Von der Krankheit zur Gesundung     Mein Weg 27

Weniger ist mehr

Seitdem ich erfahren habe, dass ich an Krebs erkrankt bin, war mir klar, dass ich an zu meiner Genesung beitragen möchte und wohl auch kann. Die Überzeugung, auf meine ureigenste Weise einen wesentlichen, ja entscheidenden Einfluss auf den vor mir liegenden Weg ausüben zu können erfüllte mich in jeder Faser. Körper, Geist und Seele gehören für mich zusammen. Auf allen drei Ebenen konnte ich unterstützend tätig sein. Auf der körperlichen Ebene kümmerte ich mich um  Ernährung und Fitness. Auf der geistigen Ebene konnte ich Ursachenforschung betreiben und mir Gedanken machen, auf welche Art ich zukünftig am besten leben würde. Auf der seelischen Ebene konnte ich mit Entspannungsübungen, Visualisierungen und vielem mehr dafür sorgen, dass ich zuversichtlich, gelassen und innerlich stark wurde und blieb.   Also legte ich los. Alles, was mir auf dieser spirituellen Reise in irgendeiner Form helfen könnte, war für mich interessant. Ich agierte nach dem Prinzip lieber mehr als zu wenig. Auf diese Weise hoffte ich, neben der rein medizinischen Seite, für die die Ärzte zuständig sind, schnell eine Verbesserung herbeizuführen. Ich hatte ein  Gefühl die Kontrolle über meine Genesung zu haben. Doch dem war nicht so. Im Gegenteil, es lief gesundheitlich, trotz meiner Anstrengungen, in die falsche Richtung. Also strengte ich mich mehr an. Insbesondere war mir daran gelegen, meine Stimmung und Einstellung weiterhin im positiven Bereich zu halten. Das gelang mir auch. Doch gleichzeitig verspürte ich einen wachsenden Druck und meine Lockerheit reduzierte sich. Ein zunächst nahezu unmerklicher Prozess, der sich verstärkte, je mehr ich die Kontrolle verlor. Alles, was ich unternahm, half nicht wirklich. Ob es ohne diese Arbeit von mir vielleicht noch schlimmer geworden wäre vermag ich nicht zu beurteilen. 

Eine erste Erkenntnis bemerkte ich, als ich mich entschloss die bisherigen Eintragungen meines Tagebuches in meinem Blog zu veröffentlichen. Während des Schreibens wurde mir klar, dass ich mich schon mit so vielen unterschiedlichen Themen beschäftigt hatte. Manche dieser Themen hatte ich wieder aus den Augen verloren. Vor allem aber war meine ursprüngliche Ruhe dahin. Ich bewegte mich auf der falschen Spur! Veränderung musste her. Aber was ?? 

Und genau zu diesem Zeitpunkt erreichte mich eine Mail meiner Frankfurter Freundin. Sie schrieb:„Lieber Peter. nun bin ich soweit, dass ich Dir mehr schreiben kann. Ich brauche immer eine gewisse Zeit, um auch meine eigenen Empfindungen und Gefühle in Bezug auf Deinen Krebs zu erspüren und zu „erspüren“. Ich kann auch Deine Blogs nicht immer komplett lesen, da sie mich in die zeit meiner eigenen Krebserkrankung zurück katapultieren.                      Wenn ich die letzten beiden Blogs lese, empfinde Schein deutliches Unwohlsein über den Umfang Deines Mentaltrainings und der Beschäftigung mit Deinem früheren und dem jetzigen Leben. Selbst ohne Krebs zu haben, erscheint mir das Paket, das Du Dir auferlegt hast als riesengroß, kaum zu bewältigen. Ich verspüre einen großen Druck, der meines Empfinden nach eher ungesund ist. Wenn ich an meine Zeit der Sprachlosigkeit, des Entsetzens, des Kontrollverlustes denke. kommt mir immer meine Onkopsychologin in den Sinn, die mich geleitet hat, mir Wege aufgezeigt hat. Sie war emotional nicht gebunden und hat mir mit ihrer Klarheit Kraft gegeben. Etwas, was mir zu Hause aufgrund der innigen Verbundenheit nicht so gegeben werden konnte.                                    Natürlich möchte man mit aller Kraft und z.T. auch mit aller Gewalt wieder gesund werden. Diese mentale Verausgabung ( so empfinde ich das ) könnte aber auch zur Schwächung führen.                                    Lieber Peter, atme tief durch, fühl in Dich rein und schau Dir den Berg an, den Du beackern willst. Sei ehr ich zu Dir.  Mach nur das, bei dem Du Dich wohl fühlst. Schau Dir die Vielfalt und Menge deiner Themen an und fühle in Dich rein. Ist es die richtige zeit, sich jetzt mit diesem oder jenem zu beschäftigen? Was sagt Dir Dein innerer Ratgeber? Reagiert Dein Körper bei bestimmten Themen, wie reagiert er auf den Umfang? Man kann sich nicht selbst coachen, schon gar nicht in Deiner Situation. Lass den Bauch sprechen und nicht nur den Kopf.                                                                                                            Ich hoffe, dass Du noch bei dem Onkopsychologen bist. Wenn nicht, fühle auch diesbezüglich in Dich rein und erspüre, was für Dich gut ist.  Ich bin immer bei Dir, wann immer Du mich brauchst.                     Alles Liebe                             xxxxxxxxxx“

Diese Worte waren für mich wie wärmende Sonnenstrahlen. Auch Susanne hatte schon seit einiger Zeit, den Eindruck, dass ich trotz aller Bewegung festsitzen würde.  In dieser Zeit des immer mehr und mehr und des gleichzeitigen Kontrollverlustes konnte ich zurückkehren zum „mich wohlfühlen“ und der innigen Verbundenheit mit mir selbst. 

Ja, weniger ist in jeder Hinsicht viel mehr. Ich mache das, worauf ich Lust habe! Davon allerdings viel!! Und Susanne ist ganz viel dabei!!

 

Alles Liebe für Euch!

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