Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 37

Energie….

Letzte Woche war ich Ski fahren. Im Vorwege hatte ich keine Ahnung, wie das laufen würde. Würde, nach so langer Zeit mit nur wenig Sport, meine Kraft reichen, ? Wäre nicht sogar die Verletzungsgefahr groß? Da mein rechtes Bein ständig anschwillt, sowie ich morgens mein Bett verlasse, würde ich wohlmöglich nicht in meinen Skischuh hineinkommen? Dann würde ich mir Skistiefel leihen müssen, die nicht richtig passen.  All diese Gedanken und einige andere ähnlicher Art hatte ich.  Aber es waren nur Gedanken! Viel stärker waren meine Vorstellungen, dass es einfach richtig gut werden würde. Wirklich keinerlei Zweifel! Meine Aufgabe bestand lediglich darin , alles gut vorzubereiten. Also telefonierte ich mit meinem Freund  XXXX, der die Reise veranstaltete und fragte ihn, ob  er im Skiort eine tägliche Lympfdrainage organisieren könne. Er konnte!  (Wie gut solche Freund zu haben!! Bestimmt hatte er in den Tagen vor der Testski-Reise viel zu tun.) Ich danke Dir, mein Freund.

In meinen rechten Skistiefel passte ich nicht rein. Also ab in den nächsten Ski-Shop. Nachdem ich ihnen mein Anliegen erläutert hatte, wurde mir dort in unglaublicher Weise geholfen. Sie veränderten den Innenschuh, weiteten die Schale. Und immer, wenn es am Nachmittag dann doch drückte, legten sie los und veränderten den Schuh bis zum nächsten Morgen.  So konnte ich, mit abendlicher Behandlung und gutem Schuhwerk mit Freude und Begeisterung, umgeben von Freunden, Ski fahren.

Es ist eine Tatsache, dass ich mir keine Sorgen mache.  Damit meine ich nicht das Wegdrücken von Sorgen und das Aufwenden von Kraft, um mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Nein, ich mache mir keine Sorgen. Mein Leben ist von echter, guter Laune und Frohsinn durchdrungen.           Wie kommt das?

In meinem Tagebuch, in dem ich auch immer wieder lese, habe ich darüber nachgedacht, wie ich mir Frohsinn gestalte. Ich zitiere:

Frohsinn gestalten           Wenn ich in die Stille gehe, leise und langsam werde, meditiere, dann  lese und schreibe. Dann komme ich in Kontakt mit mir. In meinen Frohsinn hinein. Wenn ich in Kontakt mit mir selbst komme, nehme ich meine Sehnsüchte und mein Potential wahr.

Unsere Fähigkeit zu denken sei unbegrenzt, las ich in „The Secret“ . Ein Satz, der mich innehalten lässt. Ein Satz, der mich im Innersten berührt. Dabei kenne ich diese Aussage aus meinen Coachings und Seminaren. Wie oft habe ich diesen Satz schon in der Arbeit mit Anderen verwandt, um mit ihnen gemeinsam zu überlegen, wohin ihr Weg denn idealerweise gehen soll. Auch für mich selbst nutze ich diese Fähigkeit, bedingt durch meine Krankheit jedoch im noch weiteren Maße. Ich kann alles denken und mir alles vorstellen. So kann ich mir vorstellen, dass der Rasen rot ist oder der Himmel grün. Das führt jedoch zu nichts.  Falls ich jedoch still werde, geradezu in den Langsam-Modus schalte, kommen gute Gedanken, Ideen und Einfälle. Manchmal ganz plötzlich, ab und zu auch nur wie kleine Impulse, wie leichte Federn im Wind. In solchen , ja eigentlich ganz ruhigen Momenten, bin ich gleichzeitig extrem aufmerksam, horche in mich hinein, warte ab und dann ist auf einmal etwas da, das vorher nicht da war.  Schwer zu beschreiben und doch ganz real.

Lange habe ich mich in diesem Zustand  mit dem Thema „Mitgefühl“ und meinem großen Bedürfnis nach Mitgefühl von anderen Menschen beschäftigt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, hier einen der Schlüssel für das Entstehen meiner Krankheit und genauso auch für die nachfolgende Gesundung zu finden.  In meinem Kreislauf von Schreiben, aus dem Fenster in den Wald schauen, Lesen, Musik, nachdenken, entwickelt sich in mir dann langsam eine neue Erkenntnis, eine Klarheit und ganz allmählich eine andere, neue Erkenntnis,ein neues Bild und schlussendlich ein neues Handeln.                             Die Intensität dieser Zeiten ist unbeschreiblich. Auch wenn es ziemlich albern klingt, so nehme ich mehr und mehr meine eigene Kraft und Präsenz war. Eine Präsenz, die jeder von uns  hat und die doch im täglichen Einerlei so oft untergeht und kaum noch Beachtung findet. 

Ich habe es zugelassen, dass sich mein Denken und damit auch mein Fühlen verselbständigt. Es hat mich oft fortgetragen zu Gedanken in die Vergangenheit und dann mitgenommen zu Gedanken in die Zukunft , indem es, mein Denken, aus der Vergangenheit nimmt und in meine  Zukunft projiziert. Auch solche unkontrollierten Gedanken erschaffen Wirklichkeiten. Häufig negative Wirklichkeiten. Wir alle kennen das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung.  Falls ich bewusst lebe, bin ich in der Gegenwart und weiß, was ich gerade denke. Nicht meine unwillkürlichen Gedanken lenken mein leben, sondern ich lenke meine Gedanken. Das ist ein in mir vorgehendes machtvolles Spiel meines Lebens. Und macht enorm Spass. 

Es gilt für mich immer wieder innezuhalten und mich zu fragen: Was denke ich gerade? Was fühle ich momentan?  Bereits im Augenblick meines Fragens bin ich mir meiner selbst  bewusst, denn ich hole dadurch mein Denken in die Gegenwart zurück, wenn ich abrutsche.  Im Grunde wusste ich um  all diese Aspekte des Denkens und meines Denkens schon lange und habe sie auch immer wieder angewandt. Nur ist die Intensität mittlerweile wesentlich höher und umfasst Bereiche meines Daseins, um die ich mich bisher nur wenig gekümmert habe. Das Ergebnis dieser Veränderung ist, dass ich sagen: Mein Leben ist von echter, guter Laune und Frohsinn durchdrungen. 

Der Zuwachs von Klarheit und Präsenz führt auch zu anderen, besseren Entscheidungen. Ich lerne im Hier und Jetzt zu entscheiden, fühle manchmal meine Ängste und Unsicherheit und weiß, dass diese Ängste in der Zukunft liegen und nicht zwangsläufig begründet sein müssen!! So oft kommt es doch anders, als ich denke. Also konzentriere ich mich auf das, was mir in diesem Augenblick als richtig und wichtig erscheint und treffe meine Entscheidungen. 

Ein Lernprozess, der wohl nie ganz abgeschlossen sein wir und mich bis zum Ende meiner Tage begleiten wird. Gut so. 

Nun noch einige Worte zu meinem Krankheitsverlauf.                            Mein PSA-Wert ist ja dramatisch gefallen, nachdem er sich zunächst während der Bestrahlungen nahezu verdreifacht hatte. Weshalb ist er nun so gefallen? Weshalb ist er gestiegen? Wer weiss?! Auf die Erklärungen der Ärzte gebe ich nicht mehr so viel wie anfänglich. Zu gegebener Zeit, wenn ich wieder ganz in Ordnung bin, werde ich mich mit den mir wahrscheinlich erscheinenden Gründen für meine Gesundung auseinandersetzen. Jetzt ist es so, dass ich erst einmal etwas Ruhe habe. Mehr als angenehm!!! Die nächste Kontrolluntersuchung erfolgt im März. Gleichzeitig bin ich jetzt noch innerhalb dieser Anti-Hormontherapie, die auch noch einige Zeit fortgeführt wir. Durch die Zerstörung der Lympfdrüsen in meiner Leiste, als Folgeerscheinung der Bestrahlung, schwillt mein Bein tagsüber an. Um dem entgegenzuwirken, erhalte ich Lympfdrainagen und trage einen Kompressionsstrumpf. Beides tut gut und unterstützt den Heilungsprozess. Das Ziel besteht darin, sogenannte Kollateralverbindungen herzustellen, d.h. den Abfluss aus dem Bein ersatzweise über andere Lympfbahnen an der rechten Seite meines Körpers zu aktivieren. Das funktioniert besser und besser.  Glücklicherweise behindert mich das Ganze wenig. Es kostet etwas Zeit, mich darum zu kümmern. Jedoch kann ich normal Sport machen, sei es laufen, schwimmen, Radfahren oder eben auch Skifahren. 

Nun ist bald Weihnachten. Darauf freue ich mich sehr. Zusammen mit Susanne, ihrer Familie, meiner Familie. Eine schöne Zeit.

Rückblickend bin ich sehr dankbar für dieses Jahr. Bei all den schwierigen Momenten, war es doch wunderbar und beglückend. Insbesondere Susanne, die mich unermüdlich und voller Liebe begleitet hat, bin ich, von  Liebe erfüllt,  dankbar. Ein geradezu unglaublich beglückendes Ereignis, dass sie in diesem Jahr in mein Leben getreten ist.   Eins meiner besten Jahre überhaupt!!

Euch allen, die Ihr das alles immer gelesen habt, bin ich dankbar. Die vielen liebevollen Kommentare und Worte haben mir wirklich geholfen und mein Herz erwärmt.  Jeden Einzelnen habe ich aufmerksam und voller innerer Freude gelesen. In meinen dunklen Stunden waren sie mir ein echter Trost. Mehr als ich jemals ausdrücken kann!

Nun auch Euch ein schönes . besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und Glück, Gesundheit und Zufriedenheit im neuen Jahr. 

Licht in Eure Gedanken und Freude im Herzen.

 

Alles Liebe für Euch!