Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 19

Anders als gedacht

 

Nach der Operation war besprochen worden, dass 6 Wochen später eine erste Bestimmung des Tumormarkers, also des PSA-Wertes, erfolgen sollte. Daraus würde sich dann ergeben, ob es notwendig sein würde, mit einer Bestrahlung zu beginnen oder nicht.       Letzte Woche wurde mir also Blut abgenommen. Diese Blutprobe wurde dann in die Universität Eppendorf gesandt und gestern um 10.30 Uhr hatte ich dann den Termin, bei dem mir das Ergebnis mitgeteilt werden würde.

Schon seit einiger Zeit, insbesondere in den letzten Tagen vor dieser Untersuchung, hatte ich mich mental darauf eingestellt. Ich war mir völlig darüber im Klaren, dass der Pendel des Ergebnisses zu beiden Seiten ausschlagen könnte.  Um diese Ergebnis möglichst positiv zu gestalten, hatte ich unterer anderem bestimmte Aspekte meiner Ernährung umgestellt. So trinke ich jeden Tag ein Glas Granatapfel-Saft ( Brr.., ziemlich sauer), nehme ein Vitaminpräparat zu mir, esse ParaNüsse, viel Gemüse und ganz allgemein weniger Fleisch, stattdessen eher Fisch und Salat. Alles nicht schwierig und schmeckt in den allermeisten Fällen sogar richtig gut. Lediglich die bewusste, absichtsvolle Umstellung und die Entscheidung, weg von meinen bisherigen Essgewohnheiten, fällt schwer. Wenn ich es dann  tue, ist es ganz leicht.  Jaja, der erste Schritt………All dies sollte einen für mich günstigen PSA-Wert fördern.  Wesentlich entscheidendender  war jedoch meine mentale tägliche Beschäftigung. Dabei liess ich mich von mehreren Überlegungen leiten. Zum einen ist für mich sonnenklar, es gibt einen Zeitpunkt in der Zukunft , an dem ich wieder genauso gesund sein werde, wie alle anderen Menschen, die keinen Krebs haben. Dieses Bild visualisiere ich jefden Tag mit allen dazugehörigen Emotionen. Dabei fühle ich in mir eine große Freude und Sicherheit. Diesen Punkt zu erreichen und dann mit aller Intensität zu erleben, steht für mich außer Frage. Er steht fest!!  Insofern ist es auch nicht wirklich entscheidend, wie mein augenblicklicher Wert sein wird. Denn unabhängig davon, werde ich ja gesund.  Nichtsdestotrotz bin ich nicht unbedingt scharf auf eine sich hinziehende Strahlentherapie mit all ihren, höchstwahrscheinlich unangenehmen,  Begleiterscheinungen. Also visualisierte ich mir, wie ich nach dem Arzt-Termin ganz froh und in guter Laune die Praxis verlassen würde, da mein Wert zu gering sei, um mit der Bestrahlung zu beginnen.  Ein weiterhin schöner Sommer würde vor mir liegen. Nur das bisher eher miese Wetter hier in Hamburg hätte sich noch zu verändern! Sollte der Wert jedoch wider Erwarten so hoch sein, dass eine umgehende Bestrahlung notwendig sein würde, so würde ich mich dem voller Zuversicht stellen. Zwischenzeitlich hatten mir die Krankenhausleute sehr genau beschrieben, wie punktgenau und effektiv diese Behandlungen durchgeführt werden .  Also kann ich nur glücklich sein, dass es diese Hightech- Behandlungen heutzutage gibt. Diese Bestrahlungen wären also ein guter und hilfreicher Schrit auf dem Weg zu meiner Gesundung.  Von all diesen Gedanken,  war ich, durch meine täglichen Beschäftigungen damit, durchdrungen, sodass ich ganz entspannt war und auch, schon seit längerem, sehr gut schlafe.  Doch es kam ganz anders…….

Wiederum blieb ich im Wartezimmer stehen. Der Widerwillen, mich zu den anderen zu setzen, die mit eher grauen Gesichtern in den ausliegenden Zeitungen blätterten oder trübe in die Luft starrten, war eher noch größer geworden.                                                                                                            Endlich im Arzt-Zimmer teilte mir der Urologe mit, dass mein PSA-Wert bei 0,52 liegen würde. Während ich noch auf diese Zahl, die ich mir in mein Notizbuch geschrieben hatte,  blickte, meinte er, dass dieser Wert „bei Ihrem Befund“ ja sehr erfreulich sei. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir immer gesagt worden, dass jede Zahl oberhalb von 0,1 automatisch die Strahlenbehandlung nach sich ziehen würde. Denn dann wäre es erwiesen, dass sich noch Krebszellen in meinem Körper befinden würden.  Und nun 0,52 !? Zuversichtlich lächelnd, meinte er, dies wäre nur eine Zahl des heutigen Tages und es müsste nunmehr geklärt werden, ob die Tendenz, ausgehend von dieser Zahl nach oben oder weiter nach unten gehen würde. Dazu sei es notwendig, in 14 Tagen eine erneute Prüfung vorzunehmen. Es wäre eben gut möglich, dass dieser, überraschend gute Wert                 ( Nochmals: „bei Ihrem Befund“) ein singuläre Zahl auf dem Weg nach unten sei.  Das leuchtete mir ein. Sofort überkam mich auch ein  Gefühl von Zuversicht. Ich hatte die Gelegenheit auf ein bestimmtes Datum hinzuarbeiten. So etwas mochte ich schon immer gern. Also verabredeten wir einen neuen Termin für die Blutentnahme (Dauert nur 5 Minuten, Herr Krankenberg) und einen zweiten für die Information.  So ging ich dann wieder. Draussen auf der Strasse fühlte ich mich dann genauso, wie vordem visualisiert. Die Sonne schien und alles. was er gesagt hatte, hatte für mich Hand und Fuss. Direkt danach rief ich meinen Bruder an, der schon wartete. Ihm erzählte ich alles. Er meinte nur, er würde umgehend einen Freund, einen Urologie-Professor anrufen, um dessen anerkannte Zweitmeinung zu hören.       Schön, in einem solchen Netzwerk aufgefangen und unterstützt zu sein!                       Dieser Professor bestätigte die Erfreulichkeit des Befundes, meinte jedoch, dass eine Überprüfung innerhalb eines solch kurzen Zeitraumes sinnlos sei und, im übrigen, hielte er eine Bestrahlung auf jeden Fall für notwendig. In ca. 4 Monaten.       Früher, vor einigen Wochen, hätte mich eine widersprechende Aussage dieser Art aus der Bahn geworfen. Mittlerweile bin ich all diesen Meinungen gegenüber sehr aufmerksam, dankbar aufgeschlossen.  Im Laufe der Zeit werden sich schon die richtigen Wege ergeben. Davon bin ich überzeugt!  Offensichtlich ist es so, dass es hier keinen linearen Weg gibt, sondern für jeden Krebspatienten ist es anders. Das gefällt mir gut, denn es gibt mir die Gelegenheit, meine eigene Individualität viel mehr einzubringen.  Meine Aufgabe besteht nun darin, mit allen beteiligten Ärzten zu spreche und sie dazu zu bringen, sich konstruktiv mit den anderslautenden Meinungen ihrer Kollegen zu beschäftigen.   Moderieren konnte ich schon immer! So weit zunächst.

Körperlich geht es mir immer besser. Glücklicherweise bin ich in der Lage, wieder ganz normal zu arbeiten. Das bereitet mir viel Freude und ich habe den, zugegebenermaßen subjektiven, Eindruck, dass ich kreativer, wacher und damit noch besser als vorher arbeite.

Ich laufe fast täglich und auch die Zeiten pro Kilometer entwickeln sich positiv. Ein Freund, der ebenfalls viel läuft, gab mir den Tipp, mich, immer wenn es anstrengend wird , darüber zu freuen, doch noch eine ganze Strecke vor mir zu haben. Üblicherweise erscheint einem diese dann vor einem liegende Strecke als eher unangenehm oder sogar qualvoll.  Seinen Rat habe ich ausprobiert.    Und: Neue Erkenntnis: Das Laufen am Schluss fühlt sich ganz anders an.    Hm, was es wohl noch alles für Erkenntnisse geben wird?

 

Alles Liebe für Euch!

 

 

 

 

 

 

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