Von der Krankheit zur Gesundheit – Mein Weg   7

Nach der Operation ; Erkenntnisse und Nachdenklichkeiten

HSV -Karlsruhe habe ich bis zu Ende gesehen. Ob dies Gekicke wesentlich zu meiner Genesung wesentlich beigetragen hat, wage ich zu bezweifeln.  Das Spiel am Montag schaue ich mir nicht an.

Am Donnerstag, den 2.Tag nach der Operation kam am Nachmittag der Chefarzt zu mir ins Zimmer und fragte mich, ob ich am nächsten Tag nach Hause wolle. Mit dieser Frage hätte ich überhaupt nicht gerechnet und schaute ihn überrascht, eher verunsichert an. Weiter meinte er, mein Heilungsverlauf wäre sehr positiv, und hier im Krankenhaus würde ich nur liegen, da die unmittelbare medizinische Behandlung zunächst abgeschlossen sei. Im Grunde ginge dieses „Herumliegen“ zu Hause bzw. bei Susanne genauso. Zumal ich ja auch selbst aufstehen, duschen und den Flur auf und ab gehen könne. Ich könne es mir ja bis zum nächsten Morgen überlegen, natürlich wäre eine Entlassung einen Tag später auch möglich. Dieser Gedanke schon so früh das Krankenhaus zu verlassen, gefiel mir sehr, zumal ich immer noch nicht in der Lage war, eine längere Zeitspanne zu lesen, mich Fernsehen weiterhin nicht interessierte und ich begann mich zu langweilen. Außerdem ging es mir gut und am nächsten Tag würde es mir noch besser gehen, so wie an jedem bisherigen weiteren Tag . !!?  Auch wenn ich mich noch nicht wirklich festlegte, war mein 嘉盛 Entschluss eigentlich gefasst.  Ein Fehler, wie sich später zeigen sollte!              Lediglich am Montag würde ich nochmals zur Katheterentfernung kommen, man würde eine zunächst abschließende Ultraschalluntersuchung vornehmen und mir den dann vorliegenden histologischen Befund, der sich aus den Gewebentnahmen während der OP ergeben hat, mitteilen. Nun kam die zweite, allerdings eher negative Überrschung. Bisher war immer die Rede davon gewesen, dass der Tumor vollständig entfernt worden sei. Nunmehr meinte der Professor, dass es möglich sei,  dass sich außerhalb der Tumorkapsel bereits Krebszellen befinden könnten. Aber, es läge das endgültige Ergebnis nicht vor und wirkliche Klarheit gäbe es eben am Montagvormittag. Ich glaube, ich habe ein ziemlich dämliches Gesicht gemacht und wusste nichts zu sagen. Mein Inneres Gefühl, dass der primäre Krebs meinen Körper bereits verlassen hatte , löste sich gerade wieder auf. Stattdessen machte sich wieder ein Zustand von Rat- und Hilflosigkeit breit, das sich aus verschiedenen Gründen im Laufe der nächsten zwei Tage noch verstärken sollte, 

An diesem und dem vorherigen Tag hatte ich jeweils ein Gespräch mit dem Psycho-Onkologen der Klinik, einem noch relativ jungen Dipl.Pschologen. Der Wunsch nach diesen Gesprächen ging initial von mir aus. Schon im vor der Operation stattfindenden „Staging“ hatte ich ihn kurz getroffen und ihm mitgeteilt, was ich über die mentale Behandlung von Krankheiten und Kümmernissen wüsste und ihm dankbar wäre, wenn er mir aus seiner beruflichen Erfahrung mit Krebskranken noch einige zusätzliche Impulse mitgeben könne. Zumindest während dieses Gespräches war ich ohne jeden Zweifel, es auch ohne diesen Psychoonkologen hinzubekommen. Voll und ganz war ich der Meinung, die Ärzte würden Ihren Teil tun, ich den Meinigen, und dann wäre das Thema erledigt. Welche Anmaßung! 

Eine Freundin schrieb mir: ……..habe ich erfahren, dass Du wieder einmal in Deinem Leben auf einen Berg klettern wirst. Auf einen steilen Berg……..

In den bereits erwähnten Gesprächen mit den Psychologen erzählte ich ihm etwas ich von einer Zielvisualisierung, in der ich mir visualisierte, wie mir viele Menschen nach meiner Gesundung ihre totale Überraschung  mitteilten, wie schnell ich das alles geschafft hätte. Er hatte mir, während ich ohne Unterlass geredet hatte, freundlich und aufmerksam zugehört. Plötzlich stellte er mir eine Frage: „Herr Krankenberg, haben Sie sich einmal gefragt, was wichtiger für Sie ist? Muss ich das, oder will ich das alles tun?“   ZACK, die Frage saß. Eine richtig gute Frage! Denn wenn ich es tun muss, tue ich es eher für andere, will ich es aber, tue ich es eher für mich. Auf meine Antwort, “ Scheisse, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Wie blöd, dass ich darauf nicht selbst gekommen bin!“, fragte er sofort nach, „Mir scheint Sie sind sich selbst gegenüber der größte Kritiker?! War das schon immer so?“ Und auf mein betroffenes Schweigen:“Haben Sie manchmal auch echtes Mitgefühl mit sich sich selbst?“ Ich schwieg, musste schlucken und hatte einen Kloß im Hals. Mit diesen paar Fragen hatte er den Finger in die Wunde meiner immer wieder auftretenden Trauer, meiner zeitweiligen Niedergeschlagenheit und Verzweifelung gelegt. Und ich Idiot, der doch so viel wusste, hatte es nicht kapiert. Als ich ihm dies mitteilte, lächelte er mich an und erwiderte: „Sehen Sie, Sie kritisieren sich schon wieder.“ Ich hatte es natürlich wieder nicht gemerkt, und was Mitgefühl mit mir selbst ist, könnte ich überhaupt nicht beantworten. Glasklar wurde mir deutlich, überdeutlich, dass ich zwar auf der einen Seite ein wirklich selbstbestimmtes Leben führe, dass ich mir mit viel Einsatz und Herz geschaffen habe, es andererseits auch (immer noch!) wesentliche Bereiche in mir gibt, die mein Leben zeitweise dunkel und schwer machen.    Wie oft war ich kritisch und streng zu mir selbst, habe mich zurückgezogen, um mich zu schützen und mich gleichzeitig dafür verurteilt, keinen besseren Weg zu suchen. Es hat  wohl auch zu meiner Krebserkrankung beigetragen und tut es wohl noch..  Schlagartig wurde mir klar, wie sehr ich noch an der Oberfläche war und welch ein enorm schwieriger Weg in die Tiefe noch vor mir lag. Oder eben, wie steil !! 

Wiederum zeigt sich der Unterschied zwischen gesundem, positivem und ungesundem Denken.

Am Donnerstagnachmittag holte mich dann mein Bruder ab und als wir im Auto saßen und es durch Unebenheiten auf der Fahrbahn ruckelte, wusste ich , dass ich den nächsten Fehler gemacht hatte. Vorgestellt hatte ich mir eine halbstündige Fahrt zu ihm nach Hause, dort dann bequem auf die Coach, Abendessen, vielleicht sogar ein Glas Wein. Von wegen. Sitzen ging kaum, es war eine Qual. Dann bei ihm, lieber Empfang, leckeres Essen, das ich kaum runterbrachte. Die mir mitgegeben Schmerzmittel reichten nicht. Ich fühlte mich völlig hilflos, und dass es noch eine sehr lange Reise, viel, viel länger als angenommen, werden  würde, machte mich erstmals ganz elend.

Wenn ich das jetzt gerade geschriebene lese und nachdenke, wird mir auch klar, dass ich in keiner Sekunde ans Aufgeben gedacht habe, sondern lediglich aus der Erschöpfung und den Schmerzen heraus überfordert war. Dies wiederum führte zu falschen Entscheidungen von mir. Und weiter nachgedacht, bedeutet es, dass ich auch in der Zukunft einiges falsch entscheiden werde. Auf jeden Fall aber werde ich langsamer werden, noch bewusster, andere Menschen befragen, Ihnen gut zuhören, auf mein Inneres hören.   UND:

Ich lese immer wieder die vielen Nachrichten, die ich bekommen habe. So viele Liebe Worte, soviel Zuneigung, soviel Vertrauen. Es tut mir unglaublich gut.   (auch wenn ich nicht antworte, ist jede SMS, whatsApp oder Kommentar wie ein Sonnenstrahl)

Ich bin Euch dafür sehr dankbar!
Alles  Gute für Euch

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