Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 20

Visionen sind wesentlich!  Aber……….

Mein inneres und auch äußeres Gleichgewicht ist wichtig. Eine Balance in meinem Leben führt mich auf den richtigeren Weg. Dabei schreibe ich ganz bewusst das Wort „richtigeren“, denn was wirklich richtig ist, zeigt sich oft erst in der Zukunft und selbst dann nicht immer.      So habe ich mich beispielsweise sehr auf einen PSA-Wert von unter 0,1 konzentriert und meinte, es würde mir in diesem Sommer nur mit einem entsprechenden Wert gut gehen können. Deshalb war ich auch so verwirrt, als der Arzt mir eine andere, höhere Zahl sagte und mich dabei, sich offensichtlich freuend,  ansah. Zu guter Letzt riefen mich mehrere Freunde, alles Ärzte, an und teilten mir ihre Freude über diesen doch ungewöhnlich guten Wert mit. Auch mein Bruder, ebenfalls Arzt, erzählte mir, er hätte in der entsprechenden Literatur nachgelesen und üblich wäre ein solcher  Wert nicht.  Also bin ich zunächst sehr beruhigt, genieße den ( nicht vorhandenen) Sommer, bin weiterhin in der Balance und gehe zielstrebig meinen Weg.

Es gilt allerdings wachsam zu sein. Ich würde aus dem Gleichgewicht geraten, würde ich mich nur mit mentalen Dingen auseinandersetzen. Ebenso notwendig ist es, mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität zu bleibe.  Bisher war ich zu einem nicht unerheblichen Teil meiner Zeit damit beschäftigt, herauszufinden, welche Ursachen dazu beigetragen haben, dass ich an Krebs erkrankt bin. So habe ich mir eine Stressliste der letzten 24 Monate angefertigt und erkannt, welcher Stress mehr oder weniger geradezu schicksalhaft ist und welchen ich beeinflussen kann. So ist mir die ernste Erkrankung eines mir sehr nahe stehenden Familienmitgliedes wahrlich unter die Haut gegangen und hat mich enorm belastet. Dieser Stress ist nur in bedingtem Maße zu händeln. Bei anderen Themen, wie bei  Auseinandersetzungen während meiner letzten Partnerschaft , kann ich sehr wohl Entscheidungen treffen, diesen Stress zu reduzieren. Durch diese Stressliste wurden mir meine Einflussmöglichkeiten  deutlich.

Neben meiner täglichen Visions-Arbeit beginne ich nun langsam, mich der praktischen Gestaltung meiner Zukunft zu beschäftigen. Eine, wie mir scheint, sehr nützliche Hilfe ist ein 2-Jahres-Gesundheitsplan. Ein Plan, in dem ich genau plane, welche Aspekte meines Lebens mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung durch mich erfahren werden und von welchen ich mich verabschiede. Im Grunde mache ich das schon seit vielen Jahren, nämlich mich selbst zu fragen, wozu ich Lust habe, was mir Freude macht.  Schon vor langer Zeit bin  auf diesen Zug aufgesprungen. Trotzdem gab und gibt es eine ganze Anzahl von Themen, die ich vor mir hergeschoben habe, in der Hoffnung und dem Trugschluss , es würde sich quasi von selbst ergeben und gleichzeitig dem mir selbst nicht eingestandenen Wissen, dass es nie soweit sein würde. Damit ist nun Schluß!

Geschobene Themen:

  • Vor Jahren habe ich eine Ausbildung in „Systemischen Familienstellen“ gemacht. Diese Ausbildung war so schlecht, dass ich sie immer woanders nochmals machen wollte.
  • Von der Segelyacht habe ich schon geschrieben. Längst hätte ich sie haben können.
  • Seit vielen Jahren nehme ich mir vor mein Englisch zu verbessern.
  • Über den Atlantik segeln. Vor meinem 60.Geburtstag.
  • Ich bin „WingWave-Trainer. Weiterlernen, Fortbildungen! Ich wollte eine viel höhere Kompetenz erlangen.
  • Morgen, Morgen, nur nicht heute! In manchen anderen  Bereichen für mich ein echtes Thema.

Jedoch kann ich mir auch auf die eigene Schulter klopfen. So vielen Themen, Aufgaben und auch Wünschen habe ich mich gewidmet und sie zu einem wirklich befriedigenden und manchmal sehr viel Glück bedeutenden Ende geführt.

Bevor ich nun auf meinen ursprünglich angesprochenen 2-Jahres-Gesundheitsplan eingehe, noch ein Gedanke zu  der Arbeit mit Visionen, der mir gerade gekommen ist. Oft, wenn wir an die Zukunft denken, sind wir hoffnungsvoll, dass sich doch dies und jenes erfüllen möge. Unter Umständen trägt uns diese Hoffnung, gibt uns Mut und lässt uns handeln. Und doch ist Hoffnung auch mit der Befürchtung verknüpft, es könnte misslingen. Diese Befürchtung kann manchmal lähmend sein, und in diesem Widerstreit zwischen Hoffen und Bangen ist unsere Aktivität zuweilen geschwächt oder eingeschränkt.  Eine wirkliche Vision ist etwas gänzlich anderes. Da gibt es weder Hoffnung noch Befürchtung, sondern die Vorstellung eines Zustandes.  Zuerst die Idee, dann die Form! Ich habe eine Idee, eine klare Vorstellung von etwas, das ich mir ganz dringend wünsche. Ich weiß, wie das aussieht, wie es sich anfühlt. Das kann etwas Materielles ( ein Haus, eine Segelyacht, ein Flugschein, usw.) , aber auch etwas Immaterielles ( Souveränität, Anerkennung, Mut, Freundschaft, Empathie, Liebe, Selbstvertrauen, Selbstentfaltung, Gesundheit usw.) sein.

Wenn ich mir vorstelle, ich bin gesund, die Krankheit liegt hinter mir, dann  habe ich in mir ein klares Bild geschaffen. Ich sehe mich gesund, fühle mich gesund, nehme wahr, wie sich das anfühlt. spüre meine Freude, fühle Glück, bin euphorisch, umarme die Welt, meine Projekte und meine Lieben. In einem solchen Augenblick nehme ich keine Hoffnung wahr und schon gar nicht irgendwelche Befürchtungen.   In mir ist eine Idee von von diesem Zustand!! Ich bin diese Idee!  Nun hat, glücklicherweise, nicht jeder Mensch Krebs, doch lässt sich ein Gedankengang  dieser Art auf jeden Lebensbereich anwenden.  Ich las folgendes:

Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv sich anzustrengen.

If you have no vision of what you would like to achieve in life, than there is nothing to strive on.     Erich Fromm

Nun zu meinem2-Jahres-Gesundheitsplan.  Ich teile die Tätigkeiten meines Lebens in sechs Kategorien auf: Lebenszweck, Spiel, Bewegung, Gesellschaft, Ernährung und Kreativität.

  • Lebenszweck heißt: Was mache ich hier und was will ich auf dieser Welt? Beruf, gesellschaftliche Aktivitäten, meine Rolle in der Familie. Was gibt dem Leben Sinn und Schwung?                                        
  • Spiel heißt: Jede Tätigkeit, die das Gefühl von Freude vermittelt oder mit „Spaß haben“ verbunden ist.                                                                          
  • Bewegung heißt: Jede körperliche Bewegung, die darauf abzielt, den Körper  widerstandsfähiger zu machen.                                                            
  • Gesellschaft heißt: Die Zeit, die man mit Angehörigen, mit Freunden verbringt.                                                                                                                
  • Ernährung heißt: Alles, was mit Essen, Kochen, Vitaminen, Kochkursen etc. zu tun hat                                                                                  
  • Kreativität heißt: Meditation,  Zielentwicklung, Visualisierung, Ideenentwicklung, Lektüre zu diesen Themen.

Nun schreibe ich diese Begriffe jeweils auf eine Seite meines Schreibbuches. Jetzt schreibe ich meine Tätigkeiten, so wie ich jeden dieser Begriffe gerade lebe. Sowohl was den Umfang der Begriffe und Tätigkeiten umfasst, als auch deren Qualität. Manche Tätigkeiten passen in mehrere Kategorien. dann entscheide ich mich für jeweils eine, in die es für mich besser passt.  ( Diesen Blog schreiben macht mir Spaß und, per Definition, würde deshalb in den Bereich „Spiel“ gehören. Mehr aber noch in den Bereich „Kreativität“. Für mich jedenfalls. Also ordne ich diese Tätigkeit dort ein.)

Als erstes fällt mir auf, und das ist wirklich überraschend, wie viel Zeit ich vertue. Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen geht. Jeder vertut wohl ab und zu seine Zeit. Na ja, wie auch immer! Ich jedenfalls vertue zu viel Zeit. Schon mal gut, dies so genau zu erkennen. Zwangsläufig ergibt sich für mich die Frage, was ich wohl ändern will.  Wieder mal eine Frage, die mich belebt und motiviert, mein Leben bewusster zu gestalten.

Als zweites habe ich mich entschieden, eine Spiele-Liste aufzustellen. Eine Liste der vierzig Dingen, die mir Spaß und/oder Freude machen. Die Anregung zu dieser Liste habe ich ebenfalls aus einem Buch, dass sich mit der Lebensgestaltung nach Erkrankung hin zur erneuten Gesundung beschäftigt. In dem Moment. als ich begann mich gedanklich mit dieser Liste zu beschäftigen schoss mir der Spruch durch den Kopf: Das Leben ist kein Wunschkonzert! Und schon gar kein Pony-Hof!!  Wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört und immer hatte ich das sofortige Gefühl von Abwehr, ja Ablehnung in mir. Manchmal ist das Leben wirklich nicht lustig und gerade die Anfänge meiner Krebserkrankung waren alles andere als das. Dennoch, Zeit meines Lebens war ich darauf aus, Freude und Spaß selbst zu gestalten. Nun gehe ich das Ganze etwas gezielter an.  Dabei habe ich, schon jetzt, wo ich gerade damit beginne, den Eindruck, dass sich alle sechs Aspekte auf eine wunderbare Art miteinander verknüpfen lassen. Na, mal sehen.

So viele Menschen verschieben den Spaß und die Freude in die Zukunft. Eben aufs nächste Wochenende, den Urlaub, die Rente………..    Auf den Sankt-Nimmerleinstag!          Das ist eine der positiven Botschaften meiner Krebserkrankung, nämlich die Zeit nicht zu vergeuden, sondern zu nutzen.     Diese Spaß-Liste zu erstellen machte mir noch mehr Freude als ich ursprünglich gedacht hatte. Allein schon die schiere Anzahl von 40 Tätigkeiten. Gibt es so viele, die wirklich Spass und Freue machen? Jedoch einmal angefangen, fiel mir immer noch mehr ein, was mir wirklich Freude macht. Vom Arbeiten mit der Kettensäge und der Spaltaxt, hin zum Doppelkopf spielen, vom in der Sonne liegen bis zum mit einem Freund durch den Englischen Garten laufen.  Immer noch mehr fiel mir ein. Und keiner dieser Punkte ist ein Lückenfüller! Eine Liste, deren Erstellung allein schon total gute Laune macht. Und dann erst deren Verwirklichung!!! Denn es wurde mir auch deutlich, wie viele dieser Tätigkeiten ich aus Gedankenlosigkeit „vergessen “ hatte.  Und außerdem, wie viele ich  als so selbstverständlich angesehen habe, dass sie ihre Schönheit verloren hatten.    Gut, dran zu sein!

 

Alles Liebe für Euch!

 

Eine Antwort auf „Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 20“

  1. Lieber Peter,

    bei mindestens 2 deiner 40 Punkte kann ich Dir gerne helfen…

    Bei mir liegen 20 Ster Holz in mächtigen Scheiben – ich habe mir eine Spaltaxt (hundsschwer) und diverse Keile gekauft…und bin nach einem heißen Samstag mit 6 Stunden Holz hacken und spalten ein wirklich glücklicher Mensch – und meinem Ergebnis – einem gefühlten Riesenhaufen Kaminholz! Und der Stapel mit den Scheiben ist dabei nicht wirklich kleiner geworden…der wartet also gerne auf Dich!

    Und daneben steht ja mein Schafkopf Hütterl (Doppelkopf??) und wenn Du einen gut gefüllten Beutel Kleingeld mitbringst, lernen wir Dir in unserem Hütterl das Schafkopfen. Du wirst zwar mit weniger im Beutel wieder Heim fahren – aber dafür kannst es dann 😉

    Neben der bestehenden Einladung – bist Du auch dazu herzlich gerne gesehen!

    Liebe Grüße

    Florian

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