Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 28

Attacke

Heute am 24.September 2015 beginnt die nächste Phase. Um 15.30h habe ich meinen ersten Bestrahlungstermin. Endlich! Wie froh ich bin! Die letzten Tage wurde meine Ungeduld immer größer, denn nachdem mir mitgeteilt wurde, dass sich die Krebszellen in mir teilen und vermehren, konnte ich es kaum abwarten, dass ihnen zu Leibe gerückt wurde. Etwaige Nebenwirkungen interessieren mich, zumindest augenblicklich, nicht einmal am Rande. Außerdem sollen sie nicht so gravierend wie bei einer Chemotherapie sein. Glück gehabt. Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und was da noch so kommen könnte, stelle ich mich gern. Hauptsache, ich besiege diesen Gegner!! 

Bevor es nun also so weit ist, waren wiederum umfangreiche Gespräche, Aufklärungen und Untersuchungen erforderlich. So sehr mir deren Bedeutung auch einleuchtete, so wurde mir aber auch die Zeit lang.  Nun ist alles bereit. Ich habe aufgemalte Markierungen am Körper, sodass ich nicht jedes Mal ausgemessen werden muss. Meine Ernährung ist anders als bisher. Viel Weißbrot, Nudeln, wenig Gewürze, kein Müsli, keine Hülsenfrüchte usw. Ein bisschen öde! 

Für mich persönlich ist es wesentlich, mich von der doch ziemlich bedrückenden Atmosphäre im Wartezimmer der Nuklearmedizin/Strahlenheilkunde zu befreien. Eine Karawane oder Ansammlung von Krebskranken, die vielfach mit einem kummervollen Ausdruck des Leides und der Hoffnungslosigkeit einfach dasitzen. Gerade beim ersten Mal, als ich zur Ausmessung meines Bestrahlungsfeldes ebenfalls dort warten musste, konnte ich mich nur zeitweise von deren Ausstrahlung lösen.  Um in meiner eigenen Welt zu bleiben, nehme ich ich heute und zukünftig ein gutes Buch mit, werde stehen bleiben und die ganze Zeit Wasser trinken. Man hatte mir gesagt, dass eine volle Blase, die angrenzenden Strahlungsschäden im Gesunden geringer hält. Insofern denke ich mir, dass die 10 Minuten der Bestrahlung vor allem deshalb unangenehm sein werden, weil ich in Wirklichkeit nötig auf die Toilette muss.  Danach dann im Laufschritt, falls möglich, auf das stille Örtchen. Während ich dies schreibe, muss ich schmunzeln. Was mir das Leben so bringt!! 

Diesen Montag hatte ich Geburtstag. Eine Welle von Mails, WhatsApp, SMS, Facebook, Xing, LinkedIn  und Anrufen überschwemmten mich. Und die ganze Zeit Susanne an meiner Seite, die mich mit ihrem Geschenk zu Tränen rührte. Ein unglaublich schöner Tag. So viele liebe Menschen. In Facebook schrieb ich:

Liebe Freunde,
so viele Glückwünsche! So viele liebe Worte. Ich bin sehr glücklich darüber! Gestern hatte ich ständig ein Lächeln im Gesicht. Wegen Euch. Ihr habt mir damit eine solche Freude gemacht. Wie soll ich es sagen? Einfach ein mein Herz berührendes Gefühl. Ich bin sehr dankbar für Euch in meinem Leben.
Das Leben ist schön!

So ist es!!  Übermorgen feiern mein Zwillingsbruder und ich mit ganz vielen Freunden ein Geburtstagsparty.  Ich freue mich total auf die Party und die Freunde. 

Alles Liebe für Euch!

 

Von der Krankheit zur Gesundung     Mein Weg 27

Weniger ist mehr

Seitdem ich erfahren habe, dass ich an Krebs erkrankt bin, war mir klar, dass ich an zu meiner Genesung beitragen möchte und wohl auch kann. Die Überzeugung, auf meine ureigenste Weise einen wesentlichen, ja entscheidenden Einfluss auf den vor mir liegenden Weg ausüben zu können erfüllte mich in jeder Faser. Körper, Geist und Seele gehören für mich zusammen. Auf allen drei Ebenen konnte ich unterstützend tätig sein. Auf der körperlichen Ebene kümmerte ich mich um  Ernährung und Fitness. Auf der geistigen Ebene konnte ich Ursachenforschung betreiben und mir Gedanken machen, auf welche Art ich zukünftig am besten leben würde. Auf der seelischen Ebene konnte ich mit Entspannungsübungen, Visualisierungen und vielem mehr dafür sorgen, dass ich zuversichtlich, gelassen und innerlich stark wurde und blieb.   Also legte ich los. Alles, was mir auf dieser spirituellen Reise in irgendeiner Form helfen könnte, war für mich interessant. Ich agierte nach dem Prinzip lieber mehr als zu wenig. Auf diese Weise hoffte ich, neben der rein medizinischen Seite, für die die Ärzte zuständig sind, schnell eine Verbesserung herbeizuführen. Ich hatte ein  Gefühl die Kontrolle über meine Genesung zu haben. Doch dem war nicht so. Im Gegenteil, es lief gesundheitlich, trotz meiner Anstrengungen, in die falsche Richtung. Also strengte ich mich mehr an. Insbesondere war mir daran gelegen, meine Stimmung und Einstellung weiterhin im positiven Bereich zu halten. Das gelang mir auch. Doch gleichzeitig verspürte ich einen wachsenden Druck und meine Lockerheit reduzierte sich. Ein zunächst nahezu unmerklicher Prozess, der sich verstärkte, je mehr ich die Kontrolle verlor. Alles, was ich unternahm, half nicht wirklich. Ob es ohne diese Arbeit von mir vielleicht noch schlimmer geworden wäre vermag ich nicht zu beurteilen. 

Eine erste Erkenntnis bemerkte ich, als ich mich entschloss die bisherigen Eintragungen meines Tagebuches in meinem Blog zu veröffentlichen. Während des Schreibens wurde mir klar, dass ich mich schon mit so vielen unterschiedlichen Themen beschäftigt hatte. Manche dieser Themen hatte ich wieder aus den Augen verloren. Vor allem aber war meine ursprüngliche Ruhe dahin. Ich bewegte mich auf der falschen Spur! Veränderung musste her. Aber was ?? 

Und genau zu diesem Zeitpunkt erreichte mich eine Mail meiner Frankfurter Freundin. Sie schrieb:„Lieber Peter. nun bin ich soweit, dass ich Dir mehr schreiben kann. Ich brauche immer eine gewisse Zeit, um auch meine eigenen Empfindungen und Gefühle in Bezug auf Deinen Krebs zu erspüren und zu „erspüren“. Ich kann auch Deine Blogs nicht immer komplett lesen, da sie mich in die zeit meiner eigenen Krebserkrankung zurück katapultieren.                      Wenn ich die letzten beiden Blogs lese, empfinde Schein deutliches Unwohlsein über den Umfang Deines Mentaltrainings und der Beschäftigung mit Deinem früheren und dem jetzigen Leben. Selbst ohne Krebs zu haben, erscheint mir das Paket, das Du Dir auferlegt hast als riesengroß, kaum zu bewältigen. Ich verspüre einen großen Druck, der meines Empfinden nach eher ungesund ist. Wenn ich an meine Zeit der Sprachlosigkeit, des Entsetzens, des Kontrollverlustes denke. kommt mir immer meine Onkopsychologin in den Sinn, die mich geleitet hat, mir Wege aufgezeigt hat. Sie war emotional nicht gebunden und hat mir mit ihrer Klarheit Kraft gegeben. Etwas, was mir zu Hause aufgrund der innigen Verbundenheit nicht so gegeben werden konnte.                                    Natürlich möchte man mit aller Kraft und z.T. auch mit aller Gewalt wieder gesund werden. Diese mentale Verausgabung ( so empfinde ich das ) könnte aber auch zur Schwächung führen.                                    Lieber Peter, atme tief durch, fühl in Dich rein und schau Dir den Berg an, den Du beackern willst. Sei ehr ich zu Dir.  Mach nur das, bei dem Du Dich wohl fühlst. Schau Dir die Vielfalt und Menge deiner Themen an und fühle in Dich rein. Ist es die richtige zeit, sich jetzt mit diesem oder jenem zu beschäftigen? Was sagt Dir Dein innerer Ratgeber? Reagiert Dein Körper bei bestimmten Themen, wie reagiert er auf den Umfang? Man kann sich nicht selbst coachen, schon gar nicht in Deiner Situation. Lass den Bauch sprechen und nicht nur den Kopf.                                                                                                            Ich hoffe, dass Du noch bei dem Onkopsychologen bist. Wenn nicht, fühle auch diesbezüglich in Dich rein und erspüre, was für Dich gut ist.  Ich bin immer bei Dir, wann immer Du mich brauchst.                     Alles Liebe                             xxxxxxxxxx“

Diese Worte waren für mich wie wärmende Sonnenstrahlen. Auch Susanne hatte schon seit einiger Zeit, den Eindruck, dass ich trotz aller Bewegung festsitzen würde.  In dieser Zeit des immer mehr und mehr und des gleichzeitigen Kontrollverlustes konnte ich zurückkehren zum „mich wohlfühlen“ und der innigen Verbundenheit mit mir selbst. 

Ja, weniger ist in jeder Hinsicht viel mehr. Ich mache das, worauf ich Lust habe! Davon allerdings viel!! Und Susanne ist ganz viel dabei!!

 

Alles Liebe für Euch!

Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 26

3 von 10…………Glas halbleer, Glas halbvoll

Am Montagabend telefonierte ich wieder mal mit einem Freund meines Bruders, der Professor für Urologie an einer Universität ist. Ich glaube, ich habe ihn schon in einigen Einträgen vorher erwähnt. Er war derjenige, mit dem ich mich nach meiner Krebsdiagnose beraten hatte und der mir empfohlen hatte, mich doch in der Martini-Klinik des Universitätskrankenhaus Eppendorf hier in Hamburg bei Prof. Gräfen operieren zu lassen.   Er legte mir die  computergesteuerte DA-Vinci-Methode ans Herz. Mit ihm konnte ich auch  meinen damaligen Erstbefund genau besprechen. In einfachen, aber sehr klaren Worten informierte er mich über die Ernsthaftigkeit meiner Erkrankung und sprach auch über meine Prognose der Gesundung, die er als sehr positiv einschätzte.  Nach der OP und nachdem mein Bruder ihm den pathologischen Befund zugesandt hatte, meinte er ihm gegenüber, dass es doch wohl, wider Erwarten, ernst sei.

Nun telefonierten wir erstmalig wieder miteinander. Meine Absicht war, ihn über Chancen und Risiken der nun auf mich zukommenden Bestrahlung zu befragen. Im Laufe der  letzten Monate hatte ich begriffen, wie sehr Klarheit und Orientierung für meinen Umgang mit meiner Krankheit von elementarer Bedeutung für mich sind. Im Grunde war es das schon immer. Jedoch wurde mir deutlich, dass ich im Verlaufe meines Lebens doch einige Aspekte nicht so genau wissen wollte. Vermeintlich habe ich mich, ohne es zu reflektieren, vor unangenehmen Wahrheiten geschützt. Damit ist nunmehr Schluss. Ich bin achtsam und hole mir die Informationen, die ich brauche, um selbstverantwortlich handeln zu können.                                 Am Anfang unseres Gespräches meinte er zugleich, dass ihn die Tatsache der nunmehrigen Bestrahlung nicht überraschen würde. Er hätte nach einem „derartigen OP-Bericht“ ganz klar damit gerechnet. Ich musste schlucken und wollte wissen, wie er das denn meinen würde.    „Na ja Peter, als ich von Deinem Bruder den Op-Bericht bekam, fiel mir die Kinnlade runter. Mit einem derartig schlechten Befund hatte ich nicht gerechnet. Mir wurde klar, dass sich Deine Krankheit in einem sehr, sehr ernsten Bereich befand und es Dich knüppeldick getroffen hatte.  Dieser R 0- Wert ( Mit diesem Wert wird klassifiziert, ob noch Krebszellen express vpn im Körper verbleiben oder alles heraus operiert worden ist. R 0 heisst: Alles raus.) war für mich mehr als zweifelhaft. Vielmehr deutete alles darauf hin, dass Krebszellen verblieben waren. In einem Telefonat mit Prof. Gräfen über Deinen Verlauf, waren wir in dieser Hinsicht auch unterschiedlicher Meinung. Peter, Du bist erstklassig operiert worden, doch eine nachfolgende Bestrahlung war für mich von Anfang an klar.“ Mit einer gewissen Atemlosigkeit hatte ich ihm zugehört, denn so deutlich hatte noch niemand mit mir gesprochen. Aber es ging noch weiter.                                                                                       Jetzt wollte ich von ihm wissen, wie er denn meine Genesungschancen beurteilen würde. Ich konnte wahrnehmen, dass er auf diese Frage nicht wirklich antworten wollte. Vielmehr meinte er, dass man das so genau nicht sagen könne und jeder Krankheitsverlauf sei anders. Eine Aussage darüber sei schwierig. Schwierig heißt für aber  für aber lediglich, dass sie schwierig ist, aber trotzdem machbar.  Also erzählte ich ihm von den  Ärzten, die ständig Aussagen über günstige Verläufe machen würden, um mir später etwas anderes zu erzählen und dass ich diese Art und Weise des Umganges mit mir nicht mehr akzeptieren würde. Deshalb würde ich ihn doch sehr um ein klares Statement bitten.

Ich bin ihm dankbar, dass er sich nunmehr darauf einließ und mir seine Sicht der Dinge darlegte: „Deine Chance, dass Du nach der Bestrahlung ohne Krebszellen bist, liegt bei ca. 30 Prozent. Mit 70 -prozentiger Wahrscheinlichkeit bekommen wir den Krebs nicht mehr aus Dir heraus.!“ Mit belegter Stimme fragte ich ihn, was das denn heißen würde.  Daraufhin meinte er, dass sich gerade in diesem Bereich der Krebserkrankungen viel tun würde und gerade deshalb wäre eine Prognose so schwierig. Ich könne in einem Zeitspanne von 2 bis 10 Jahren rechnen, falls……….   Dann erzählte er noch von verschiedenen Methoden, die laut der neuesten Studien jeweils ein zusätzliches halbes Jahr bringen könnten. Es fiel mir zunehmend schwerer im zuzuhören, bzw. mir alles zu merken. Um mir Mut zu machen, er ist wirklich ein guter Typ, berichtete er auch von Fällen, bei denen der Heilungsverlauf, entgegen aller Prognosen, unerklärlicherweise total positiv verlaufen wäre. Im Gegensatz zu bestimmten anderen Krebsarten, deren Verlauf klar und unabänderlich sei, würde hier eine absolut verlässliche Voraussage schwierig sein.  Diese letzten Aussagen sollten im Verlaufe dieses Abend noch eine Rolle spielen.

So, nun hatte ich die Klarheit und Orientierung, die ich immer anstrebte. Aber so!?     Irgendwie fühlte ich nichts, lediglich mein Kopf fühlte sich ganz heiß und wie angeschwollen an. Ein Gefühl, das ich vorher nicht gekannt hatte. Sprachlos saßen Susanne und ich in ihrer Küche und starrten in die Luft. Die bisherige Art und Weise, wie wir bisher in  schwierigen Zeiten meiner Erkrankung gesprochen hatten, griff nicht. Alle bisherigen Themen,die mich berührt und beschäftigt hatten, verloren mit einem Schlag ihre Bedeutung . Es ist ja allgemein bekannt, dass bei dieser Erkrankung Inkontinenz und Impotenz drohen. Ein Umstand, der mich insbesondere bei Beginn sehr beschäftigt hat. Nun wurde Susanne und mir so sehr deutlich, wie nebensächlich all diese Dinge sind. Die Tatsache, dass es  um  Leben und Tod ging, traf uns mit voller Wucht. Da fehlen dann zunächst jegliche Worte. Wir konnten uns nur in den Armen halten.

Später rief ich dann meinen Zwillingsbruder an, um ihn zu unterrichte, Was er dann sagte, war richtig gut, und es steckte vor allem viel Wahrheit darin. Er rief mir ins Gedächtnis zurück, dass die meisten Männer mit Prostata-Krebs älter sind, viele mit Übergewicht, schlechter Ernährung, oft unsportlich und von den Zusammenhängen zwischen Körper, Geist und Seele keine Ahnung haben! Weiter sagte er: „Peter, wenn jemand eine Chance hat, zu diesen 30% zu gehören, dann bist Du das!! Gehe weiter Deinen Weg, bleib dran. Wer, wenn nicht Du hat alle Vorraussetzungen, um gegen diesen mächtigen Gegner anzutreten. Denn mächtig ist er schon! Also weitermachen!  30% gilt eben nur als Durchschnitt für alleMänner mit einem Befund wie dem Deinen. “     Wie recht er hatte und wie gut es mir tat, wieder eine emotionale und gedankliche Ausrichtung zu haben. Ähnlich sprach mein jüngerer Bruder Herbert am nächsten Tag.  Ist das Glas halbleer oder halbvoll?, fragte er mich.  Denke ich: „Ich will nicht zu den 70% gehören!“ Das ist ein Glas-halb-leer-Gedanke. Oder denke ich:“ Ich liebe das Leben! Meine ganze Konzentration gehört den 30 %.“  Das ist ein Glas-halb-voll-Gedanke. Mir wurde emotional  bewusst, wie groß  der emotionale Unterschied zwischen diesen so verschiedenen Betrachtungsweisen  in mir wirkt. Kraftgebend versus dunklen Gedanken.  So konnte ich gut weitermachen. Es gibt einen guten Weg.

Am übernächsten Tag, dem Mittwoch,  ich bin an die See gefahren und war Windsurfen. Viel Wind, gute Wellen, 3 Stunden auf dem Wasser.  Hat total Spass gemacht. 

 

Alles Liebe für Euch!

Von der Krankheit zur Gesundung    Mein Weg 25

Was nun?

 

Aufgrund dieser Diagnose, dass noch Krebszellen in mir sind, die sich bereits wieder teilen, war das Wochenende sehr verhalten, sehr ruhig. Essen gehen, DVD am Samstagabend, lange schlafen, Fernsehen  (Leichtathletik, Basketball) und langen Gesprächen mit Susanne. Erstmalig ausgesprochene Gedanken auch von ihr, über ihre Angst, mich zu verlieren. Große Nähe. Gleichzeitig Sprachlosigkeit. Die Zuversicht der letzten Wochen mit einem Schlag wie weggefegt.  Zuversicht und eine klare innere Sicherheit bezüglich meiner Gesundung war nun in uns ersetzt worden durch Hoffnung. Das ist ein gravierender Qualitätsunterschied. Ich empfinde bei dem Begriff „Hoffnung“ eher eine gewisse Abhängigkeit vom Außen. Es gibt den Spruch „Jetzt können wir nur noch hoffen und beten“. Dies Gefühl machte sich breit. Scheinbar hatte alles, was ich bisher unternommen hatte, keine oder nur ganz geringe Auswirkungen. Ein deprimierender Gedanke. Zusätzlich diese ätzende Erkältung, mit der ich mich schlapp fühlte und die ganz sicher und gleichzeitig unmerklich einen dämpfenden Einfluss auf meine Stimmung hatte.       Beim Erwachen am Montagmorgen hatte ich den klaren Gedanken:“ Ich kann an dieser Krankheit sterben.“ Ganz neutral, eine rationale Tatsache. So ist es! Keine Emotion, kein inneres Drama. Einfach so, als wenn ich denken würde:“Nach dem Frühstück bringe ich mein Auto zum Reifenwechsel in die Werkstatt.“ Während ich also in diesem „Low-Level“ Gefühlsmodus verweilte, gab es einen anderen Peter, der sich selbst beobachtete und fragte, was denn nun zu tun sei. (Wir alle haben uns selbst in verschiedenen Ausprägungen und Persönlichkeiten in uns, sodass wir mit uns mit uns selbst unterhalten können. In diesem inneren Dialog können wir  Fragen stellen und Antworten erhalten. Wir können uns dadurch Mut machen und auch anspornen. Genausogut können wir uns aber auch runtermachen und unsere Ängste pflegen. Jeder kennt das.   Seit Jahren stelle ich mir also ganz bewusst Fragen zu Themen, die mir wirklich wichtig sind und warte ganz gespannt auf meine eigene Antwort. Klingt vielleicht skurril, doch mittlerweile habe ich gelernt, großes Vertrauen in diese Antworten zu setzen.) Aber nun zurück zu eigentlichen Thema. Ich fragte mich also, was ich denn nun tun könne, denn ein, in gewisser Weise lethargischer,  Satz, dass ich sterben könne, bringt mich nicht weiter.  Unvermittelt und sofort war eine Antwort da: „Lies alles, was Du seit Beginn Deiner Erkrankung in Deinem Tagebuch dazu aufgeschrieben hast.“ Gesagt, getan. Aufgestanden, einen Becher Kaffee und los. Überrascht, ja verwundert las, womit ich mich schon beschäftigt hatte. Soviele verschiedene Gedankenstränge, soviele gute Dinge. Vieles hatte ich in meinem Vorwärtsgehen schon wieder vergessen, ohne es wirklich durchzuziehen. Offensichtlich steht mir mein eigener Eifer im Wege!! Wieder die Frage an mich: „Was tue ich jetzt?“ Wieder die sofortige Antwort: „Ich schreibe alles, was das steht, ungeordnet, ungeschminkt in meinen Blog.“  Na, im selben Augenblick kamen die Einwände. Zu persönlich, zu chaotisch, usw..   Außerdem glaube ich nicht, dass alle im Tagebuch  genannten Personen es gut finden, wenn sie namentlich genannt werden.  Meine in mir spontan entstandene Antwort war jedoch eindeutig. Ich entschloss mich also, sie so beschreiben, dass sie nicht erkannt werden können. Im Übrigen war mir klar, dass, da ich den Blog in allererster Linie für mich selbst schreibe, das Durcheinander der Tagebuch- aufzeichnungen absolut belanglos ist.

Tagebuch, 12.5.     Beginn der Einträge nach der Krebsdiagnose am 7. Mai

Krebsbehandlung ist körperlich, geistig und spirituell. Die Art der Betrachtung macht einen großen Unterschied bei der Genesung aus.

Um zu wissen, wie es sich anfühlt, wieder gesund zu sein, muss ich doch erstmal wissen, wie es sich anfühlt, krank zu sein, oder? Habe darauf noch keine Antwort, denn es ist nicht mein Wunsch, mich krank zu fühlen. Doch kommt der Wunsch nicht als Motivation aus dem Loswerden des Negativen? Mal sehen!

Die Behandlung positiv annehmen.                                                                                                                        Heute wird eine Knochenszintigraphie gemacht. Damit wird geprüft, ob ich Metastasen in den Knochen habe. Gut, dass es diese Art der Untersuchung gibt.

Wieviel Vertrauen habe ich in meine Fähigkeit zu genesen?     Was kann ich also tun?  Was persönlich, ich, dazu beitragen?    Positives Denken, Visualisierung, Einstellungsarbeit, körperliches Training, The Tools, Imagination. Das führt zu einer, im positiven Sinne, wie C.Simonton schreibt, dramatischen Verbesserung der Heilungschancen oder zumindest der Lebensdauer. Mind/Body Approach.      Krebs korreliert am eindeutigsten mit psychischen Charakterzügen oder – Verhalten.                                                                       Die höchste Heilungsrate haben diejenigen, die einen gewissen Kampfgeist besitzen. Ich besitze diesen Kampfgeist. Die richtige Bewältigungsstrategie  (Coping-Strategie) ändert die Überlebensrate. Welche genau ist meine richtige Strategie? Bin noch am Anfang. 

Krebsverhütung! Mein Geist beeinflusst meinen Körper. Ist mir schon lange bekannt. Mit meinem Denken kann ich meine Spriritualtät lenken. Das wiederum wirkt sich auf meinen Körper aus!

Die Harmonie, also Ausgewogenheit, zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Aspekten wieder herstellen und halten.

Oben habe ich geschrieben, ich habe Kampfgeist. Den habe ich wirklich! Doch diesen Kampfgeist nutze ich immer nur in wirklichen Krisenzeiten. Auf den letzten Drücker. Kampfgeist ist nichts anderes als gründliches Nachdenken, falls möglich, sich Zeit lassen, Aktiv sein und , egal ob es Rückschritte oder Fortschritte gibt, dranbleiben.  Entscheidungen treffen. Machen!  Fortschritte ergeben sich daraus! Nicht viel über mein Leben nachdenken? Doch das tue ich!

Durch diese Krankheit kann ich schöpferisch und faszinierend anders leben.

Read Hanson hatte in dem Buch „Auf dem Wege der Besserung,  C. Simonton“, als er krank wurde, anfangs lediglich den Wunsch, wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Um sein altes Leben weiter zu führen.   So etwas ist Mist!       Es geht für mich um eine wesentliche, komplette Neuorientierung.  Das heißt, dass ich fühle, mit welchen Lebensbedingungen und Situationen es mir schlecht geht und mir genau überlege, wie ich damit komplett anders umgehe.  Mutig und souverän?!  Beispiel: In einer Firma, für die ich tätig bin, gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit Zusagen, die nicht eingehalten werden. Die Arbeit dort macht richtig Spass und ich schluckte bisher meinen Frust und meine Schwäche hinunter.  Ich brauche Zeit, und die nehme ich mir ab jetzt jeden Tag, um meine inneren Umstellungen zu gestalten.   Es geht um Lösungen, die gut tun.

Wenn es für mich schwierig wird, zeigt sich dadurch für mich der Weg. Wenn ich es schwierig finde, bei mir zu schauen und eher die „Schuld“ im Außen sehe, habe ich den Weg genau vor mir.

Es geht also bei diesen Umstellungen weit über meine Krankheit hinaus. Natürlich ist mein primäres Ziel, wieder gesund zu werden. Ohne diese Gesundheit ist alles nichts. Dabei habe ich die vollkommen sichere Überzeugung bald wieder ganz gesund zu sein. Im Kopf bin ich es jetzt schon. Das Einzige, was mich davon trennt ist die Zeit, so dass die innere und äußere Ebene übereinstimmen. 

In Wirklichkeit geht es jedoch darum, die Umstellungen in meinem Leben endlich anzugehen und schließlich auch zu leben. mit diesem neuen Leben bin ich dann „selbstakzeptiert“, aktiv, mich liebend, nach außen liebend, reflektiert, meine Angst als Entwicklungs- und Lernaufgabe begrüßend und sicher noch einiges mehr, das mir gerade nicht einfällt. 

Die Patienten-Seminare finden in Malibu, Kalifornien statt. In einer der Heilung förderlichen Umgebung. Diese Umgebung schaffe ich mir zunächst zu Hause auch. In meinem Arbeitszimmer.                                          Wenn ich mich müde oder nicht wohl fühle>>>Stop-Signal. Das übernehme ich dann später für mein Leben. 

Dass Susanne meine Bezugsperson ist, ist auch gut für unsere Partnerschaft. Mehr Nähe. Fühle mich bei aller Selbständigkeit durch sie behütet. 

Eine Liste all der Dinge, die in meinen Augen für mich gesundheitsschädlich sind.

Eine Liste der Dinge, die ich tun sollte, aber nicht tue.

Eine Liste der Dinge, die ich tue und die gut sind.

Welches sind meine Ohnmachtsgefühle und welches meine Schuldgefühle?                                                                                                                Starke negative Gefühle will ich herausfinden und dann auflösen. Sonst beeinflussen sie meine Lebensqualität und meinen Krankheitsverlauf.

Ich bin offen im Blog!

Verständnis und Vergebung nehmen mir eine Last ab. Das habe ich schon oft festgestellt, wenn ich mich intensiv mit einer Person beschäftigt habe, auf die ich einen Groll hatte und versuchte, sie zu verstehen. Je mehr ich die dahinter liegenden Gründe verstand, desto besser ging es mir.   Übung zur Vergebung!

Dicki (mein Zwillingsbruder) hat keinen Prostata-Krebs. Ich schon. Also sind genetische Gründe nicht bedeutungsvoll, sondern andere! Welche? Wenn ich das weiß, kann ich mich damit auseinandersetzen und das wiederum würde mich stärker machen. Stressfaktoren: Seite 70 .

Wenn ich den „sekundären“Krankheitsgewinn erkannt habe, habe ich die Möglichkeit, ihn auch zu erlangen, ohne krank zu sein.

Meine Stressliste:

  • Schlaganfall in der Familie
  • Für die Familie eine schreckliche Auseinandersetzung mit einem sehr bösen Menschen
  • Kein Kontakt zu meiner Pflegetochter
  • Auseinandersetzungen mit meiner geschiedenen Frau
  • Kunden zahlen nicht
  • Neuer Partnerschaftsversuch mit meiner geschiedenen Frau 
  • Erneute Trennung
  • Erneut allein
  • Begegnung mit Susanne  (positiver Stress!!!)
  • Immer wieder Selbstkritik
  • Monatelanger Stress mit einer Kollegin
  • Vor drei Jahren die abrupte Trennung von einer Freundin
  • Schieben wesentlicher persönlicher Vorhaben

Diese Stresspunkte bleiben bei mir oft als offene Enden. Offene Enden bedeuten auch anschließend weiterhin Stress.

Etwas tun, das mir Spaß macht. Jederzeit.                                                     Was macht mir Spaß? 

  • Arbeitszimmer als meinen Rückzugsort gestalten
  • Offene Enden schließen gibt mir ein Supergefühl.
  • 6 Uhr morgens, meine persönliche Stunde
  • Lieben Menschen persönliche Nachrichten schreiben
  • Kontakt mit Menschen in einer Gruppe

Das was ich tue ist hilfreich. Nachdenken, wahrnehmen. Nach jeder persönlichen Stunde , morgens um 6Uhr: Fühle ich mich besser? Zuversichtlicher in Bezug auf meine Gesundung?

An einer C.Simonton-Gruppe in Kassel nehme ich augenblicklich nicht teil. Weiterhin genau beobachten, ob es gut wäre!

Ein starkes Unterstützungsfundament: 6 Uhr(pers. Stunde), Meditation, psychologische Unterstützung, nur Kurzbesuche von Freunden, Susanne.

Mein Krebs ist eine Botschaft der Liebe. Wer bin ich, wie bin ich, was tue ich? Was tue ich?      Eine Leben der Integrität!!!

  1. Ich beschließe, wieder gesund zu werden.
  2. Ich entdecke mein wahres Ich.
  3. Ich entwickle Vertrauen zu mir selbst.
  4. Ich bitte um Hilfe.
  5. Ich mache mir deutlich, dass ich nicht schuld bin. Ich verurteile mich nicht selbst.
  6. Ich übernehme Verantwortung für mein Leben.
  7. Ich gebe meinen Emotionen Raum und stehe zu ihnen.
  8. An meinem Heilungsprozess  nehme ich mit Leichtigkeit und positiv teil
  9. Ich bin liebevoll und erwarte Neues.
  10. Große Gedanken sind in mir. Gesundheit, Liebe, Optimismus, Tatkraft, Haus, 77 Kilo, Segeln, Homepage.

Am Tag nach der Operation mache ich etwas Schönes! Überlegen.

 

Visualisierung geschieht unbewusst und eben auch bewusst. Jede Form der Visualisierung beeinflusst meinen Körper. Bilder, Gefühle und Gedanken lösen Angst oder Zuversicht aus. Selten sind es Tatsachen!!!!

Überprüfung meiner Denkweisen :

  1. Hilft mir die betreffende Ansicht, mein Leben und meine Gesundheit zu schützen?
  2. Verhilft sie mir zur Erreichung meiner kurzfristigen und langfristigen Ziele?
  3. Hilft sie mir dabei, meine schwierigsten Konflikte ( mit mir selbst oder mit anderen Menschen) zu lösen oder zu vermeiden?
  4. Hilft sie mir dabei, mich so zu fühlen, wie ich mich gerne fühle?
  5. Beruht diese betreffende Denkweise auf Tatsachen?

So weit so gut.  Morgen geht es weiter. Es sind noch viele Seiten abzuschreiben und schon jetzt weiß ich genau, wie gut es für mich ist, all diese Punkte nochmals aufzuführen. Unmerklich habe ich mich in Gedanken und Gefühle eingelassen und verstrickt, die mir überhaupt nicht gut tun.  Es geht mir deutlich besser, wieder zu sehen, was ich alles tun kann.

 

Alles Liebe für Euch.