Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 26

3 von 10…………Glas halbleer, Glas halbvoll

Am Montagabend telefonierte ich wieder mal mit einem Freund meines Bruders, der Professor für Urologie an einer Universität ist. Ich glaube, ich habe ihn schon in einigen Einträgen vorher erwähnt. Er war derjenige, mit dem ich mich nach meiner Krebsdiagnose beraten hatte und der mir empfohlen hatte, mich doch in der Martini-Klinik des Universitätskrankenhaus Eppendorf hier in Hamburg bei Prof. Gräfen operieren zu lassen.   Er legte mir die  computergesteuerte DA-Vinci-Methode ans Herz. Mit ihm konnte ich auch  meinen damaligen Erstbefund genau besprechen. In einfachen, aber sehr klaren Worten informierte er mich über die Ernsthaftigkeit meiner Erkrankung und sprach auch über meine Prognose der Gesundung, die er als sehr positiv einschätzte.  Nach der OP und nachdem mein Bruder ihm den pathologischen Befund zugesandt hatte, meinte er ihm gegenüber, dass es doch wohl, wider Erwarten, ernst sei.

Nun telefonierten wir erstmalig wieder miteinander. Meine Absicht war, ihn über Chancen und Risiken der nun auf mich zukommenden Bestrahlung zu befragen. Im Laufe der  letzten Monate hatte ich begriffen, wie sehr Klarheit und Orientierung für meinen Umgang mit meiner Krankheit von elementarer Bedeutung für mich sind. Im Grunde war es das schon immer. Jedoch wurde mir deutlich, dass ich im Verlaufe meines Lebens doch einige Aspekte nicht so genau wissen wollte. Vermeintlich habe ich mich, ohne es zu reflektieren, vor unangenehmen Wahrheiten geschützt. Damit ist nunmehr Schluss. Ich bin achtsam und hole mir die Informationen, die ich brauche, um selbstverantwortlich handeln zu können.                                 Am Anfang unseres Gespräches meinte er zugleich, dass ihn die Tatsache der nunmehrigen Bestrahlung nicht überraschen würde. Er hätte nach einem „derartigen OP-Bericht“ ganz klar damit gerechnet. Ich musste schlucken und wollte wissen, wie er das denn meinen würde.    „Na ja Peter, als ich von Deinem Bruder den Op-Bericht bekam, fiel mir die Kinnlade runter. Mit einem derartig schlechten Befund hatte ich nicht gerechnet. Mir wurde klar, dass sich Deine Krankheit in einem sehr, sehr ernsten Bereich befand und es Dich knüppeldick getroffen hatte.  Dieser R 0- Wert ( Mit diesem Wert wird klassifiziert, ob noch Krebszellen express vpn im Körper verbleiben oder alles heraus operiert worden ist. R 0 heisst: Alles raus.) war für mich mehr als zweifelhaft. Vielmehr deutete alles darauf hin, dass Krebszellen verblieben waren. In einem Telefonat mit Prof. Gräfen über Deinen Verlauf, waren wir in dieser Hinsicht auch unterschiedlicher Meinung. Peter, Du bist erstklassig operiert worden, doch eine nachfolgende Bestrahlung war für mich von Anfang an klar.“ Mit einer gewissen Atemlosigkeit hatte ich ihm zugehört, denn so deutlich hatte noch niemand mit mir gesprochen. Aber es ging noch weiter.                                                                                       Jetzt wollte ich von ihm wissen, wie er denn meine Genesungschancen beurteilen würde. Ich konnte wahrnehmen, dass er auf diese Frage nicht wirklich antworten wollte. Vielmehr meinte er, dass man das so genau nicht sagen könne und jeder Krankheitsverlauf sei anders. Eine Aussage darüber sei schwierig. Schwierig heißt für aber  für aber lediglich, dass sie schwierig ist, aber trotzdem machbar.  Also erzählte ich ihm von den  Ärzten, die ständig Aussagen über günstige Verläufe machen würden, um mir später etwas anderes zu erzählen und dass ich diese Art und Weise des Umganges mit mir nicht mehr akzeptieren würde. Deshalb würde ich ihn doch sehr um ein klares Statement bitten.

Ich bin ihm dankbar, dass er sich nunmehr darauf einließ und mir seine Sicht der Dinge darlegte: „Deine Chance, dass Du nach der Bestrahlung ohne Krebszellen bist, liegt bei ca. 30 Prozent. Mit 70 -prozentiger Wahrscheinlichkeit bekommen wir den Krebs nicht mehr aus Dir heraus.!“ Mit belegter Stimme fragte ich ihn, was das denn heißen würde.  Daraufhin meinte er, dass sich gerade in diesem Bereich der Krebserkrankungen viel tun würde und gerade deshalb wäre eine Prognose so schwierig. Ich könne in einem Zeitspanne von 2 bis 10 Jahren rechnen, falls……….   Dann erzählte er noch von verschiedenen Methoden, die laut der neuesten Studien jeweils ein zusätzliches halbes Jahr bringen könnten. Es fiel mir zunehmend schwerer im zuzuhören, bzw. mir alles zu merken. Um mir Mut zu machen, er ist wirklich ein guter Typ, berichtete er auch von Fällen, bei denen der Heilungsverlauf, entgegen aller Prognosen, unerklärlicherweise total positiv verlaufen wäre. Im Gegensatz zu bestimmten anderen Krebsarten, deren Verlauf klar und unabänderlich sei, würde hier eine absolut verlässliche Voraussage schwierig sein.  Diese letzten Aussagen sollten im Verlaufe dieses Abend noch eine Rolle spielen.

So, nun hatte ich die Klarheit und Orientierung, die ich immer anstrebte. Aber so!?     Irgendwie fühlte ich nichts, lediglich mein Kopf fühlte sich ganz heiß und wie angeschwollen an. Ein Gefühl, das ich vorher nicht gekannt hatte. Sprachlos saßen Susanne und ich in ihrer Küche und starrten in die Luft. Die bisherige Art und Weise, wie wir bisher in  schwierigen Zeiten meiner Erkrankung gesprochen hatten, griff nicht. Alle bisherigen Themen,die mich berührt und beschäftigt hatten, verloren mit einem Schlag ihre Bedeutung . Es ist ja allgemein bekannt, dass bei dieser Erkrankung Inkontinenz und Impotenz drohen. Ein Umstand, der mich insbesondere bei Beginn sehr beschäftigt hat. Nun wurde Susanne und mir so sehr deutlich, wie nebensächlich all diese Dinge sind. Die Tatsache, dass es  um  Leben und Tod ging, traf uns mit voller Wucht. Da fehlen dann zunächst jegliche Worte. Wir konnten uns nur in den Armen halten.

Später rief ich dann meinen Zwillingsbruder an, um ihn zu unterrichte, Was er dann sagte, war richtig gut, und es steckte vor allem viel Wahrheit darin. Er rief mir ins Gedächtnis zurück, dass die meisten Männer mit Prostata-Krebs älter sind, viele mit Übergewicht, schlechter Ernährung, oft unsportlich und von den Zusammenhängen zwischen Körper, Geist und Seele keine Ahnung haben! Weiter sagte er: „Peter, wenn jemand eine Chance hat, zu diesen 30% zu gehören, dann bist Du das!! Gehe weiter Deinen Weg, bleib dran. Wer, wenn nicht Du hat alle Vorraussetzungen, um gegen diesen mächtigen Gegner anzutreten. Denn mächtig ist er schon! Also weitermachen!  30% gilt eben nur als Durchschnitt für alleMänner mit einem Befund wie dem Deinen. “     Wie recht er hatte und wie gut es mir tat, wieder eine emotionale und gedankliche Ausrichtung zu haben. Ähnlich sprach mein jüngerer Bruder Herbert am nächsten Tag.  Ist das Glas halbleer oder halbvoll?, fragte er mich.  Denke ich: „Ich will nicht zu den 70% gehören!“ Das ist ein Glas-halb-leer-Gedanke. Oder denke ich:“ Ich liebe das Leben! Meine ganze Konzentration gehört den 30 %.“  Das ist ein Glas-halb-voll-Gedanke. Mir wurde emotional  bewusst, wie groß  der emotionale Unterschied zwischen diesen so verschiedenen Betrachtungsweisen  in mir wirkt. Kraftgebend versus dunklen Gedanken.  So konnte ich gut weitermachen. Es gibt einen guten Weg.

Am übernächsten Tag, dem Mittwoch,  ich bin an die See gefahren und war Windsurfen. Viel Wind, gute Wellen, 3 Stunden auf dem Wasser.  Hat total Spass gemacht. 

 

Alles Liebe für Euch!

Eine Antwort auf „Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 26“

  1. Lieber Peter mir fehlen im Moment die richtigen Worte. Allerdings bin ich, wie Anfangs schon erwähnt, genau der gleichen Überzeugung wie Hans, dass Du mit Deinen hervorragenden Fähigkeiten genau der richtige Mensch bist um diese außergewöhnliche Herausforderung anzupacken und uns allen zu zeigen, wie wichtig es ist an unsere eigenen Heilungskraefte zu glauben und sie beim Heilungsprozess einzubeziehen! Ich bin der festen Meinung dass Du dazu auserwählt bist. Ich glaube an Dich und begleite Dich auf mentaler Ebene! In Liebe. Wiltrud

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