Von der Krankheit zur Gesundung    Mein Weg 25

Was nun?

 

Aufgrund dieser Diagnose, dass noch Krebszellen in mir sind, die sich bereits wieder teilen, war das Wochenende sehr verhalten, sehr ruhig. Essen gehen, DVD am Samstagabend, lange schlafen, Fernsehen  (Leichtathletik, Basketball) und langen Gesprächen mit Susanne. Erstmalig ausgesprochene Gedanken auch von ihr, über ihre Angst, mich zu verlieren. Große Nähe. Gleichzeitig Sprachlosigkeit. Die Zuversicht der letzten Wochen mit einem Schlag wie weggefegt.  Zuversicht und eine klare innere Sicherheit bezüglich meiner Gesundung war nun in uns ersetzt worden durch Hoffnung. Das ist ein gravierender Qualitätsunterschied. Ich empfinde bei dem Begriff „Hoffnung“ eher eine gewisse Abhängigkeit vom Außen. Es gibt den Spruch „Jetzt können wir nur noch hoffen und beten“. Dies Gefühl machte sich breit. Scheinbar hatte alles, was ich bisher unternommen hatte, keine oder nur ganz geringe Auswirkungen. Ein deprimierender Gedanke. Zusätzlich diese ätzende Erkältung, mit der ich mich schlapp fühlte und die ganz sicher und gleichzeitig unmerklich einen dämpfenden Einfluss auf meine Stimmung hatte.       Beim Erwachen am Montagmorgen hatte ich den klaren Gedanken:“ Ich kann an dieser Krankheit sterben.“ Ganz neutral, eine rationale Tatsache. So ist es! Keine Emotion, kein inneres Drama. Einfach so, als wenn ich denken würde:“Nach dem Frühstück bringe ich mein Auto zum Reifenwechsel in die Werkstatt.“ Während ich also in diesem „Low-Level“ Gefühlsmodus verweilte, gab es einen anderen Peter, der sich selbst beobachtete und fragte, was denn nun zu tun sei. (Wir alle haben uns selbst in verschiedenen Ausprägungen und Persönlichkeiten in uns, sodass wir mit uns mit uns selbst unterhalten können. In diesem inneren Dialog können wir  Fragen stellen und Antworten erhalten. Wir können uns dadurch Mut machen und auch anspornen. Genausogut können wir uns aber auch runtermachen und unsere Ängste pflegen. Jeder kennt das.   Seit Jahren stelle ich mir also ganz bewusst Fragen zu Themen, die mir wirklich wichtig sind und warte ganz gespannt auf meine eigene Antwort. Klingt vielleicht skurril, doch mittlerweile habe ich gelernt, großes Vertrauen in diese Antworten zu setzen.) Aber nun zurück zu eigentlichen Thema. Ich fragte mich also, was ich denn nun tun könne, denn ein, in gewisser Weise lethargischer,  Satz, dass ich sterben könne, bringt mich nicht weiter.  Unvermittelt und sofort war eine Antwort da: „Lies alles, was Du seit Beginn Deiner Erkrankung in Deinem Tagebuch dazu aufgeschrieben hast.“ Gesagt, getan. Aufgestanden, einen Becher Kaffee und los. Überrascht, ja verwundert las, womit ich mich schon beschäftigt hatte. Soviele verschiedene Gedankenstränge, soviele gute Dinge. Vieles hatte ich in meinem Vorwärtsgehen schon wieder vergessen, ohne es wirklich durchzuziehen. Offensichtlich steht mir mein eigener Eifer im Wege!! Wieder die Frage an mich: „Was tue ich jetzt?“ Wieder die sofortige Antwort: „Ich schreibe alles, was das steht, ungeordnet, ungeschminkt in meinen Blog.“  Na, im selben Augenblick kamen die Einwände. Zu persönlich, zu chaotisch, usw..   Außerdem glaube ich nicht, dass alle im Tagebuch  genannten Personen es gut finden, wenn sie namentlich genannt werden.  Meine in mir spontan entstandene Antwort war jedoch eindeutig. Ich entschloss mich also, sie so beschreiben, dass sie nicht erkannt werden können. Im Übrigen war mir klar, dass, da ich den Blog in allererster Linie für mich selbst schreibe, das Durcheinander der Tagebuch- aufzeichnungen absolut belanglos ist.

Tagebuch, 12.5.     Beginn der Einträge nach der Krebsdiagnose am 7. Mai

Krebsbehandlung ist körperlich, geistig und spirituell. Die Art der Betrachtung macht einen großen Unterschied bei der Genesung aus.

Um zu wissen, wie es sich anfühlt, wieder gesund zu sein, muss ich doch erstmal wissen, wie es sich anfühlt, krank zu sein, oder? Habe darauf noch keine Antwort, denn es ist nicht mein Wunsch, mich krank zu fühlen. Doch kommt der Wunsch nicht als Motivation aus dem Loswerden des Negativen? Mal sehen!

Die Behandlung positiv annehmen.                                                                                                                        Heute wird eine Knochenszintigraphie gemacht. Damit wird geprüft, ob ich Metastasen in den Knochen habe. Gut, dass es diese Art der Untersuchung gibt.

Wieviel Vertrauen habe ich in meine Fähigkeit zu genesen?     Was kann ich also tun?  Was persönlich, ich, dazu beitragen?    Positives Denken, Visualisierung, Einstellungsarbeit, körperliches Training, The Tools, Imagination. Das führt zu einer, im positiven Sinne, wie C.Simonton schreibt, dramatischen Verbesserung der Heilungschancen oder zumindest der Lebensdauer. Mind/Body Approach.      Krebs korreliert am eindeutigsten mit psychischen Charakterzügen oder – Verhalten.                                                                       Die höchste Heilungsrate haben diejenigen, die einen gewissen Kampfgeist besitzen. Ich besitze diesen Kampfgeist. Die richtige Bewältigungsstrategie  (Coping-Strategie) ändert die Überlebensrate. Welche genau ist meine richtige Strategie? Bin noch am Anfang. 

Krebsverhütung! Mein Geist beeinflusst meinen Körper. Ist mir schon lange bekannt. Mit meinem Denken kann ich meine Spriritualtät lenken. Das wiederum wirkt sich auf meinen Körper aus!

Die Harmonie, also Ausgewogenheit, zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Aspekten wieder herstellen und halten.

Oben habe ich geschrieben, ich habe Kampfgeist. Den habe ich wirklich! Doch diesen Kampfgeist nutze ich immer nur in wirklichen Krisenzeiten. Auf den letzten Drücker. Kampfgeist ist nichts anderes als gründliches Nachdenken, falls möglich, sich Zeit lassen, Aktiv sein und , egal ob es Rückschritte oder Fortschritte gibt, dranbleiben.  Entscheidungen treffen. Machen!  Fortschritte ergeben sich daraus! Nicht viel über mein Leben nachdenken? Doch das tue ich!

Durch diese Krankheit kann ich schöpferisch und faszinierend anders leben.

Read Hanson hatte in dem Buch „Auf dem Wege der Besserung,  C. Simonton“, als er krank wurde, anfangs lediglich den Wunsch, wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Um sein altes Leben weiter zu führen.   So etwas ist Mist!       Es geht für mich um eine wesentliche, komplette Neuorientierung.  Das heißt, dass ich fühle, mit welchen Lebensbedingungen und Situationen es mir schlecht geht und mir genau überlege, wie ich damit komplett anders umgehe.  Mutig und souverän?!  Beispiel: In einer Firma, für die ich tätig bin, gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit Zusagen, die nicht eingehalten werden. Die Arbeit dort macht richtig Spass und ich schluckte bisher meinen Frust und meine Schwäche hinunter.  Ich brauche Zeit, und die nehme ich mir ab jetzt jeden Tag, um meine inneren Umstellungen zu gestalten.   Es geht um Lösungen, die gut tun.

Wenn es für mich schwierig wird, zeigt sich dadurch für mich der Weg. Wenn ich es schwierig finde, bei mir zu schauen und eher die „Schuld“ im Außen sehe, habe ich den Weg genau vor mir.

Es geht also bei diesen Umstellungen weit über meine Krankheit hinaus. Natürlich ist mein primäres Ziel, wieder gesund zu werden. Ohne diese Gesundheit ist alles nichts. Dabei habe ich die vollkommen sichere Überzeugung bald wieder ganz gesund zu sein. Im Kopf bin ich es jetzt schon. Das Einzige, was mich davon trennt ist die Zeit, so dass die innere und äußere Ebene übereinstimmen. 

In Wirklichkeit geht es jedoch darum, die Umstellungen in meinem Leben endlich anzugehen und schließlich auch zu leben. mit diesem neuen Leben bin ich dann „selbstakzeptiert“, aktiv, mich liebend, nach außen liebend, reflektiert, meine Angst als Entwicklungs- und Lernaufgabe begrüßend und sicher noch einiges mehr, das mir gerade nicht einfällt. 

Die Patienten-Seminare finden in Malibu, Kalifornien statt. In einer der Heilung förderlichen Umgebung. Diese Umgebung schaffe ich mir zunächst zu Hause auch. In meinem Arbeitszimmer.                                          Wenn ich mich müde oder nicht wohl fühle>>>Stop-Signal. Das übernehme ich dann später für mein Leben. 

Dass Susanne meine Bezugsperson ist, ist auch gut für unsere Partnerschaft. Mehr Nähe. Fühle mich bei aller Selbständigkeit durch sie behütet. 

Eine Liste all der Dinge, die in meinen Augen für mich gesundheitsschädlich sind.

Eine Liste der Dinge, die ich tun sollte, aber nicht tue.

Eine Liste der Dinge, die ich tue und die gut sind.

Welches sind meine Ohnmachtsgefühle und welches meine Schuldgefühle?                                                                                                                Starke negative Gefühle will ich herausfinden und dann auflösen. Sonst beeinflussen sie meine Lebensqualität und meinen Krankheitsverlauf.

Ich bin offen im Blog!

Verständnis und Vergebung nehmen mir eine Last ab. Das habe ich schon oft festgestellt, wenn ich mich intensiv mit einer Person beschäftigt habe, auf die ich einen Groll hatte und versuchte, sie zu verstehen. Je mehr ich die dahinter liegenden Gründe verstand, desto besser ging es mir.   Übung zur Vergebung!

Dicki (mein Zwillingsbruder) hat keinen Prostata-Krebs. Ich schon. Also sind genetische Gründe nicht bedeutungsvoll, sondern andere! Welche? Wenn ich das weiß, kann ich mich damit auseinandersetzen und das wiederum würde mich stärker machen. Stressfaktoren: Seite 70 .

Wenn ich den „sekundären“Krankheitsgewinn erkannt habe, habe ich die Möglichkeit, ihn auch zu erlangen, ohne krank zu sein.

Meine Stressliste:

  • Schlaganfall in der Familie
  • Für die Familie eine schreckliche Auseinandersetzung mit einem sehr bösen Menschen
  • Kein Kontakt zu meiner Pflegetochter
  • Auseinandersetzungen mit meiner geschiedenen Frau
  • Kunden zahlen nicht
  • Neuer Partnerschaftsversuch mit meiner geschiedenen Frau 
  • Erneute Trennung
  • Erneut allein
  • Begegnung mit Susanne  (positiver Stress!!!)
  • Immer wieder Selbstkritik
  • Monatelanger Stress mit einer Kollegin
  • Vor drei Jahren die abrupte Trennung von einer Freundin
  • Schieben wesentlicher persönlicher Vorhaben

Diese Stresspunkte bleiben bei mir oft als offene Enden. Offene Enden bedeuten auch anschließend weiterhin Stress.

Etwas tun, das mir Spaß macht. Jederzeit.                                                     Was macht mir Spaß? 

  • Arbeitszimmer als meinen Rückzugsort gestalten
  • Offene Enden schließen gibt mir ein Supergefühl.
  • 6 Uhr morgens, meine persönliche Stunde
  • Lieben Menschen persönliche Nachrichten schreiben
  • Kontakt mit Menschen in einer Gruppe

Das was ich tue ist hilfreich. Nachdenken, wahrnehmen. Nach jeder persönlichen Stunde , morgens um 6Uhr: Fühle ich mich besser? Zuversichtlicher in Bezug auf meine Gesundung?

An einer C.Simonton-Gruppe in Kassel nehme ich augenblicklich nicht teil. Weiterhin genau beobachten, ob es gut wäre!

Ein starkes Unterstützungsfundament: 6 Uhr(pers. Stunde), Meditation, psychologische Unterstützung, nur Kurzbesuche von Freunden, Susanne.

Mein Krebs ist eine Botschaft der Liebe. Wer bin ich, wie bin ich, was tue ich? Was tue ich?      Eine Leben der Integrität!!!

  1. Ich beschließe, wieder gesund zu werden.
  2. Ich entdecke mein wahres Ich.
  3. Ich entwickle Vertrauen zu mir selbst.
  4. Ich bitte um Hilfe.
  5. Ich mache mir deutlich, dass ich nicht schuld bin. Ich verurteile mich nicht selbst.
  6. Ich übernehme Verantwortung für mein Leben.
  7. Ich gebe meinen Emotionen Raum und stehe zu ihnen.
  8. An meinem Heilungsprozess  nehme ich mit Leichtigkeit und positiv teil
  9. Ich bin liebevoll und erwarte Neues.
  10. Große Gedanken sind in mir. Gesundheit, Liebe, Optimismus, Tatkraft, Haus, 77 Kilo, Segeln, Homepage.

Am Tag nach der Operation mache ich etwas Schönes! Überlegen.

 

Visualisierung geschieht unbewusst und eben auch bewusst. Jede Form der Visualisierung beeinflusst meinen Körper. Bilder, Gefühle und Gedanken lösen Angst oder Zuversicht aus. Selten sind es Tatsachen!!!!

Überprüfung meiner Denkweisen :

  1. Hilft mir die betreffende Ansicht, mein Leben und meine Gesundheit zu schützen?
  2. Verhilft sie mir zur Erreichung meiner kurzfristigen und langfristigen Ziele?
  3. Hilft sie mir dabei, meine schwierigsten Konflikte ( mit mir selbst oder mit anderen Menschen) zu lösen oder zu vermeiden?
  4. Hilft sie mir dabei, mich so zu fühlen, wie ich mich gerne fühle?
  5. Beruht diese betreffende Denkweise auf Tatsachen?

So weit so gut.  Morgen geht es weiter. Es sind noch viele Seiten abzuschreiben und schon jetzt weiß ich genau, wie gut es für mich ist, all diese Punkte nochmals aufzuführen. Unmerklich habe ich mich in Gedanken und Gefühle eingelassen und verstrickt, die mir überhaupt nicht gut tun.  Es geht mir deutlich besser, wieder zu sehen, was ich alles tun kann.

 

Alles Liebe für Euch.

 

Eine Antwort auf „Von der Krankheit zur Gesundung    Mein Weg 25“

  1. Mein Lieber!

    Starker Eintrag!
    Schon einige deiner Beiträge haben mich sehr berührt, du schreibst offen, gibst deine Ängste Preis, zeigst deinen Kampfgeist, weißt abzuwägen, schwächest und bist gleichzeitig ganz bei Dir.
    Dieser Beitrag geht mir besonders nah. Vielleicht weil es jetzt ernst wird ? – mir ist schon klar, dass es von Anfang an bedrohlich war und ist – ……. aber der Befund jetzt hat eine neue Qualität. Es tritt etwas unberechenbares, unbeherrschbares hinzu……… vielleicht ist es das was uns kontrolliebenden Wesen unheimlich vorkommt. Was mir Angst um dich einflößt. Ich habe lange überlegt, ob ich Dir das schreiben soll. Es ist auch Angst mich könnte eine solche oder ähnliche Erkrankung ereilen. Ich denke fast jeden Tag daran – als Vorbereitung sozusagen. Schon lange – jahrelang. Und doch ist es anders, wenn es Realität wird, dessen bin ich mir sicher. Zu Ratio wird sich Gefühl Gesellen und den schön abgeklärten Plan umschmeißen.

    Und Du? Du steckst mitten drin und verbreitest Zuversicht- bist eifrig, ganz konzentriert, lässt dich nicht hängen, bist umsichtig, gedanklich umtriebig, suchend – „Open minded“ für alles was helfen könnte. Im Innen und außen!
    Respekt.
    Jeden Morgen 6h – würde ich nicht schaffen.
    Was ich aber schaffe – und das habe ich auch von Dir gelernt – ist den Blick auf das Wesentliche zu richten.
    Das mag für jeden etwas anderes sein, für mich sind es die Menschen. Bei und mit ihnen finde ich Sinn und Kraft. Menschen machen mein Leben sinn- und wertvoll. Ein sichtbarer göttlicher Funke sozusagen. Da ich nicht genau weiß, wie es bei dir ist kann ich nur von mir sprechen. Was mir sehr gefällt ist dein Streben nach Integrität – quasi eine Art Zusammenfassung des „Wie“ man gut und sinnvoll leben kann.
    Warum ich das schreibe?
    Eine Art Zeichen, dass ich deine Gedankengänge gut nachvollziehen kann, ich möchte dir sagen, dass ich verstehe wie du denkst, nichts ist “ von weit hergeholt“.
    Und weil ichdenke, dass du ein wertvoller Mensch bist – jeder Mensch ist wertvoll und es gibt da kein Maß, keine Messlatte – aber für mich persönlich bist du wertvoller als andere….und dafür bin ich dankbar!
    Manche Lieder drücken Dinge anders und besser aus – Amos Lee – Keep it Looses, Keep it tight…….
    Gegensätze des Lebens und doch eins…. Vielleicht gefällt es dir so gut wie mir.
    LG!

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