Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 20

Visionen sind wesentlich!  Aber……….

Mein inneres und auch äußeres Gleichgewicht ist wichtig. Eine Balance in meinem Leben führt mich auf den richtigeren Weg. Dabei schreibe ich ganz bewusst das Wort „richtigeren“, denn was wirklich richtig ist, zeigt sich oft erst in der Zukunft und selbst dann nicht immer.      So habe ich mich beispielsweise sehr auf einen PSA-Wert von unter 0,1 konzentriert und meinte, es würde mir in diesem Sommer nur mit einem entsprechenden Wert gut gehen können. Deshalb war ich auch so verwirrt, als der Arzt mir eine andere, höhere Zahl sagte und mich dabei, sich offensichtlich freuend,  ansah. Zu guter Letzt riefen mich mehrere Freunde, alles Ärzte, an und teilten mir ihre Freude über diesen doch ungewöhnlich guten Wert mit. Auch mein Bruder, ebenfalls Arzt, erzählte mir, er hätte in der entsprechenden Literatur nachgelesen und üblich wäre ein solcher  Wert nicht.  Also bin ich zunächst sehr beruhigt, genieße den ( nicht vorhandenen) Sommer, bin weiterhin in der Balance und gehe zielstrebig meinen Weg.

Es gilt allerdings wachsam zu sein. Ich würde aus dem Gleichgewicht geraten, würde ich mich nur mit mentalen Dingen auseinandersetzen. Ebenso notwendig ist es, mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität zu bleibe.  Bisher war ich zu einem nicht unerheblichen Teil meiner Zeit damit beschäftigt, herauszufinden, welche Ursachen dazu beigetragen haben, dass ich an Krebs erkrankt bin. So habe ich mir eine Stressliste der letzten 24 Monate angefertigt und erkannt, welcher Stress mehr oder weniger geradezu schicksalhaft ist und welchen ich beeinflussen kann. So ist mir die ernste Erkrankung eines mir sehr nahe stehenden Familienmitgliedes wahrlich unter die Haut gegangen und hat mich enorm belastet. Dieser Stress ist nur in bedingtem Maße zu händeln. Bei anderen Themen, wie bei  Auseinandersetzungen während meiner letzten Partnerschaft , kann ich sehr wohl Entscheidungen treffen, diesen Stress zu reduzieren. Durch diese Stressliste wurden mir meine Einflussmöglichkeiten  deutlich.

Neben meiner täglichen Visions-Arbeit beginne ich nun langsam, mich der praktischen Gestaltung meiner Zukunft zu beschäftigen. Eine, wie mir scheint, sehr nützliche Hilfe ist ein 2-Jahres-Gesundheitsplan. Ein Plan, in dem ich genau plane, welche Aspekte meines Lebens mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung durch mich erfahren werden und von welchen ich mich verabschiede. Im Grunde mache ich das schon seit vielen Jahren, nämlich mich selbst zu fragen, wozu ich Lust habe, was mir Freude macht.  Schon vor langer Zeit bin  auf diesen Zug aufgesprungen. Trotzdem gab und gibt es eine ganze Anzahl von Themen, die ich vor mir hergeschoben habe, in der Hoffnung und dem Trugschluss , es würde sich quasi von selbst ergeben und gleichzeitig dem mir selbst nicht eingestandenen Wissen, dass es nie soweit sein würde. Damit ist nun Schluß!

Geschobene Themen:

  • Vor Jahren habe ich eine Ausbildung in „Systemischen Familienstellen“ gemacht. Diese Ausbildung war so schlecht, dass ich sie immer woanders nochmals machen wollte.
  • Von der Segelyacht habe ich schon geschrieben. Längst hätte ich sie haben können.
  • Seit vielen Jahren nehme ich mir vor mein Englisch zu verbessern.
  • Über den Atlantik segeln. Vor meinem 60.Geburtstag.
  • Ich bin „WingWave-Trainer. Weiterlernen, Fortbildungen! Ich wollte eine viel höhere Kompetenz erlangen.
  • Morgen, Morgen, nur nicht heute! In manchen anderen  Bereichen für mich ein echtes Thema.

Jedoch kann ich mir auch auf die eigene Schulter klopfen. So vielen Themen, Aufgaben und auch Wünschen habe ich mich gewidmet und sie zu einem wirklich befriedigenden und manchmal sehr viel Glück bedeutenden Ende geführt.

Bevor ich nun auf meinen ursprünglich angesprochenen 2-Jahres-Gesundheitsplan eingehe, noch ein Gedanke zu  der Arbeit mit Visionen, der mir gerade gekommen ist. Oft, wenn wir an die Zukunft denken, sind wir hoffnungsvoll, dass sich doch dies und jenes erfüllen möge. Unter Umständen trägt uns diese Hoffnung, gibt uns Mut und lässt uns handeln. Und doch ist Hoffnung auch mit der Befürchtung verknüpft, es könnte misslingen. Diese Befürchtung kann manchmal lähmend sein, und in diesem Widerstreit zwischen Hoffen und Bangen ist unsere Aktivität zuweilen geschwächt oder eingeschränkt.  Eine wirkliche Vision ist etwas gänzlich anderes. Da gibt es weder Hoffnung noch Befürchtung, sondern die Vorstellung eines Zustandes.  Zuerst die Idee, dann die Form! Ich habe eine Idee, eine klare Vorstellung von etwas, das ich mir ganz dringend wünsche. Ich weiß, wie das aussieht, wie es sich anfühlt. Das kann etwas Materielles ( ein Haus, eine Segelyacht, ein Flugschein, usw.) , aber auch etwas Immaterielles ( Souveränität, Anerkennung, Mut, Freundschaft, Empathie, Liebe, Selbstvertrauen, Selbstentfaltung, Gesundheit usw.) sein.

Wenn ich mir vorstelle, ich bin gesund, die Krankheit liegt hinter mir, dann  habe ich in mir ein klares Bild geschaffen. Ich sehe mich gesund, fühle mich gesund, nehme wahr, wie sich das anfühlt. spüre meine Freude, fühle Glück, bin euphorisch, umarme die Welt, meine Projekte und meine Lieben. In einem solchen Augenblick nehme ich keine Hoffnung wahr und schon gar nicht irgendwelche Befürchtungen.   In mir ist eine Idee von von diesem Zustand!! Ich bin diese Idee!  Nun hat, glücklicherweise, nicht jeder Mensch Krebs, doch lässt sich ein Gedankengang  dieser Art auf jeden Lebensbereich anwenden.  Ich las folgendes:

Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv sich anzustrengen.

If you have no vision of what you would like to achieve in life, than there is nothing to strive on.     Erich Fromm

Nun zu meinem2-Jahres-Gesundheitsplan.  Ich teile die Tätigkeiten meines Lebens in sechs Kategorien auf: Lebenszweck, Spiel, Bewegung, Gesellschaft, Ernährung und Kreativität.

  • Lebenszweck heißt: Was mache ich hier und was will ich auf dieser Welt? Beruf, gesellschaftliche Aktivitäten, meine Rolle in der Familie. Was gibt dem Leben Sinn und Schwung?                                        
  • Spiel heißt: Jede Tätigkeit, die das Gefühl von Freude vermittelt oder mit „Spaß haben“ verbunden ist.                                                                          
  • Bewegung heißt: Jede körperliche Bewegung, die darauf abzielt, den Körper  widerstandsfähiger zu machen.                                                            
  • Gesellschaft heißt: Die Zeit, die man mit Angehörigen, mit Freunden verbringt.                                                                                                                
  • Ernährung heißt: Alles, was mit Essen, Kochen, Vitaminen, Kochkursen etc. zu tun hat                                                                                  
  • Kreativität heißt: Meditation,  Zielentwicklung, Visualisierung, Ideenentwicklung, Lektüre zu diesen Themen.

Nun schreibe ich diese Begriffe jeweils auf eine Seite meines Schreibbuches. Jetzt schreibe ich meine Tätigkeiten, so wie ich jeden dieser Begriffe gerade lebe. Sowohl was den Umfang der Begriffe und Tätigkeiten umfasst, als auch deren Qualität. Manche Tätigkeiten passen in mehrere Kategorien. dann entscheide ich mich für jeweils eine, in die es für mich besser passt.  ( Diesen Blog schreiben macht mir Spaß und, per Definition, würde deshalb in den Bereich „Spiel“ gehören. Mehr aber noch in den Bereich „Kreativität“. Für mich jedenfalls. Also ordne ich diese Tätigkeit dort ein.)

Als erstes fällt mir auf, und das ist wirklich überraschend, wie viel Zeit ich vertue. Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen geht. Jeder vertut wohl ab und zu seine Zeit. Na ja, wie auch immer! Ich jedenfalls vertue zu viel Zeit. Schon mal gut, dies so genau zu erkennen. Zwangsläufig ergibt sich für mich die Frage, was ich wohl ändern will.  Wieder mal eine Frage, die mich belebt und motiviert, mein Leben bewusster zu gestalten.

Als zweites habe ich mich entschieden, eine Spiele-Liste aufzustellen. Eine Liste der vierzig Dingen, die mir Spaß und/oder Freude machen. Die Anregung zu dieser Liste habe ich ebenfalls aus einem Buch, dass sich mit der Lebensgestaltung nach Erkrankung hin zur erneuten Gesundung beschäftigt. In dem Moment. als ich begann mich gedanklich mit dieser Liste zu beschäftigen schoss mir der Spruch durch den Kopf: Das Leben ist kein Wunschkonzert! Und schon gar kein Pony-Hof!!  Wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört und immer hatte ich das sofortige Gefühl von Abwehr, ja Ablehnung in mir. Manchmal ist das Leben wirklich nicht lustig und gerade die Anfänge meiner Krebserkrankung waren alles andere als das. Dennoch, Zeit meines Lebens war ich darauf aus, Freude und Spaß selbst zu gestalten. Nun gehe ich das Ganze etwas gezielter an.  Dabei habe ich, schon jetzt, wo ich gerade damit beginne, den Eindruck, dass sich alle sechs Aspekte auf eine wunderbare Art miteinander verknüpfen lassen. Na, mal sehen.

So viele Menschen verschieben den Spaß und die Freude in die Zukunft. Eben aufs nächste Wochenende, den Urlaub, die Rente………..    Auf den Sankt-Nimmerleinstag!          Das ist eine der positiven Botschaften meiner Krebserkrankung, nämlich die Zeit nicht zu vergeuden, sondern zu nutzen.     Diese Spaß-Liste zu erstellen machte mir noch mehr Freude als ich ursprünglich gedacht hatte. Allein schon die schiere Anzahl von 40 Tätigkeiten. Gibt es so viele, die wirklich Spass und Freue machen? Jedoch einmal angefangen, fiel mir immer noch mehr ein, was mir wirklich Freude macht. Vom Arbeiten mit der Kettensäge und der Spaltaxt, hin zum Doppelkopf spielen, vom in der Sonne liegen bis zum mit einem Freund durch den Englischen Garten laufen.  Immer noch mehr fiel mir ein. Und keiner dieser Punkte ist ein Lückenfüller! Eine Liste, deren Erstellung allein schon total gute Laune macht. Und dann erst deren Verwirklichung!!! Denn es wurde mir auch deutlich, wie viele dieser Tätigkeiten ich aus Gedankenlosigkeit „vergessen “ hatte.  Und außerdem, wie viele ich  als so selbstverständlich angesehen habe, dass sie ihre Schönheit verloren hatten.    Gut, dran zu sein!

 

Alles Liebe für Euch!

 

Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 19

Anders als gedacht

 

Nach der Operation war besprochen worden, dass 6 Wochen später eine erste Bestimmung des Tumormarkers, also des PSA-Wertes, erfolgen sollte. Daraus würde sich dann ergeben, ob es notwendig sein würde, mit einer Bestrahlung zu beginnen oder nicht.       Letzte Woche wurde mir also Blut abgenommen. Diese Blutprobe wurde dann in die Universität Eppendorf gesandt und gestern um 10.30 Uhr hatte ich dann den Termin, bei dem mir das Ergebnis mitgeteilt werden würde.

Schon seit einiger Zeit, insbesondere in den letzten Tagen vor dieser Untersuchung, hatte ich mich mental darauf eingestellt. Ich war mir völlig darüber im Klaren, dass der Pendel des Ergebnisses zu beiden Seiten ausschlagen könnte.  Um diese Ergebnis möglichst positiv zu gestalten, hatte ich unterer anderem bestimmte Aspekte meiner Ernährung umgestellt. So trinke ich jeden Tag ein Glas Granatapfel-Saft ( Brr.., ziemlich sauer), nehme ein Vitaminpräparat zu mir, esse ParaNüsse, viel Gemüse und ganz allgemein weniger Fleisch, stattdessen eher Fisch und Salat. Alles nicht schwierig und schmeckt in den allermeisten Fällen sogar richtig gut. Lediglich die bewusste, absichtsvolle Umstellung und die Entscheidung, weg von meinen bisherigen Essgewohnheiten, fällt schwer. Wenn ich es dann  tue, ist es ganz leicht.  Jaja, der erste Schritt………All dies sollte einen für mich günstigen PSA-Wert fördern.  Wesentlich entscheidendender  war jedoch meine mentale tägliche Beschäftigung. Dabei liess ich mich von mehreren Überlegungen leiten. Zum einen ist für mich sonnenklar, es gibt einen Zeitpunkt in der Zukunft , an dem ich wieder genauso gesund sein werde, wie alle anderen Menschen, die keinen Krebs haben. Dieses Bild visualisiere ich jefden Tag mit allen dazugehörigen Emotionen. Dabei fühle ich in mir eine große Freude und Sicherheit. Diesen Punkt zu erreichen und dann mit aller Intensität zu erleben, steht für mich außer Frage. Er steht fest!!  Insofern ist es auch nicht wirklich entscheidend, wie mein augenblicklicher Wert sein wird. Denn unabhängig davon, werde ich ja gesund.  Nichtsdestotrotz bin ich nicht unbedingt scharf auf eine sich hinziehende Strahlentherapie mit all ihren, höchstwahrscheinlich unangenehmen,  Begleiterscheinungen. Also visualisierte ich mir, wie ich nach dem Arzt-Termin ganz froh und in guter Laune die Praxis verlassen würde, da mein Wert zu gering sei, um mit der Bestrahlung zu beginnen.  Ein weiterhin schöner Sommer würde vor mir liegen. Nur das bisher eher miese Wetter hier in Hamburg hätte sich noch zu verändern! Sollte der Wert jedoch wider Erwarten so hoch sein, dass eine umgehende Bestrahlung notwendig sein würde, so würde ich mich dem voller Zuversicht stellen. Zwischenzeitlich hatten mir die Krankenhausleute sehr genau beschrieben, wie punktgenau und effektiv diese Behandlungen durchgeführt werden .  Also kann ich nur glücklich sein, dass es diese Hightech- Behandlungen heutzutage gibt. Diese Bestrahlungen wären also ein guter und hilfreicher Schrit auf dem Weg zu meiner Gesundung.  Von all diesen Gedanken,  war ich, durch meine täglichen Beschäftigungen damit, durchdrungen, sodass ich ganz entspannt war und auch, schon seit längerem, sehr gut schlafe.  Doch es kam ganz anders…….

Wiederum blieb ich im Wartezimmer stehen. Der Widerwillen, mich zu den anderen zu setzen, die mit eher grauen Gesichtern in den ausliegenden Zeitungen blätterten oder trübe in die Luft starrten, war eher noch größer geworden.                                                                                                            Endlich im Arzt-Zimmer teilte mir der Urologe mit, dass mein PSA-Wert bei 0,52 liegen würde. Während ich noch auf diese Zahl, die ich mir in mein Notizbuch geschrieben hatte,  blickte, meinte er, dass dieser Wert „bei Ihrem Befund“ ja sehr erfreulich sei. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir immer gesagt worden, dass jede Zahl oberhalb von 0,1 automatisch die Strahlenbehandlung nach sich ziehen würde. Denn dann wäre es erwiesen, dass sich noch Krebszellen in meinem Körper befinden würden.  Und nun 0,52 !? Zuversichtlich lächelnd, meinte er, dies wäre nur eine Zahl des heutigen Tages und es müsste nunmehr geklärt werden, ob die Tendenz, ausgehend von dieser Zahl nach oben oder weiter nach unten gehen würde. Dazu sei es notwendig, in 14 Tagen eine erneute Prüfung vorzunehmen. Es wäre eben gut möglich, dass dieser, überraschend gute Wert                 ( Nochmals: „bei Ihrem Befund“) ein singuläre Zahl auf dem Weg nach unten sei.  Das leuchtete mir ein. Sofort überkam mich auch ein  Gefühl von Zuversicht. Ich hatte die Gelegenheit auf ein bestimmtes Datum hinzuarbeiten. So etwas mochte ich schon immer gern. Also verabredeten wir einen neuen Termin für die Blutentnahme (Dauert nur 5 Minuten, Herr Krankenberg) und einen zweiten für die Information.  So ging ich dann wieder. Draussen auf der Strasse fühlte ich mich dann genauso, wie vordem visualisiert. Die Sonne schien und alles. was er gesagt hatte, hatte für mich Hand und Fuss. Direkt danach rief ich meinen Bruder an, der schon wartete. Ihm erzählte ich alles. Er meinte nur, er würde umgehend einen Freund, einen Urologie-Professor anrufen, um dessen anerkannte Zweitmeinung zu hören.       Schön, in einem solchen Netzwerk aufgefangen und unterstützt zu sein!                       Dieser Professor bestätigte die Erfreulichkeit des Befundes, meinte jedoch, dass eine Überprüfung innerhalb eines solch kurzen Zeitraumes sinnlos sei und, im übrigen, hielte er eine Bestrahlung auf jeden Fall für notwendig. In ca. 4 Monaten.       Früher, vor einigen Wochen, hätte mich eine widersprechende Aussage dieser Art aus der Bahn geworfen. Mittlerweile bin ich all diesen Meinungen gegenüber sehr aufmerksam, dankbar aufgeschlossen.  Im Laufe der Zeit werden sich schon die richtigen Wege ergeben. Davon bin ich überzeugt!  Offensichtlich ist es so, dass es hier keinen linearen Weg gibt, sondern für jeden Krebspatienten ist es anders. Das gefällt mir gut, denn es gibt mir die Gelegenheit, meine eigene Individualität viel mehr einzubringen.  Meine Aufgabe besteht nun darin, mit allen beteiligten Ärzten zu spreche und sie dazu zu bringen, sich konstruktiv mit den anderslautenden Meinungen ihrer Kollegen zu beschäftigen.   Moderieren konnte ich schon immer! So weit zunächst.

Körperlich geht es mir immer besser. Glücklicherweise bin ich in der Lage, wieder ganz normal zu arbeiten. Das bereitet mir viel Freude und ich habe den, zugegebenermaßen subjektiven, Eindruck, dass ich kreativer, wacher und damit noch besser als vorher arbeite.

Ich laufe fast täglich und auch die Zeiten pro Kilometer entwickeln sich positiv. Ein Freund, der ebenfalls viel läuft, gab mir den Tipp, mich, immer wenn es anstrengend wird , darüber zu freuen, doch noch eine ganze Strecke vor mir zu haben. Üblicherweise erscheint einem diese dann vor einem liegende Strecke als eher unangenehm oder sogar qualvoll.  Seinen Rat habe ich ausprobiert.    Und: Neue Erkenntnis: Das Laufen am Schluss fühlt sich ganz anders an.    Hm, was es wohl noch alles für Erkenntnisse geben wird?

 

Alles Liebe für Euch!

 

 

 

 

 

 

Vn der Krankheit zur Gesundheit Mein Weg 18

Die 5 Fragen

1. Viele Menschen haben wenig Vertrauen in die  Fähigkeit ihres Körpers, sich selbst zu heilen.                                                                                    

2. Viele Menschen  haben wenig Vertrauen in die Fähigkeit ihres Geistes, ihre geistigen Begrenzungen zu verändern.

Als ich diese Sätze las, erschloss sich  mir der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen sofort. Lieber anderen Menschen vertrauen als sich selbst! Gleichzeitig war mir klar, dass dies mangelnde Vertrauen vieler Menschen in ihre eigenen Fähigkeiten für mich in meiner jetzigen Situation ohne jeden Belang ist.

Vielmehr geht es für mich  darum, mit welchem Vertrauen ich an das Thema meiner Krebserkrankung herangehe. Während ich diese Sätze schreibe, habe ich das Gefühl, mit der Königsdisziplin konfrontiert zu werden: Der eigenen Fähigkeit, mich von meinem Krebs zu heilen.   Es geht um die ultimative Herausforderung, die auch jetzt, in diesem Augenblick, meinen Herzschlag beschleunigt.  Sofort alles Mögliche und Unmögliche anzugehen, dieses Gefühl erfüllt mich immer noch. Jedoch habe ich im Laufe der letzten Wochen zunehmend gelernt, dass Innehalten und Nachdenken wesentlich nützlicher ist. Daraus ergeben sich automatisch eine Fülle von Fragen, deren Beantwortung einige Zeit benötigt. Blindes Losspreschen ist eben oft nicht angesagt. Fragen wie: Welche Meinungen habe ich über Krebs?      Wie wirken sich  gerade diese Meinungen aus?       Wie ernähre ich mich am sinnvollsten, damit der Krebs möglichst wenig Nahrung bekommt? Oder gibt es eventuell sogar die Möglichkeit die Krebszellen auszuhungern?  Wie viel Zeit habe ich überhaupt, mich mit diesen Themen und Fragen zu befassen? Wer und was kann mir am besten helfen, mich am effektivsten unterstützen?                                                                                     Wie jeder Mensch habe ich Meinungen,  Ansichten, Überzeugungen und Glaubenssätze. Manche sind wahr, andere weniger oder gar nicht.  Einige beruhen auf Tatsachen, andere nicht.  Wenn ich mir diese unterschiedlichen  Meinungen anschaue, stelle ich fest, dass die Ansichten, die mir am meisten zu schaffen machen,  meist auf meiner Interpretation von Tatsachen beruhen,  nicht auf den Tatsachen selbst.  Beispielsweise dachte ich am 7. Mai, als mir der Arzt meine Krebsdiagnose mitgeteilte, reflexartig :    Ich werde bald sterben! Nun ja, auch wenn dieser erste Gedanke, verbunden mit den dabei in mir entstehenden Gefühlen nachvollziehbar ist, so ist es doch lediglich eine Interpretation der Tatsache, dass ich Krebs habe. Mehr nicht!  Gut, dass ich gerade in diesem Punkt nach einiger Zeit klarer wurde  und begriff, dass es keineswegs so sein muss. Hätte ich diese Denkweise nicht verändert, würde sie sich fatal auf meine Energie, Zuversicht, meine Fähigkeit zu denken und damit auf meine Heilungschancen auswirken.  In einem meiner vorherigen Berichte habe ich mich mit den Auswirkungen von negativen Gedanken auf die körperliche Kraft auseinandergesetzt. Je negativer meine Gedanken im weitesten Sinne sind, um so mehr meiner Kraft wird dadurch blockiert.  Welche Ansichten und Meinungen habe ich denn, ohne es zu merken? Auch hier einige Beispiele:

  • Eine Segelyacht ist zu teuer für mich
  • Computer lerne ich nie ausreichend. Bin dazu nicht fähig
  • Meine Krankheit ist ein Hinweis dafür, dass ich alt werde
  • Meine Selbstkritik werde ich nicht los
  • Durch diese Krankheit hat mein Selbstvertrauen einen   dauerhaften Knacks bekommen
  • Und viele mehr……..

Es liegt für mich auf der Hand, dass diese und andere ähnliche Gedanken, die ich habe, nicht wirklich gesundheitsfördernd sind. Im Gegenteil! Entscheidend ist also zunächst, dass ich mir solcher Gedankengänge bewusst werde. daher habe ich begonnen, ganz absichtsvoll in mir danach zu forschen und sie aufzuschreiben. Als ich beschloss, dies zu tun, war mein erster Gedanke, dass dies ein Herumwühlen im Negativen sei. Und dazu hatte ich wenig Lust. Nachdem ich jedoch erst einmal begonnen hatte, bekam ich mehr und mehr Lust, möglichst viele dieser Überzeugungen aufzuspüren, sowohl negative als ich positive. Denn eins wurde mir immer deutlicher; all diese Gedanken , selbst wenn sie mir gar nicht bewusst waren,   wirkten in mir.  Unaufhörlich!  Falls es also mein Bestreben ist, mehr in ein selbstbestimmtes Leben hinein zu wachsen, so ist eine Beschäftigung mit meiner mir eigentlich verborgenen und doch so wirksamen Gedankenwelt extrem positiv.  Und es machte mir enorm Spass. Ich entdeckte eben auch viele sehr positive Glaubenssätze über mich selbst und hatte  bei dieser  Entdeckungsreise manchmal  ein Lächeln im Gesicht.  Wenn ich es bemerkte musste ich über mich selbst schmunzeln.                                    Und dabei bin ich, während meiner gleichzeitigen Lektüre in den Büchern, die ich zu diesen Themen lese, auf die folgenden 5 Fragen gestoßen:    

  1.  Hilft mir diese betreffende Ansicht dabei, mein Leben und meine Gesundheit zu schützen?    
  2. Verhilft sie mir zur Erreichung meiner kurzfristigen und langfristigen Ziele?
  3. Hilft sie mir dabei, meine schwierigsten Konflikte ( mit mir selbst oder mit anderen Menschen)  zu lösen oder zu vermeiden?                                
  4. Hilft sie mir dabei, mich so zu fühlen, wie ich mich gerne fühle?
  5. Beruht die betreffende Ansicht auf Tatsachen?

Seitdem ich mich intensiv mit diesen Fragen beschäftige, hat sich Unglaubliches getan. Allein Frage 4, also, wie ich mich gern fühlen möchte, hat zu tiefen Gedanken geführt. Denn ich konnte diese Frage nicht genau beantworten. In einer relativ oberflächlichen Art war mir schon klar, wie ich mich gut fühle. Doch, das worauf es mir wirklich ankommt?  Eher nicht.  Also fing ich an ein inneres Gefühl von Aktivität, Zuversicht, Elan, Selbstvertrauen und Stärke zu entwickeln. Doch es fehlte etwas. Und es dauerte einige Zeit, bis ich fühlte, dass der Aspekt Liebe das entscheidenden Kriterium ist, das noch fehlte, solange es mir nicht ganz bewusst wurde. Liebe erfüllt  alles mit Licht und Intensität . Liebe zu mir selbst, zu dem, was ich tue und bin und zu den Menschen um mich herum.  All diese Worte können lediglich unvollkommen, ja geradezu unbeholfen, erklären, was ich dabei fühle. Wir erleben es immer wieder, wenn irgendwelche Sportler, die gerade gesiegt haben, auf die Frage, wie sie sich jetzt fühlen, mit den Worten antworten: „Unbeschreiblich! Das kann man nicht mit Worten ausdrücken.“  Wie wahr. 

Vor zwei Wochen nahm ich an einem Seminar einer spirituellen Heilerin teil.   ( Ja, manchmal mache ich verrückte Sachen. Andere lesen ihr Horoskop. Ab und zu ich übrigens auch!) Die Erkenntnis, die ich aus diesem Seminar mitnahm, war, dass es mir guttut, wenn ich mir Zeiten nehme, in denen ich in die Stille gehe.   Und in dieser Stille gelingt es mir, dieses Gefühl von Liebe, Kraft und Zuversicht zu kreieren. Nicht immer, aber manchmal. Unbeschreiblich. Dann fliege ich durch den Tag.                      Noch gelingt es mir nicht immer, doch ich lerne!!

Gestern bin ich das erste Mal wieder gejoggt.

 

Alles Liebe für Euch!

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 17

Bilder und Worte

Im Zuge der letzten Wochen fing ich an mich wesentlich intensiver mit meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und meiner Zukunft zu beschäftigen. Insbesondere schaute ich mir an, welche Verhaltensweisen,  Meinungen und  Überzeugungen führten dazu, dass ich mein Leben nicht so lebte, wie ich es eigentlich wollte.       Ein Beispiel:   Als 13 jähriger Junge lernte ich mit Begeisterung und Hingabe auf einer ziemlich großen Segelyacht segeln. Berichte und Bücher über die großen Rahsegler in den frühen Jahren des 20.Jahrhunderts verschlang ich geradezu. Noch heute besitze ich diverse Bildbände von damals und Geschichten über Weltumsegelungen lese ich noch heute mit Herzklopfen.           Genau erinnere ich mich, wie damals, anlässlich eines Segeltörns nach Helgoland, über den Preis einer neuen, neben uns im Hafen liegenden Segelyacht , gesprochen wurde. Auch wenn ich die Summe heute nicht mehr weiß, so weiß ich noch, wie ich dachte, so etwas werde ich mir niemals leisten können.  Es war mehr als ein Gedanke, sondern geradezu eine Überzeugung, die ich mir ohne es zu bemerken, in diesem Augenblick kreiert hatte.  Ergebnis: Mein Traum blieb ein Traum.  Mein Leben lang.                                                           In vielen andern Bereichen hatte ich mich nicht mit begrenzenden Überzeugungen eingeengt. Im Gegenteil. Ich traute mich an schwierige Aufgaben heran und hatte oft Erfolg.  Ein Freund sagte letzte Woche zu mir: „Peter, Du entscheidest Dich etwas zu tun, glaubst, dass du es schaffst, legst los und es klappt.“     Tja, wenn es keine inneren Einschränkungen gibt, geht einiges!      Aber ein Segelboot billigte ich mir nicht zu!!  Mitsegeln  mit Freunden? Ja, das schon.     Aber………….

Vor anderthalb Jahren
Vor anderthalb Jahren segelten mein Bruder  ich ein Boot zur Probe.  Danach geschah nichts…..

Das ändert sich nun! Im Frühjahr des nächsten Jahres kaufen wir, mein Bruder und ich,  zusammen ein Segelboot.

Als ich diese Aufnahme aus meiner Datenbank heraussuchte sprangen mir die Fotos der letzten Zeit ins Gesicht und die damit verbundenen Gefühle meldeten sich wieder. Bei den nun folgenden Fotos war ich schon krebskrank, wußte es aber nicht.

Skifahren in den USA

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Skifahren in den USA
Skifahren in den USA  März 2015
Marrokko
Marokko April 2015

Am 7.Mai 2015. Jetzt wußte ich es.

Nachmittags auf der Terrasse. Alles scheint normal bei Kaffee und Kuchen.
Nachmittags auf der Terrasse. Alles scheint normal bei Kaffee und Kuchen.

 

Noch 19 Tage bis zur Operation. Soweit wie möglich die Zeit geniessen und fit bleiben.

Ostsee, Heiligenhafen
Ostsee, Heiligenhafen
Ostsee, Heiligenhafen
Ostsee, Heiligenhafen
Zweisamkeit
Zweisamkeit

Am 25.Mai 2015

Ab ins Krankenhaus. Alles gepackt.
Ab ins Krankenhaus. Alles gepackt.

26.Mai 2015, nachmittags

OP gut verlaufen
OP gut verlaufen

 

 

 

 

Wieder zuhause.
Wieder zuhause.

Nun ging es fast jeden Tag besser und ich begann mich zu erholen.

Champion-League-Finale. Zum ersten Mal unter Menschen
Champion-League-Finale. Zum ersten Mal unter Menschen
Fotoshooting. Auch mit richtigem Joggen.
Foto-Shooting. Auch mit richtigem Joggen.                  Geht doch!
Nach dem Foto-Shooting zur Belohnung an die Alster.
Nach dem Foto-Shooting zur Belohnung an die Alster.
45 Minuten schnelles Walking.
45 Minuten schnelles Walking. Gestern am 8.Juli 2015!

Eine  Freundin meinte vor einigen Tagen, sie hätte bei der Lektüre meine Blogs den Eindruck, ich würde zuviel machen. Lieb gedacht von ihr, tue ich aber nicht. Während der ganzen Zeit gehe ich mein für mich richtiges Tempo. Susanne passt zusätzlich auf und wir besprechen alles ganz genau. Immer, wenn ich unsicher bin oder etwas vergesse, ist sie da.  Welche Sicherheit mir das gibt, kann ich in Worten nicht ausdrücken.

Irgendwann gibt es den allerletzten Eintrag in diesem Blog. Dieser Eintrag wird dann mit einem Foto verknüpft sein, dass so ähnlich aussehen wird wie das  Folgende:

GANZ GESUND UND DAS LEBEN LEBEND!
GANZ GESUND UND DAS LEBEN LEBEND!

 

Alles Liebe für Euch!

 

Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 16

Veränderung

Immer, wenn ich mich in einer negativen, durch Sorgen, Ängste bestimmten  Unsicherheit-und Gefühlswelt befinde,  so wie im letzten Block geschildert,  benötige ich Zeit. In solchen Momenten gibt es keine funktionierende Lösung, die aus mir selbst heraus entsteht. Mein Enthusiasmus, mein Interesse und meine Intensität sind  dann allesamt sehr gering. Ich könnte gar nichts tun. Nur eins kann ich, nämlich mir Zeit geben.  Abwarten. Im Vertrauen darauf, dass sich mein innerer Zustand wieder verändert.                               Denn das tut es. Ganz plötzlich bemerke ich eine Veränderung.         So auch am Sonntagmorgen. Noch im Bett liegend, gegen 7 Uhr, nahm ich zunächst deutlich wahr, wie schlecht es mir geht. Keine Energie, Niedergeschlagenheit, lustlos den vor mir liegenden Tag betrachtend. Und auf einmal ein Gedanke, der in den Tagen zuvor jedoch 老虎证券可靠吗 keinerlei Resonanz bei mir auslöste, mich nun aber aufstehen ließ.  „Ich will etwas ändern! Keine Ahnung was, aber los.“ Aufstehen und in mein Arbeitszimmer gehen war geradezu eins.  Los, los! Alles, was ich tun könnte erschien mir öde und langweilig. Also Tagebuch, im Blog schreiben, lesen, alles doof. Im Grunde finde ich mich selbst doof. Am besten nichts denken und eine Übung aus meiner Meditation-CD probieren.  Sie heißt: „Die Gedanken laufen lassen“ und dauert gerade mal 11 Minuten. Eine simple Entspannungs-Meditation. Bei mir führt sie meistens dazu, dass ich meine dunklen Wolken verlasse. Ohne jegliche Erwartung an mich selbst.   Diese Entspannung bewirkt fast jedes Mal aufs neue, dass ich mich besser fühle und sich mein Elan wieder meldet.           Kurioserweise vergesse ich diesen positiven Effekt, wenn ich mich schlecht fühle. Meistens.  

Direkt nach dieser Meditation war ich motiviert, setzte mich an den Schreibtisch und fing an zu lesen.  Und ich las über den Umgang mit Problemen und fragte mich daraufhin, wie ich den eigentlich auf Probleme reagiere. Mir wurde, mal wieder klar, dass nicht die Probleme an sich das Problem sind, sondern meine Reaktion entscheidend ist. Das hatte ich schon x-mal gelesen, rede ständig in meinen Seminaren und im Coaching darüber, und ich selbst scheine es immer wieder aufs neue lernen zu müssen.  ( Hallo Peter: Keine Selbstkritik!!) Vielmehr bin ich froh, es erneut zu erfahren und zukünftig als liebgewonnene Erfahrung anzuwenden.  Wenn ich nun also  lernen will, wie ich also zukünftig mit diesen vermeintlichen Schwierigkeiten umgehen werde , dann will ich mich erstmal fragen, wie ich bisher auf Probleme reagierte.                                                                                                  Meine negative Reaktion: Wegschauen, aggressiv, mich rausredend, hilflos, mich ablenkend.                                                                                            Wie reagiere ich aber  üblicherweise auf Probleme: Mal so und mal so. Hängt von der Bedeutung des jeweiligen Problems ab. Manchmal verdrängend, manchmal empfinde ich sie als Druck und nicht als Chance, mal mich zurückziehend mal lösungssuchend. Oft nicht bis zum Ende verfolgend.  Wenn zu Ende führend, mit einem sehr guten Gefühl für mich und meine Fähigkeiten.           Oft nicht lernend. Fast immer mit der inneren Einstellung: Ich muss!    

Während ich diese Gedanken am Sonntag in meinTagebuch schrieb, begriff ich, wie wichtig  es ist, dass ich mich intensiv mit diesem und ähnlichen Themen beschäftige. Nur dann ist mir eine wesentliche Erkenntnis und daraus resultierende Veränderung möglich. Entweder richtig oder gar nicht! 

Wie  ich ab jetzt auf Probleme reagieren will : Abwägen, ob ich muss oder will. Falls möglich Zeit nehmen. Diese Zeit zum Reflektieren nutzen, also überlegen und fühlen. Wahrnehmen, ob ich in einem genügend zuversichtlichem Zustand bin.  Die Chance, die sich ergibt, erkennen. Zur Entlastung Notizen machen. Mit anderen  Menschen sprechen. 

Gute Erkenntnisse, die so schlicht sie auch sein mögen, für mich bedeutsam sind,  unterstützen mich doch  ganz wesentlich auf meinem Weg zu meiner Heilung. 

Mein Ziel ist es mehr und mehr in der Freude zu leben. Allerdings ist das Leben kein Wunschkonzert. Ganz normal widerfahren uns Dinge, die wir uns so nicht gewünscht haben. Das beste Beispiel ist meine vollkommen unerwartete Krebserkrankung. Ein Problem, das sich massiv vor mir auftürmte. Würde ich jammern, wegschauen, mich ablenken, mich vom Druck fertig machen lassen, etc., so wäre das Problem viel bedrohlicher und eine Chance wäre für mich unsichtbar.  Der Unterschied zwischen diesem „ich muss“ und dem „ich will“ ist eklatant.    Bin ich beispielsweise verärgert über eine andere Person, so verspüre ich eine Art Groll auf diese Person. Rede ich nun in einem inneren Dialog mit mir selbst, dass ich dies Problem lösen muss, verspüre ich sehr deutlich einen Druck.  Bin ich jedoch im „ich will“-Modus ist mein Gefühl ein völlig anderes, nämlich eine gewisse Lust, das Problem ein für alle Mal zu lösen. 

Diese simple Entspannungsübung am Sonntagmorgen führt mich zu solchen Überlegungen. Mehr aber noch war es,  diesen Impuls des „Ich will etwas ändern! Keine Ahnung was, aber los.“ wahrzunehmen,  ja geradezu zu erwarten. Meine Krebserkrankung ist ein Problem und ich will die Chance dieser Erkrankung nutzen. Mal gelingt mir das ausgesprochen gut und manchmal eher weniger oder sogar kaum. Ich bin fest entschlossen, dranzubleiben. 

 

Alle Liebe für Euch.

Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 15

Zwischenzeit als Auszeit?

Am 8. Juni hatte ich meinen letzten Termin beim Arzt. Schon kurze Zeit danach erfüllte mich eine immer größere Erleichterung.

Zunächst erstmal keine Untersuchungen, Diagnosen, Behandlungen mehr. Keine Verschlechterungen bei jedem Arztgespräch, sondern, nach dem Sturm des vergangenen Monats, einfach körperliche Erholung und Ruhe.

Zur Erinnerung: Begonnen hatte es Anfang Mai mit einer Gewebeentnahme unter Narkose, nachdem ursprünglich lediglich eine Entzündung diagnostiziert worden war, die  nicht abklang, dann 2 Tage Ungewissheit, was das Ergebnis wohl bringen würde. Es folgte die Diagnose Krebs.      Am 7.Mai 2015!  Fünf Tage später Knochensintigram. Einen Tag darauf Magnetresonanztomographie. Keine Metastasen! Erste Beiträge in meinem Blog.   Am 22.5. Staging im Krankenhaus. Den ganzen Tag Untersuchungen und Gespräche in der Klinik. Susanne dabei, die alles aufnotierte. ( Später las ich Ihre Aufzeichnungen. Das Meiste erinnerte ich nicht!) Anschließend letztes „gesundes“ Wochenende auf einem Reiterhof an der Ostsee. Schönes Wetter. Jeden Tag gelaufen, um fit in der Klinik anzutreten.   Pfingstmontag, den 25. 5., nachmittags gegen 18 Uhr Bezug eines Einzelzimmers in der Martini-Klinik des Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg. Letzter Spaziergang mit Susanne bei Sonnenschein im Park. Operation tags darauf morgens um 7 Uhr. Spät nachmittags wieder aufgewacht. Offizelle Auskunft: Operation gut gelaufen. Alles raus! Nun nur noch von der OP erholen.       Besuch meines Bruders und von Susanne. Geschwächt und erleichtert. Gleichzeitig. Gemeinsames Lachen über meinen dicken Kopf. (Wie Helmut Kohl!) Erstes Aufstehen und Gang über den ganzen Flur am darauffolgenden Morgen. Liebevolle Betreuung, Schmerzmittel in genügendem Umfang, Besuch meiner besten Freunde. Alles entwickelt sich im grünen Bereich. Donnerstag, der 28. Mai. Der zweite Tag postoperativ, am Nachmittag.  Gespräch mit dem Chefarzt, der mich auch operiert hatte. Wenn ich wolle, könne ich am nächsten Tag nach Hause!!? Medizinisch gäbe es nichts mehr zu tun.  Jedoch: Krebszellen außerhalb der Prostata-Kapsel und auch eine Metastase!     Meine Frage: Herr Professor, werde ich wieder gesund? Seine Antwort: Ja.               Puh…………!                    Entlassung am Freitag, den 29.5.  Erste Erkenntnis: Autofahren geht gar nicht. Trotzdem Erholung übers Wochenende bei Susanne.   Montags wieder zur Klinik, in die Ambulanz zu Katheter-Entfernung und Information über den histologischen Befund der OP.    Katheter weg. Halleluja! Kernsätze aufgrund der Histologie:  Im Gesunden alles herausoperiert, trotzdem eine Wahrscheinlichkeit einer erneuten Krebserkrankung über 50%, Bestrahlung so gut wie sicher, ich könne ganz sicher in einem 5-Jahresüberlebenszeitraum rechnen.  Nach der Bestrahlung gibt es auch noch weitere Behandlungsmöglichkeiten. Susanne nicht dabei…………  Wiederum 4 Tage später beim niedergelassenen  Urologen. Nunmehr: Ob alles im Gesunden raus ist, ist zweifelhaft.  Bestrahlung natürlich, anschließend höchstwahrscheinlich Hormontherapie.    Am Nachmittag des gleichen Tages die Aussage eines Urologie-Professors  aus Rostock: „Ein sehr ernster Befund“.

Ab diesem 8. Juni hatte ich Ruhe sowie Zeit und Muße meine Gedanken und Gefühle zu ordnen.  Es ging mir besser und besser. Sowohl körperlich als auch geistig seelisch. Auch wenn Sport noch in weiter Ferne liegt, so kann ich mich normal bewegen, mein Bauch wird weniger und auch die abendlichen Schmerzen verschwinden mehr und mehr.  Meine Übungen mache ich regelmäßig , bin bei einer Homöopathin, habe Termine mit dem Psychoökologen in der Klinik, arbeite wieder. Der erste Flug zu Coaching-Terminen nach München. So konnte es weitergehen.                                                                 Tat es aber nicht.

All die Gedanken und Ängste der ersten Wochen kehren urplötzlich zurück. Es ist, als wenn ich nun die Kontrolle über meine Gedanken und damit über meine Gefühle verlieren würde. Ständig geistert mir durch den Kopf: „Ich will nicht sterben!“  Ich weiß genau, dass ich besser denken sollte, „ich will leben“. Doch es gelingt mir nicht. oder zumindest nur teilweise. Frühes Aufwachen  und das Kopfkino beginnt. Die ganzen Szenarien und  Gespräche der ersten Zeit geistern mir durch den Kopf. Meditationen, meine Visualisierungen fühlen sich wie leere Worte an. Susanne unterstützt mich, wo sie kann.    Meine Gefühle und auch meine momentane Unfähigkeit, anders, also konstruktiver,  zu denken, empfinde ich als echte Schwäche ( Selbstkritik!!?) und zusätzlich kostet es mich sehr große Überwindung, darüber zu sprechen und um Hilfe zu bitten.     Alles scheint dunkel zu sein, und ich komme nicht heraus.                               Was tun?  Eine für mich neue Situation.

Was mir wirklich hilft, ist das Schreiben in diesem Blog . Ich ordne während des Formulierens. Da ich logischerweise langsamer schreibe, als ich denke, sortiert sich in mir einiges.  Ganz deutlich habe ich die Empfindung, hier wieder ein Stück in die Klarheit zu kommen. Beispielsweise wird mir jetzt erkenntlich, dass ich den Termin mit dem Psychologen herbeisehne. Bei ihm habe ich kein Problem, meine Ängste und Schwächen zu offenbaren. Dort erfahre ich neben Anteilnahme auch echte professionelle Unterstützung. Denn die brauche ich.  Das wird mir immer deutlicher.

 

 

Alles Liebe für Euch!