Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 15

Zwischenzeit als Auszeit?

Am 8. Juni hatte ich meinen letzten Termin beim Arzt. Schon kurze Zeit danach erfüllte mich eine immer größere Erleichterung.

Zunächst erstmal keine Untersuchungen, Diagnosen, Behandlungen mehr. Keine Verschlechterungen bei jedem Arztgespräch, sondern, nach dem Sturm des vergangenen Monats, einfach körperliche Erholung und Ruhe.

Zur Erinnerung: Begonnen hatte es Anfang Mai mit einer Gewebeentnahme unter Narkose, nachdem ursprünglich lediglich eine Entzündung diagnostiziert worden war, die  nicht abklang, dann 2 Tage Ungewissheit, was das Ergebnis wohl bringen würde. Es folgte die Diagnose Krebs.      Am 7.Mai 2015!  Fünf Tage später Knochensintigram. Einen Tag darauf Magnetresonanztomographie. Keine Metastasen! Erste Beiträge in meinem Blog.   Am 22.5. Staging im Krankenhaus. Den ganzen Tag Untersuchungen und Gespräche in der Klinik. Susanne dabei, die alles aufnotierte. ( Später las ich Ihre Aufzeichnungen. Das Meiste erinnerte ich nicht!) Anschließend letztes „gesundes“ Wochenende auf einem Reiterhof an der Ostsee. Schönes Wetter. Jeden Tag gelaufen, um fit in der Klinik anzutreten.   Pfingstmontag, den 25. 5., nachmittags gegen 18 Uhr Bezug eines Einzelzimmers in der Martini-Klinik des Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg. Letzter Spaziergang mit Susanne bei Sonnenschein im Park. Operation tags darauf morgens um 7 Uhr. Spät nachmittags wieder aufgewacht. Offizelle Auskunft: Operation gut gelaufen. Alles raus! Nun nur noch von der OP erholen.       Besuch meines Bruders und von Susanne. Geschwächt und erleichtert. Gleichzeitig. Gemeinsames Lachen über meinen dicken Kopf. (Wie Helmut Kohl!) Erstes Aufstehen und Gang über den ganzen Flur am darauffolgenden Morgen. Liebevolle Betreuung, Schmerzmittel in genügendem Umfang, Besuch meiner besten Freunde. Alles entwickelt sich im grünen Bereich. Donnerstag, der 28. Mai. Der zweite Tag postoperativ, am Nachmittag.  Gespräch mit dem Chefarzt, der mich auch operiert hatte. Wenn ich wolle, könne ich am nächsten Tag nach Hause!!? Medizinisch gäbe es nichts mehr zu tun.  Jedoch: Krebszellen außerhalb der Prostata-Kapsel und auch eine Metastase!     Meine Frage: Herr Professor, werde ich wieder gesund? Seine Antwort: Ja.               Puh…………!                    Entlassung am Freitag, den 29.5.  Erste Erkenntnis: Autofahren geht gar nicht. Trotzdem Erholung übers Wochenende bei Susanne.   Montags wieder zur Klinik, in die Ambulanz zu Katheter-Entfernung und Information über den histologischen Befund der OP.    Katheter weg. Halleluja! Kernsätze aufgrund der Histologie:  Im Gesunden alles herausoperiert, trotzdem eine Wahrscheinlichkeit einer erneuten Krebserkrankung über 50%, Bestrahlung so gut wie sicher, ich könne ganz sicher in einem 5-Jahresüberlebenszeitraum rechnen.  Nach der Bestrahlung gibt es auch noch weitere Behandlungsmöglichkeiten. Susanne nicht dabei…………  Wiederum 4 Tage später beim niedergelassenen  Urologen. Nunmehr: Ob alles im Gesunden raus ist, ist zweifelhaft.  Bestrahlung natürlich, anschließend höchstwahrscheinlich Hormontherapie.    Am Nachmittag des gleichen Tages die Aussage eines Urologie-Professors  aus Rostock: „Ein sehr ernster Befund“.

Ab diesem 8. Juni hatte ich Ruhe sowie Zeit und Muße meine Gedanken und Gefühle zu ordnen.  Es ging mir besser und besser. Sowohl körperlich als auch geistig seelisch. Auch wenn Sport noch in weiter Ferne liegt, so kann ich mich normal bewegen, mein Bauch wird weniger und auch die abendlichen Schmerzen verschwinden mehr und mehr.  Meine Übungen mache ich regelmäßig , bin bei einer Homöopathin, habe Termine mit dem Psychoökologen in der Klinik, arbeite wieder. Der erste Flug zu Coaching-Terminen nach München. So konnte es weitergehen.                                                                 Tat es aber nicht.

All die Gedanken und Ängste der ersten Wochen kehren urplötzlich zurück. Es ist, als wenn ich nun die Kontrolle über meine Gedanken und damit über meine Gefühle verlieren würde. Ständig geistert mir durch den Kopf: „Ich will nicht sterben!“  Ich weiß genau, dass ich besser denken sollte, „ich will leben“. Doch es gelingt mir nicht. oder zumindest nur teilweise. Frühes Aufwachen  und das Kopfkino beginnt. Die ganzen Szenarien und  Gespräche der ersten Zeit geistern mir durch den Kopf. Meditationen, meine Visualisierungen fühlen sich wie leere Worte an. Susanne unterstützt mich, wo sie kann.    Meine Gefühle und auch meine momentane Unfähigkeit, anders, also konstruktiver,  zu denken, empfinde ich als echte Schwäche ( Selbstkritik!!?) und zusätzlich kostet es mich sehr große Überwindung, darüber zu sprechen und um Hilfe zu bitten.     Alles scheint dunkel zu sein, und ich komme nicht heraus.                               Was tun?  Eine für mich neue Situation.

Was mir wirklich hilft, ist das Schreiben in diesem Blog . Ich ordne während des Formulierens. Da ich logischerweise langsamer schreibe, als ich denke, sortiert sich in mir einiges.  Ganz deutlich habe ich die Empfindung, hier wieder ein Stück in die Klarheit zu kommen. Beispielsweise wird mir jetzt erkenntlich, dass ich den Termin mit dem Psychologen herbeisehne. Bei ihm habe ich kein Problem, meine Ängste und Schwächen zu offenbaren. Dort erfahre ich neben Anteilnahme auch echte professionelle Unterstützung. Denn die brauche ich.  Das wird mir immer deutlicher.

 

 

Alles Liebe für Euch!

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.