn aus und schnitt die Filets heraus. Abends gab total leckeren Fisch. Mehr als genug für alle. Beste Stimmung.
Wir hatte Wache von 21h bis Mitternacht.  Der Wind nahm immer weiter zu, und das Steuern mit dem Spinnaker wurde immer schwieriger. Ständig verlor er den Wind, fiel ein, versuchte sich um das Vorstak zu wickeln. Christoph kam mehrmals hoch, wenn wir Schwierigkeiten hatten.  Ich übernahm dann und konnte das, was ich mir am Vormittag angeeignet hatte, direkt umsetzten. Endlich blieb er stehen und wir segelten in stockdunkler Nacht mit brausender Fahr. Doch nach einer Stunde war ich mental komplett fertig und verlor zunehmend die Kontrolle. Alex steuerte für den Rest der Zeit. Immer wieder überlegten wir, Christoph zu wecken und zu fragen, ob der Spi nicht runter solle. Wir taten es nicht, doch um Mitternacht, dem Ende unserer Wache, kamen Christoph und Hanneke und sagten, wir sollen oben bleiben, um mitzuhelfen, den Spi zu bergen und stattdessen den Klüver zu setzen.  Gerade als es losgehen sollte flog der Spinnaker am Kopfbrett beginnend aus den Lieken und ging komplett  ins Wasser!
Alle Mann zogen und zerrten ihn aus dem Wasser. Nachdem er geborgen war, ging es ans Aufräumen des Leinenchaos an Deck und das Setzen des Klüvers.  Zwischenzeitlich war die dabei wichtigste Person, Christoph, ausgefallen, weil er sich mehrmals übergeben musste. Der Fisch vom Abendessen? Hanneke hat das Kommando  prima übernommen.
Nach einer Stunde ging es dann ins Bett. Keiner konnte sofort einschlafen.
Wecken am nächsten Morgen um 5.45 für die nächste Wache von 6-9!  Kein Zuckerschlecken!
Ich hatte angenommen, der Spi wäre komplett kaputt, doch Christoph meinte beim gemeinsamen Frühstück, es wäre nicht schlimm. Das ließe sich gut reparieren, und außerdem hätten wir ja noch zwei Spinnaker.  Irgendwie gut, ihn zu reparieren, denn ich kann nicht einschätzen, wie es ihm finanziell geht.  Zumindest ist deutlich, dass er auch schwierige Zeiten hinter sich hatte.
Wir waren erstmal froh, ohne spi zu segeln
2. Dezember 2018
Die Tage sind einförmig und dennoch nie langweilig.  Geprägt durch die Wachen und deren Wechsel, die gemeinsamen Essenszeiten, Wäsche waschen, eigene Salzwasser-Duschen und dem Schlafen, miteinander reden und auch den eigenen Zeiten. Stundenlang kann ich in der Sonne liegen und das Meer beobachten. Ich brauche kein Buch, keine Musik, nur die sich bewegende See.

Die letzten beiden Tage bestanden bei mir aus Wache (Freitag: 3h -6h  ;   12h -15h;  21h-24h;  dann Sonnabend  6h -9h;  15h-18h;  21h-24h), außerdem Backschaft am Freitag von 7h- 10h von 12h-14h, von 16h-17h und von 19h-22h. Sonnabend genau das Gleiche. Jede Minute dazwischen nutze ich zum Schlafen. Glühende Hitze in der Küche sowie die Bewegungen des Schiffes unter Deck bringen mich zum Schwitzen ohne Unterlass. Allen hat mein Essen, heute Guacamole, Gemüsepfanne mit Tandori und Kokosmilch richtig gut geschmeckt. Jetzt alles überstanden. Heute ist ein normaler Tag. Das Essen von gestern wurde gerade verdrückt. Dazu Salat und noch Bananen von unserer Staude vom Besanmast. Alex hat die Angel wieder ausgelegt.  Wir fangen viele Doraden, einige kleinere von 40 cm, aber gestern auch von 1 Meter. Alex nimmt sie aus. Eine elende Plackerei . Macht ihm wohl Spaß!!?
Gleich  gebe ich Frauke Reiki auf ihre verbrannte Hand und mit dem anderen Claus nähe ich meine Messertasche.
Heute Vormittag, ich saß gerade am Steuer, ist mit einem peitschenartigen Knall der Achterholer des Spinnakers gerissen. Kurze Hektik, dann Spi aus dem Wasser geholt, verpackt, Klüver gesetzt, neuen Achterholer eingeschoren, Klüver wieder runtergenommen, Spinnaker wieder gesetzt, alles aufgeklart. Fertig. Weitergesegelt. Kurs liegt jetzt genau aus St. Lucia. Hohe, wahrlich beeindruckende Dünung aus Norden. Sehr gute Stimmung!

Wir liegen auf Kurs „Karibik“ Saint Lucia

3. Dezember 2018
Heute Nacht um 3 Uhr hatten wir Wache. Als ich deshalb um 2.45 aufstand, putzte sich Christoph im Salon die Zähne und meinte, ich könne wieder schlafen gehen, er würde die Wache übernehmen. Auf mein Danke sagte er, ich danke ebenfalls. Also wieder in die Koje. Alex und Claus ließ ich schlafen. Noch einige positive Gedanken zum Thema Dankbarkeit und ich schlief bis 7.30. Herrlich. Übrigens: Christoph ist dann die ganze Wache allein gesegelt. Dabei hat er den Kompass mit seiner Jacke abgedeckt, die Geschwindigkeitsanzeige (Logge) ausgeschaltet und ist nur nach den Sternen gesegelt. Beeindruckend ! Er meinte am Morgen: „So bin ich eins mit mir, dem Schiff und dem Universum!“ Ich verstehe ihn
Nach dem wie immer leckeren Frühstück, Müsli und eine Scheibe Brot mit Käse und Tomate, verbunden mit meiner Frage „Wer teilt sich mit mir eine Tomate?“, bestaunte ich die immer größer werdende Dünung aus Norden. Wahre Berge in langen Ketten. Von Kamm zu Kamm 400 m Entfernung. Eine Zeitlang waren wir in der Nähe einer italienischen Grand Soleill 43. Ein seltener Anblick. Sie lag vielleicht 1 km vor uns. Wir optimierten die Segelstellung, machten an Bord Klarschiff und hofften nun , sie einzuholen, um uns dann gegenseitig zu photographieren. Leider fiel sie ab, sodass wir sie verpassten.

Näher kamen wir nicht heran….


Der kaputte Spi soll wieder zusammen genäht werde. So ist der Plan von Christoph. Kann ich mir gar nicht vorstellen.  Der ganze obere Teil ist komplett abgerissen. Auch sonst ist er stark beschädigt. Insbesondere alle vier Lieken sind ausgerissen.Er fragte, ob wir uns daran beteiligen würden. Habe sofort zugestimmt.  Will wissen, ob das geht und wenn ja, wie. Zunächst haben Hanneke und ich überall, wo die Rissstellen sind, alle Fusseln abgeschnitten. Stundenlang. Auch bei dieser eher öden Tätigkeit machte es Spass, im Team zu arbeiten. Hilfsbereitschaft und gegenseitige Unterstützung erleben wir alle zu jeder Zeit und jeder Gelegenheit. Ich fühle mich damit sehr wohl. Bin Teil eines tollen Teams. Später fingen wir an, den zerrissenen Spi zu reparieren. Erschien mir unmöglich, dies mit Bordmitteln zu bewerkstelligen. Doch natürlich hatte auch hier Christoph eine genaue Vorstellung, wie dies geschehen sollte. Die zerfetzten Ränder wurden begradigt, mit den Lieken zusammengelegt und mit einem Edding gekennzeichnet. Danach fing auch ich an zu nähen, stellte mich dabei allerdings eher ungeschickt an. Dreimal habe ich mich mit der Nadel richtig gestochen. Spaß macht das nicht. Habe mir dennoch vorgenommen, weiterhin mitzumachen, denn lernen tue ich dabei eine ganze Menge.

Alle nähen zwischendurch mit.


Heute ist Bergfest. Mehr als die Hälfte der Strecke haben wir zurück gelegt! Unglaublich!!
Auf dem Tracker lässt es sich genau verfolgen. Wir sind mitten auf dem Atlantik. 2500 km Wasser hinter uns, 2500 km Wasser vor uns und 5 km Wasser unter uns. Ein tolles Bild. Heute Abend gibt es eine Lammkeule. Zur Feier des Tages.  Wir sind gespannt, ob es ein Glas Wein oder ein Bier dazu gibt. Reise, Reise  wurde gerade ausgerufen.
Und es gab zum Essen Rotwein! Für jeden , wie Christoph sagte, ein homöopathische Dosis. Genau ein Viertel Glas!  Danach fühlte ich mich etwas betrunken.  Gibt’s gar nicht, und doch war es so. Marcus ging es ähnlich, die anderen spürten nichts.  Schönes Abendessen bei guter Stimmung. Schlafen bis zur Wache um 21h. Sternenhimmel und Sternschnuppen. Habe mir schöne Dinge gewünscht.  Um Mitternacht zu Bett, die nächste Wache dann wieder um 6h morgens.  Es wird mehr zu steuern sein, da Alex für die nächsten 2 Tage Backschaft hat und deswegen nur zeitweise beim Steuern dabei sein kann. Während der Nacht bockte das Schiff wie verrückt. Schlafen ist schwierig. Auf der Seite liegen geht hier gar nicht. Da das Bett so schmal ist, kann ich mich nicht abstützen. Zwangsläufig schlafe ich immer auf dem Rücken.
5. Dezember 2018
Gestern morgen beim Frühstück wollte ich von einem Artikel in der Süddeutschen erzählen. Christoph unterbrach mich sofort und meinte, ich hätte doch erzählt, ich würde nie Zeitung lesen. Als ich meinte, damit hätte ich sagen wollen, dass…..Er unterbrach mich wiederum und fragte, ob ich denn morgen wieder etwas anderes erzählen würde und man sich dann fragen würde, was denn überhaupt von meinen Erzählungen wahr sein würde . Ich war konsterniert und fühlte mich sehr unwohl. Auf meine Frage, wozu dieses Gespräch dienen würde, gab es keine  Antwort. Vielmehr ritt er weiterhin auf meinem vermeintlichen mal so mal so herum.  Betretenes Schweigen am Tisch.
Ich erzählte noch meine Geschichte von der Süddeutschen, war jedoch innerlich wie geschockt. Wieso versucht er, mich vorzuführen? Nach dem Frühstück zog ich mich in meine Koje zurück und machte ausführlich meine Übungen. Etwas beruhigter, oberflächlich gesehen. Christoph überzieht manchmal völlig. Weshalb macht er das bloß? Später sprachen Christoph und ich darüber, während wir zu zweit an dem zerrissenen Spinnaker nähte. Ich sprach darüber, wie schlecht es mir, mit seinem Verhalten gehen würde. Er meinte:“Verstehen könne er mich schon, doch eigentlich sei es doch ein Spaß von ihm gewesen“. Ich ritt nicht weiter drauf herum. Hauptsache war, dass ich es angesprochen hatte!  Darum ging es mir. In früheren Zeiten hätte ich eher ängstlich geschwiegen. Friedlich saßen wir dann zu dritt, Hanneke kam noch dazu, und ich erzählte meine Lebensgeschichte. Überhaupt lernten Christoph und ich uns immer besser kennen. Viele sehr offene Gespräche, teilweise sehr privat. Unsere Lebenslinien. Nicht immer einer Meinung. Gut so. Seine Aufgaben als Skipper erfüllt er in überragender Art und Weise. Höchste Kompetenz. Er hat alles im Blick und kümmert sich um alles.
Erstmalig segelten wie nicht mehr permanent unter Spi. Vorn sind die Genua und der Klüver jeweils mit einem Spi-Baum ausgebaumt. Das ist ein wenig langsamer, doch bei dem Wellen, die von schräg hinten, das Boot immer wegdrücken, ist das wesentlich stressfreier. Unter Spi muss man aufpassen wie ein Schiesshund. Nachts höchste Konzentration im Zustand von Müdigkeit. Dazu kommt, dass das Steuern oft in einem Korridor erfolgt. Immer wenn wir unter Spi und Besanstagsegel segeln, müssen wir darauf achten, nicht zu hoch zu steuern. Sonst fällt der Spi ein. Oft abrupt und schnell. Nachts oftmals schwer zu sehen. Segeln wir allerdings ein wenig zu tief, was für den Spi kein Problem wäre, fällt das Besanstagsegel zusammen. Zusammen mit den Wellen und starkem Wing eine Herausforderung. Ich glaube, Christoph hatte auch die Befürchtung, der zweite Spi könnte ebenfalls kaputt gehen. Na, auf jeden Fall ist es jetzt einfacher und wir sind alle froh darum.
Die Tage im einzelnen zu beschreiben ist nicht sinnvoll. Morgens um 8h ist immer Frühstück. Danach ist frei, wenn nicht gerade Wache ist. Nach dem Frühstück nach oben zu gehen und auf den blauen Atlantik mit seiner beeindruckenden Dünung zu schauen, die Schaumkronen, das Schiff und die wärmende Sonne wahrzunehmen, ist unbeschreiblich. Ich bin auf der Mitte des Atlantiks, sehe fliegende Fische, Delphine und lerne Stück für Stück dieses Schiff kennen. Intensität pur.


So etwas trägt zu meiner Gesundung bei!

9. Dezember 2018

Abend hatten wir die Wache vor Mittnacht von 18 – 21h   und anschließend die Wache von 3-6 Uhr. Das ist schon anstrengend genug. Bei der Hitze geht das Vorausschlafen nicht richtig. Alle haben die Decken aus den Bezügen genommen, denn auch nachts herrschen hohe Temperaturen.  Die Karibik kommt eben näher. Wir segeln wieder Tag und Nacht mit Spinnaker. Es besteht die reelle Möglichkeit die ARC zu gewinnen. Momentan ist Neumond und damit wirklich sehr dunkel. Entweder man starrt wie hypnotisiert auf den Kompass, der schwach rötlich leuchtet, oder aber man sucht sich einen Stern als Referenz-Punkt für den zu steuernden Kurs. In unserer Wache ist es üblich, mit demjenigen, der steuert nicht zu sprechen. Zu leicht verliert man den rechten Kurs.
Erste Wache, schöner Wind, 15 Knoten, relativ ruhiger Atlantik. Ging gut durch. In der Regel steuere ich dir erste halbe Stunde und danach jeweils Alex und Claus.
In der Wache von 3-6 h machten wir es ebenso.  Claus und ich hatten  urplötzlich eine kurze, aber sehr scharfe Auseinandersetzung. Details sind hier nicht wichtig. Nur so viel, dass ich in diesem Moment verblüfft und sehr verletzt war. Konnte ich mich verhört haben, spürte jedoch seine unglaubliche Wut und beschloss zu schweigen. Alex erzählte mir am Tag, dass er sehr wohl das gleiche vernommen hatte. Meine Entscheidung zu schweigen, es weder zu thematisieren noch auch sonst jemandem davon zu erzählen, war genau richtig. Zu was hätte es führen sollen?  Unsere Wachen liefen ab wie bisher. Es war auch wieder leichter zu steuern. Aber die Stimmung war nunmehr eine andere. 

12.Dezember 2018

Gestern Abend gegen 21h sind wir angekommen. Nach 15 Tagen und 9 Stunden! Die Stunden zuvor waren nochmals sehr intensiv. Wiederum unter Spinaler, dem größten, segelten wir in den Abend hinein. Alle hatten sich im Cockpit versammelt. Christoph steuerte. Schon einzigartig, wie er lässig er das macht. Viel Wind, ständig um 10 Knoten Fahrt, er redet viel, eine intensive Atmosphäre, Hanneke immer unten am Funkgerät und am Plotter, um im Kontakt mit der Regatta-Leitung den richtigen Einfahrtskorridor zu besprechen. Alle sind aufgeregt, das Ende unserer Reise  ist nahe. Freude auf die Ankunft, aber auch melancholische Trauer, dass nun ganz bald das Ende unserer Reise kommt. Zumindest bei mir.                                                                               An unserem Anlegeplatz in der Rodney Bay Marina, Saint Lucia empfing uns ein Empfangskomitee, mit Limbo-Spielern und einem Tablett mit Rum-Punsch. Wir umarmen uns, alle sind überdreht, der Alkohol tut ein übriges. Die halbe Nacht feiern wir, weiter mit Rum-Punsch, in einer Hafenkneipe direkt am Wasser. Sehr lustig, alle reden durcheinander und wir lachen ohne Unterlass. Ein Segler eines anderen Schiffes erzählt von miserablem Essen und fast durchgängig schlechter Stimmung  bei ihnen. Na, da haben wir wohl Glück gehabt. Bis auf wenige Situationen war die Kameradschaft bei uns ganz prima und das Essen hervorragend!

Am nächsten Morgen, es ist noch früh, ich sitze hinten an der Heckreling, habe gerade eine Orange gegessen, vorher, noch in der Koje, ausführlich meine Übungen gemacht. Endlich gut geschlafen. Nicht mehr dieser Schlaf der Erschöpfung, immer zu kurz oder dies nicht schlafen können, weil es einfach zu viel Bewegung des Schiffes gab. Eigentlich wollte ich jetzt in Ruhe schreiben, doch Christoph, Christian, Alex sind schon oben und räumen auf. Werde mich  beteiligen. Segel mit Süßwasser abspülen, alle Leinen ordentlich aufschießen, Schlauchboot aufpusten, Dingi ins Wasser, Kissen abspülen Spinnaker zusammenlegen usw. usw..
Dann endlich zum Strand. Florian hat uns, Alex und mich hingerudert. Falscher Weg, aber nach langer Ruderei sind wir angekommen. Schöne Bucht mit vielen ankernden Yachten davor. Ganz hinten am Ende war es noch so, wie ursprünglich es wohl überall gewesen ist. Kaum Liegen, keine Sonnenschirme, sondern nur MARIE’s BAR. Eine schäbige, bunte Holzhütte, wo Marie, eine enorm dicke, ununterbrochen redende Frau, über einem Holzfeuer Fische brät, mit Gemüse und Brotfrucht. Wasser sehr warm, eine halbe Stunde geschwommen. Endlich wieder Bewegung. Obwohl ich natürlich wie immer anfangs keine Lust hatte. In der Sonne geschlafen. Herrlich.

Auch schön. Segeln ist aber noch besser.

Später zum Dinghi zurück, habe ich dann Klaus und Alex zum Schiff zurück gerudert. Dort war endlich wunderbarerweise die ganze frisch gewaschene Wäsche bereits da. Welch ein Genuss. Alles weich und gut riechend. Schnell zum Café, mit Suse sprechen. Wie gut das tut. Ihre Stimme.  Wenn sie so erzählt, was alles zu tun ist, Eisschrank kaputt und andere Dinge, will ich schnell zu ihr und es ihr abnehmen. Weiß noch genau, wie sie mir von ihren Kämpfen mit Heizung und ähnlichem in ihrem Haus im Lerchenwinkel  erzählte. So ganz allein.

14. Dezember 2018.
Marigot Bay


Nach einer ruhigen Nacht in dieser wunderschönen Bucht liege ich wieder mal in der Hängematte auf dem Vorschiff. Sonne und Wolken wechseln sich und ein stetiger, wärmer Wind umschmeichelt mich.
Gestern nach der Ankunft in dieser wunderschönen Bucht, wir waren nur mit Klüver gemütlich die Küste entlang gesegelt, war ich zum ersten Mal wieder eine ganze Stunde schwimmen. Anschließend sind wir mit dem Schlauchboot und einem stotternden Außenbordmotor zu einer Strandbar gefahren, um einen Sundowner zu nehmen.  Habe alle eingeladen. Hatte Lust, ein kleines Signal von Dankbarkeit zu senden. Leider ist es hier schon relativ vollgebaut. Dennoch lässt sich sehen, weshalb hier ein Teil eines James Bond Films gedreht wurde.
Zurück wurde dann gerudert, von Hanneke.. Der Motor sprang gar nicht mehr an. An Bord dann die Vorbereitung des Abendessens. Wir waren zu dritt, Alex als Chefkoch, Frauke und ich.  Lammkoteletts mit Zucchini und Knoblauch-Kartoffelsalat. Und als Krönung Rotwein.. Gegessen wurde in der Kajüte, danach saßen wir noch lange im Cockpit zusammen. Auch die vierte Flasche Rotwein wurde noch geleert. Später herrliches Schlafen im sich sacht bewegenden Schiff.
Vorgestern waren wir abends auf der TITANIA, einer SVAN 64, eingeladen. Eine Einladung an alle Mannschaften der teilnehmenden SVAN’s und eben an uns, weil es scheint, dass wir nicht nur unsere Division sondern  „over all“ gewonnen haben. Was für eine Yacht! Kann ich nicht beschreiben, einfach edel und schön in Vollendung. Dazu gute Getränke und Pizza.  Habe mich lange mit Manfred, dem 82 jährigem Eigentümer einer Oyster 825 unterhalten. Ein echter Typ, knorrig, interessiert, lebendig. Er erzählte seine Lebens-und Seglergeschichte.  Seine erste SVAN 48, neu gekauft. Wir verstanden uns von Anfang an. Ich hatte mir sein Schiff am Tag vorher angeschaut. Oyster, SVAN , alles unglaublich. Mal segeln? Gern. Besitzen? Nein. Jedenfalls nicht diese Größe.  Mal sehen.
15. Dezember 2018
Gestern Nachmittag ging es zurück an den vorgelagerten Strand vor der ARC-Marina. Wieder geankert. So schön es alles ist, so ist doch die Luft raus, wie Holland-Klaus ganz richtig bemerkte. Schlafen und lesen in der Hängematte. Der Bericht der damaligen „Peter von Danzig“, jetzt Peter von Seestermühe, als Teilnehmer des Whitbread-Race um die Welt. Unvorstellbare Anstrengungen und Strapazen bei fürchterlichen  Stürmen und schrecklichen, engen und primitiven Bedingungen an Bord. Dagegen ist unsere Reise wahrlich der reinste Kindergeburtstag gewesen.
Abends dann mit den beiden Beibooten an den Strand zum dortigen Restaurant „Spinnaker“. Die beiden Beiboote waren mit einer Leine verbunden, so dass das Schlauchboot mit Motor das kleine Dinghi gezogen hat. Das war, im Dunkeln, eine extrem kipplige Geschichte. Ich sah mein Handy schon im Wasser. Bei der Anlandung schmiss uns eine hohe Welle direkt auf den Strand. Wir alle wurden etwas nass. Das Restaurant  schön gelegen, karibische Musik, a la carte oder BBQ. Ich habe Fisch vom BBQ genommen. Superlecker. Leider sehr laut, sodass eine Unterhaltung am ganzen Tisch unmöglich war. Anschließend wieder wackelige Rückfahrt und ein gemeinsames Nachtbier im Cockpit.
Am Samstag dann die ersten Beiden, die abfahren. Das Schiff bleibt sozusagen auf Reede und wir fahren wieder mit zwei Dhingis in den Hafen. Hammer-Klaus und Alex fahren weg. Es geht nun auf den Rest. Wir anderen leihen uns einen Wagen und fahren über die Insel. Ein toller Ausflug. Erst jetzt erschließt sich uns die Schönheit von St. Lucia. Wuchernder Pflanzenwuchs, Berge, immer wieder von der Straße das Meer, bunte Häuser in kleinen Orten.

So wie ich mir die Karibik vorgestellt habe. Überall Musik. Karibik-Rock in teilweise unvorstellbarer Lautstärke.  Autos als fahrbare Lautsprecher, die sich in einer Straße mit ihrer Musik gegenseitig Konkurrenz machen. Unerträglich , aber nicht für die Einheimischen.  

Holland-Klaus ist die ganze Zeit gefahren, Linksverkehr, teilweise war er soweit links, dass ich immer wieder echt fürchtete, er würde in den Abwasserkanal fahren. Wir haben wieder einen guten Draht. Als wir alle in einem schönen, bunten Restaurant zu Abend aßen, sprachen wir über die verschiedenen Wachen während der Überfahrt. Bei uns lief es wohl am besten, und Klaus meinte dabei, dass ich es sehr gut gemacht hätte, auch eine schwierige Situation gut gelöst hätte.  Ich wusste, was er meinte. Sehr schön.  Ach, und dann sagte er noch in der Runde, dass er sehr viel von mir halten würde. Na prima.  Die Anderen waren mit ihrer Wache nicht immer glücklich. Kann ich mir gut vorstellen.  Abends dann noch hinter der Marina auf einem karibischen Familienfest gewesen und draußen an großen Tischen den leckersten Fisch der ganzen Reise gegessen. Man muss sich nur trauen.  Viel besser als dieser Touristenscheiss !
Sonntagmorgen das letzte Backschaft und letztes gemeinsames Frühstück.  Sachen zusammen gepackt. Langes Gespräch mit Christoph in einem Kaffee. Wir sind uns echt näher gekommen. Meine Art des Umgangs mit ihm hat funktioniert.  Er hat mir zum wiederholten Male sein Herz ausgeschüttet. Würde mich freuen, wenn daraus eine Freundschaft entstehen würde.
Bin dann mit seinem Fahrrad und meinem Gepäck in das Hotel gefahren, dass ich für einen Tag gebucht hatte. Einfach aber im Vergleich zum Schiff bequem mit viel Platz.
Das mit dem Fahrrad war ein netter Zug von Christoph, denn so konnte ich noch losfahren und ein wenig einkaufen. Mit meiner Fußhebe-Parese wäre das doch mühselig gewesen. Nachmittags noch am Strand und abends wiederum sehr nett und sehr lecker mit Frauke essen gewesen. Garlic Shrimps in einem einheimischen Restaurant.
Lange geschlafen, Sachen nochmals sortiert und gepackt, noch auf einen Kaffee mit Christoph in die Marina, ihm sein Fahrrad gebracht. Dann mit dem Taxi zum Flughafen in den Süden. Zwei Stunden Fahrt, glücklicherweise nicht die viel befahrene Hauptstraße sondern mitten über die Insel auf Nebenstraßen. Tolle Fahrt. Einfach wunderschön. Ankunft um 13h. Leider machte der BA-Schalter erst um 17h auf. Und ich mit meiner sehr schweren Tasche!  Mein Plan war ursprünglich, das Gepäck abzugeben und dann zu Fuß zu einem neben dem Flughafen liegenden Strand zu laufen. Nun also mit dem Gepäck. Das war grenzwertig anstrengend. Brutale Hitze. Am Strand dann aber sehr schön, Coconut Bay.  Der Rückmarsch stand mir bevor. Doch nach der Hälfte der Strecke hielt ein alter Toyota-Bus und der Typ fragte, ob er mich mitnehmen soll. Ich antwortete: No more EC-Dollars. War ihm egal, er nahm mich mit und da er sah, wie durchgeschwitzt ich war, bot er mir an für mich noch eine Flasche Wasser zu kaufen.  Wie nett ist das denn?

Jetzt bin ich fast zu Hause, im Flieger nach Hamburg.  Ich freue mich so.
Die Reise, ein echtes Abenteuer, ist zu Ende.  Wie gut, dass ich es gemacht habe!!!!

Suse, ich komme! 😍

Fazit:

Letztlich war es so schön, nein schöner, wie ich es mir erträumt, gewünscht hatte und gleichzeitig so anders. Diese Zeit war Balsam für meine Seele und eine Wohltat für meinen Körper. Regelmäßig habe ich diszipliniert meine mentalen Übungen gemacht und die ganze Zeit sehr auf meine Ernährung geachtet. Meine Absicht war es, mich sehr reflektiert im Team einzugeben. Ich glaube, es ist mir gelungen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, wie anstrengend es sein würde. Den Raum, den die Wachen einnehmen würden, hätte ich völlig unterschätzt. Den Stress des Steuerns, auch die körperliche Anstrengung, immer wieder gegenzusteuern.  Halbstündlich zu wechseln, war goldrichtig. Selbst nach dieser halben Stunde war ich oft schweißgebadet.  Es hat mir Spaß gemacht, für die Wache die Verantwortung zu tragen. Auch wenn sich dies mit der Zeit verwischte und wir mehr und mehr ein Team wurden. Ein wesentlicher Faktor war meine Entscheidung, den verbalen Aussetzer von Klaus unkommentiert stehen zu lassen. Obwohl die direkte Zeit danach doch ziemlich verkrampft war, dies fiel sogar anderen auf, war doch ein Bemühen von uns beiden zu spüren, zu der vormaligen Entspannung zurückzukommen. Was dann ja auch gelang. Den Dialog mit Christoph habe ich gesucht. Trotz oder gerade wegen meiner Ängste. Das war ein wesentlicher Schritt für mich.
Völlig unterschätzt habe ich die Backschaft. Noch in Hamburg machte ich mir vor allem Gedanken darüber, was ich wohl kochen könne. Christoph hatte uns bei dem Kennenlerntreffen im Februar mit auf den Weg gegeben, ein Gericht für unsere Backschaft-Zeit zu beherrschen. Und bitte nicht alle Spaghetti Bolognese! Schade, gerade Spaghetti Bolognese kann ich wirklich gut. Schlussendlich gab es kein Mal Spaghetti Bolognese!  Jeder hatte sich diese Aufforderung zu Herzen genommen. Doch wie unglaublich anstrengend diese Backschaft dann wirklich gewesen ist, davon hatte ich keine Vorstellung. Ich war einer der wenigen, die vor dem Beginn, noch in Gran Canaria einmal und dann während der Reise zweimal Backschaft hatten.  Während es im Hafen noch ziemlich moderat abging, eben kochen, Tisch decken, abwaschen, aufräumen und unter Deck sauber machen, war dies doch auf See eine gänzlich andere Nummer. Die enormen Bewegungen des Schiffes, verbunden mit der immer größer werdenden Hitze unter Deck und gleichzeitige Wachen, machten es zu einer  wahrlichen Strapaze. Ich hatte mir beschlossen , nichts als zu viel zu empfinden und egal was kommt, alles mit vollem Einsatz zu machen. Also rutschte ich morgens nach dem Frühstücksabwasch auf Knien durch das lange Schiff, fegte alles mit Handfeger und Kehrblech aus, jede Ecke, um dann mit einem Lappen, mit Essigreiniger getränkt, auch noch den Boden nass aufzuwischen. Das machten nicht alle. Doch ich wollte es richtig machen. Dazu gehörte auch die sorgfältige Reinigung von Toilette und dem kleinen Waschraum. Doch auch das Kochen auf dem Herd für 10 Personen, den Tisch so zu decken, dass nichts herumfliegt und insbesondere der Abwasch mit lauwarmen Meerwasser und dem Abtrocknen mit ewig feuchten Handtüchern war eine wenig freudvolle Tätigkeit. Doch es gab auch lustige Episoden. Ein Beispiel: Hanneke und ich hatten einen wirklich großen Topf Guacamole fürs Mittagessen zubereitet. Durch eine abrupte Bewegung des Schiffes flog er vom Tisch und ergoß seinen Inhalt komplett in eine große, offen stehende Geschirrschublade. Nach einem spontanen „Ach du Scheiße!“ grinsten wir uns an und holten mit den Händen alles wieder aus der Schublade zurück in die Schüssel . Keiner hat etwas gemerkt. Alle aßen mit großem Appetit 😘

Jetzt am Schluß dieser Reise geht es mir, körperlich und mental, so gut wie seit langem nicht mehr. Alles richtig gemacht.  Ich bin sehr, sehr dankbar. 🙏🏼

Das Leben ist schön

Alles Liebe für Euch!

Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 68

Reisen

Am 28.Januar 2015 habe ich meine Suse am Flughafen kennengelernt. Von der ersten Minute an haben wir uns auf eine gemeinsame Reise begeben. Ohne jeglichen Zweifel, voller Freude, Zuversicht und gegenseitigem Vertrauen. Haben geheiratet, unsere Häuser verkauft, sind zusammengezogen, segeln zusammen, haben unsere Finca auf Lanzarote mit viel Liebe renoviert. Diese Reise ist auch durch meine Krankheit nicht beendet worden. Im Gegenteil, alles ist noch enger, vertrauensvoller und mit mehr Liebe erfüllt. Ohne Suse wäre diese Reise nicht weitergegangen.  Ich bin voller Glück und Dankbarkeit und diese Worte drücken nur unvollkommen aus, was ich denke und fühle.

Im Sommer letzten Jahres meinte ich zu Suse: „Wenn ich wieder gesund bin segele ich über den Atlantik“. Ihre prompte und lapidare Antwort lautete: „Machs vorher.“  Wie Recht sie hatte.

Und nun geht’s los. Heute fliege ich nach Gran Canaria. Dort treffen wir uns zu zehnt auf der „Peter von Seestermühe, einem Zweimaster. Und am Sonnabend den 25.11. stechen wir dann in See Richtung Karibik. Ich freue mich sehr. Meine Werte sind weiterhin bei 0. Alles ist gut. 

Auch diese Reise hätte ich ohne Suse nicht so schnell gemacht. Wenn überhaupt.  Es ist eine Reise innerhalb unserer Reise.  

Das Leben ist schön.

Ich werde berichten.

 

Alles Liebe für Euch.

Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 67

Das Leben mit allem — Voll und ganz

Gestern abend waren Susanne und ich im Kino. Seit langem mal wieder.  „Kindeswohl“ mit Emma Thomson. Ein Film mit vielen Themen, vielschichtig und facettenreich.  Echtes Schauspieler-Kino.

Im Kern geht es, zum einen, um eine Frau, erfolgreich und enorm beschäftigt. Mit  Kompetenz und Klarheit geht sie hochprofessionell und direkt die Fälle, die sie  als Familienrichterin zu entscheiden hat, an. Sie trifft Entscheidungen auf hohem Niveau. Ist in der Lage, sie exzellent zu begründen. Nur wenn es um sie selbst geht, ist sie zu dazu außerstande. Gravierende Eheprobleme mit ihrem Mann führen bei ihr zu kompletter Gesprächsverweigerung , Wut und Rückzug. Gleichzeitig ist in vielen Situationen wahrzunehmen, wie  wie  betroffenste sie ist. Sie versucht, mit ihrem scharfen Verstand die Kontrolle über alles zu behalten. Wie sich zeigt, mißlingt ihr das im Laufe des Films, trotz aller Bemühungen,  mehr und mehr.

Zum anderen geht es um einen Jugendlichen, der an Krebs erkrankt ist und  dessen  möglicherweise lebensrettende Behandlung von ihm und seien Eltern abgelehnt wird. Als Zeugen Jehovas gehen sie davon aus, dass Gott ihnen eine Bluttransfusion verbietet. Nun muss die Richterin entscheiden……….Mit aller Macht versucht sie die ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten und rein rational und vernünftig zu handeln.

Bis auf den Ehemann kann keiner der Protagonisten  aus seinem Innern, aus seinem Herzen, also aus sich selbst heraus, entscheiden!  Im Ergebnis münden Konventionen, Ängste, sowie fehlgeleiteter Glauben  in ein Kaleidoskop von Unglück.

Am Schluß stirbt der Junge und sie ist weiß, wie falsch sie, in der Unterdrückung ihrer Gefühle,  lag. Schieres Unglück.

Weshalb schreibe ich das?

Ganz plötzlich  gegen Ende des Films fühlte ich  Betroffenheit, wurde  traurig. Mir wurde deutlich, dass auch ich meine Gefühle unterdrücke!  Ich kontrolliere meine Gedanken und Handlungen.  Im Grunde ist mein Leben darauf ausgerichtet, wieder gesund zu werden. In wirklich sehr vielschichtiger Art und Weise bin ich das angegangen und tue es immer noch.  Einige Beispiele:

Ich mache täglich meine Visualisierungsübungen. Diejenigen, die meine Seminare besucht haben, wissen, was ich meine. Dabei habe ich den Grundsatz:  Diese Übung einmal pro Tag ist gut, zweimal  ist besser und dreimal ist ausgezeichnet. Also morgens, mittags und abends.

Ich habe einen Haufen Bücher, die sich mit dem Kampf gegen den Krebs beschäftigen, gelesen, immer auf der Suche nach neuen Wegen und Ideen.

Seit nunmehr 3Jahren gehe ich zur Lympfdrainage, trage tagsüber immer einen Kompressionsstrumpf. Meinem Bestreben, dass mein Bein wieder wirklich besser wird, widme ich jeden Tag viel Zeit und Mühe. Die Liste meiner Tätigkeiten liesse sich noch sehr lang fortführen……………….Meditationen, Healing-Code, Reiki, Tagebuch, Schwimmen, Radfahren, Umstellung Ernährung, Atemübungen, andere Krankenhäuser, monatliche Untersuchungen……

All dies mache ich gern. Nicht nur weil es mich in meinem Weg zur Heilung unterstützt, sondern weil es auch Freude macht und im Moment des Geschehens guttut. Dennoch gilt es oft auch, mich zu überwinden und Fünfe eben nicht gerade sein zu lassen.

Manchmal bin ich morgens, direkt nach dem Erwachen noch sehr müde, oder abends vorm schlafengehen . Habe dann keine Lust auf Disziplin.  Manchmal habe ich einen solchen Heißhunger auf Süsses.  Manchmal stehe ich bei der Physio-Therapie vor einem bodentiefen Spiegel und sehe mein dickes Bein. Bin dann betroffen von diesem  hässlichen Anblick. Manchmal denke ich an meine früheren Laufstrecken, die ich nicht mehr nutzen kann. Und manchmal………. Ach einfach vieles!

So vieles in meinem Leben geht nicht mehr. Diese Gedanken, wenn sie dann auftauchen, verdränge ich sofort, lasse sie nicht zu.  Bloß immer positiv sein. Jeder negative innere Impuls darf nicht sein. Schadet mir nur auf dem Weg zu Gesundung.  Weg damit!

Jedoch sind sie, auch wenn ich sie verdränge, weiter da. In mir. Und wirken, wie auch immer. Selbst an dieses Verdrängen wollte ich nicht denken.

Und am Ende dieses Filmes wurde mir das schmerzlich bewußt. Empfand meinen Verlust und meine schon so lang andauernden Anstrengungen. All das, was ich nicht zugelassen hatte. Diese andere Seite meines Lebens. Echtes Mitgefühl mit mir selbst erfüllte mich und trotz aller Traurigkeit begriff ich, wie wichtig es ist, dass auch dieser Aspekt meines Lebens nun seine angemessene Würdigung erhalten wird. Schluß mit dem so tun als ob.

Zunächst jedoch war ich erfüllt von dieser Betroffenheit und dem Wissen um den Verlust so vieler Dinge meines Lebens, die ich vielleicht niemals wieder zurück erlangen würde. Mit Susanne an meine Seite, intensive Gespräche und wieder mal absolutes Verständnis von ihr. Viele Tränen. Wie glücklich ich sein darf, sie an meiner Seite zu haben.   Selbst jetzt, wenn ich dies schreibe, berührt es mich ganz enorm. 

Mir wurde klar, wie bedeutsam es für mich ist, auch diese Seiten meines Lebens zu akzeptieren und dadurch zu integrieren. Nur in der Anerkennung und der damit verbundenen Trauer kann ich sie wohl hinter mir lassen. Auch wenn ich es so gern anders hätte. Tue ich dies nicht, leide ich auf einer sehr unbewußten Ebene. Mittlerweile ist ja bekannt, dass verdrängte negative Gedanken und Gefühle sich körperlich auswirken.                                                                                       Doch das ist nicht der alleinige Grund.    Gut erinnere ich mich noch an das Gespräch mit dem Psychoonkologen im Krankenhaus unmittelbar nach meiner Operation. Wie er mich fragte, ob ich denn Mitgefühl mit mir selbst hätte. Wie ich ihm nicht antworten konnte, die Frage in ihrem Sinn nicht verstand und gleichzeitig einen dicken Kloß im Hals hatte.  Mir wurde urplötzlich klar, dass ich da ein Thema habe. Seither habe ich intensiv das Thema Selbst-Mitgefühl erforscht, habe unter anderem ein einwöchiges Seminar, bei dem es um die Entwicklung von „Mindful-Self-Compassion“ ging, besucht. Völlig neu war mir, dass ich einen Umgang mit mir selbst in liebevoller Güte finden kann. Viele Übungen, um diesen Umgang geradezu kognitiv zu lernen und dann auch zu fühlen. Ein langsames Hineinwachsen. 

Und nun spürte ich es am Ende des beschriebenen Filmes unmittelbar und uneingeschränkt. Ja, es ist so schade, dass ich so viele nicht mehr kann. Ich bedauere es sehr. Doch ich akzeptiere es, und  fühle ich, wie diese Last von mir abfällt und ich leicht und frei mein weiteres Leben gestalten kann.  Diese Akzeptieren gibt mir eine Entlastung, die ich vorher nicht kannte. 

Besser kann ich es nicht beschreiben. Ich hoffe, Ihr versteht mich!

 

Alles Liebe für Euch!