Von der Krankheit zur Gesundung Mein Weg 38

Henne oder Ei

Eine eher philosophische Frage nach dem Ursprung der Hühner. Die Henne schlüpft aus einem Ei. Dies Ei ist also quasi die Basis ihrer Existenz. Jedoch woher stammt das Ei? Gab es schon davor eine, sozusagen, erste Henne. Doch sie brauchte für die Befruchtung des Eies einen Hahn. Und der? Aus welchem Ei ist der geschlüpft? Oder gab es ein Ur-Ei? Ich zumindest bin mit der Beantwortung dieser Frage überfordert. Zugleich lässt mich das Nachdenken schmunzeln…….

Ich bin an Krebs erkrankt. Der ursprüngliche Befund hat sich im Laufe der Monate wesentlich verschlechtert.
Gleichzeitig geht es mir so gut wie nur zu wenigen Zeiten meines Lebens. Nach den üblichen Kriterien müsste es mir doch auch psychisch ziemlich schlecht gehen.  Tut es aber nicht.
Wie passt das zusammen?
Eine Frage, die mich in den letzten Wochen intensiv beschäftigt. Ohne Frage hat meine Auseinandersetzung mit den Ursachen meiner Krankheit zu neuen und für mich bedeutsamen Erkenntnissen geführt. Eine Beschäftigung, die phasenweise enorm schmerzhaft war, bedeutete es doch, mir offen anzuschauen, aus welchen Gründen meine Leben immer wieder in Abgründe von Dunkelheit versank und weshalb das mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit passierte. Stück für Stück verstand ich diese Mechanismen und vor allem verstand ich die Auswirkungen der aus meiner Kindheit stammmenden Unfähigkeit, mit mir selbst Mitgefühl zu empfinden. Ein anderer Aspekt, eine massive Angst, war mir lange Zeit gar nicht bewusst. Jedoch prägte sie einen Teil meines Lebens. Wie ich nunmehr erkannte, hatte ich Angst vor dieser Angst, die mich  von Kindesbeinen begleitete. Seit dem ich denken kann also sozusagen eine zweifache Angst. Das ist schon crazy. Dem Zusammenspiel dieser Kräfte in mir war ich, da sie mir nicht bewusst waren, relativ hilflos ausgesetzt. Trotzdem gelang es mir, viele schöne und selbstbestimmte Situationen zu gestalten, sowohl im privaten, aber mehr noch im beruflichen Bereich. Die Fähigkeit, wirkliches Glück zu empfinden und auch herbeizuführen, war ganz offensichtlich in mir angelegt. Doch solche Zeiten wurden weniger. Es gelang mir immer seltener, sie zu leben.  Sie verschwanden wie hinter einer Wand.
Schon früher hatte ich mich mit dieser Angst beschäftigt, war aber nie in die jetzigen Tiefen vorgedrungen. Erst jetzt, initiiert durch meine Erkrankung, war und bin ich bereit, jede Tür, die mir zu einem glücklichen Leben verhilft, zu öffnen. Eine unendlich gute Entscheidung und ein gutes Tun. Viele Stunden des Nachdenkens, des in mich Hineinfühlen, der Gespräche mit Psychoonkologen, lieben Freunden und nicht zuletzt mit Susanne, haben mir ermöglicht, an den Kern heranzukommen und zu verändern. Als Ergebnis weiß ich nun genau um den verhängnisvollen Einfluss, dem ich ausgesetzt war und so ganz wird er mich auch nicht verlassen. Durchbrochen habe ich dabei den folgenden Mechanismus, der in einem Buch sehr anschaulich beschrieben wird:
Wenn Sie es zulassen, kann sich Ihr Denken aufführen wie eine wild gewordene Dampflok, die sich verselbständigt hat. Es kann Sie forttragen zu Gedanken an die Vergangenheit und Sie dann mitnehmen zu Gedanken an die Zukunft, indem es Schlechtes aus der Vergangenheit nimmt und es in Ihre Zukunft projiziert. Auch solche unkontrollierten Gedanken schaffen Wirklichkeit. Wenn Sie bewusst leben, sind Sie in der Gegenwart und wissen, was Sie gerade denken. Sie haben de Kontrolle über Ihre Gedanken erlangt und darin liegt all Ihre Macht.
Doch wie werden Sie sich jetzt bewusster? Ein Weg dahin ist, innezuhalten und sich zu fragen:“Was denke ich gerade? Was fühle ich gerade? Bin ich bewusst?“ Bereits in dem Augenblick Ihres Fragens werden Sie bewusst, weil Sie Ihr Denken in die Gegenwart zurückgeholt haben.     The Secret

Im Grunde nichts Neues, doch in seiner Deutlichkeit, verbunden mit den Fragen im vorherigen Absatz, für mich eine wirkliche  Hilfe. Innezuhalten ist mittlerweile für mich zu einer liebgewordenen Gewohnheit geworden. Und in diesen Momenten stelle ich mir dann immer wieder diese Fragen. „Was denke ich gerade in diesem Augenblick? Was fühle ich jetzt gerade? Bin  ich bewusst?“ Dutzendfach pro Tag. Ich empfinde es wie ein Erwachen aus einem tiefen inneren Nebel. Die Vergangenheit verliert rapide ihren Einfluss auf meine Gegenwart und meine Zukunft. Die dadurch gewonnene Klarheit führt zu einer Veränderung mener Gedanken und Gefühle und somit direkt  zu anderen Handlungen. Viele Themen, die ich sonst vor mir hergeschoben habe, beginne ich anzugehen. Damit geht es mir ausgesprochen gut. Zuversicht, Orientierung, Klarheit und auch Kraft haben mehr als je zuvor Einzug in mein Leben gehalten. Entscheidungen, auch bei wirklichen Problemen, zu treffen gibt mir immer mehr Befriedigung. Natürlich gibt es auch weiterhin Schwierigkeiten und manche Dinge klappen in keinster Weise, so wie ich es mir vorstelle. Doch ich beginne zu lernen. Ich lerne aus Fehlschlägen, verstehe, dass nicht alles nach meiner Nase läuft, kann aus all dem wiederum  lernen und neue Entscheidungen treffen. Auf einmal fällt mir Geduld weniger schwer!
Schwer fällt mir allerdings, all die anderen positiven Entwicklungen der letzten Monate aufzuzählen. Doch zusammenfassend kann ich uneingeschränkt feststellen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.. Ohne meine Krebserkrankung hätte ich diese Entwicklung mit Sicherheit gemacht. Wie sich dann mein Leben entwickelt hätte, darüber denke ich lieber nicht weiter nach! Wozu auch?
Diese Überlegungen konsequent zu Ende gedacht, steht dann also die Aussage, dass mein Krebs der Ausgangspunkt zu einem für mich glücklichlicheren Leben war. Ich dem Krebs also dankbar für sein Erscheinen sein kann!? Wie klingt das denn?
Hätte mir das jemand am Anfang gesagt, …………

Doch so ganz stimmt das  nicht.

Realität ist auch, dass ich eine absolut lebensbedrohliche Krankheit in mir trage. Mich mit ihr zu beschäftigen, hat für mich allererste  Priorität. Tue ich das nicht, sterbe ich. Also tue ich das. Mit Respekt und mit großer Intensität. Neuerdings jedoch auch mit Wertschätzung, denn aus dieser Krankheit sind eben auch gute Dinge entstanden.  Ein neuer Gedanke, an den ich mich gern gewöhnen möchte, denn er gefällt mir.
Wie das Ergebnis sein wird ist offen. Mein Gefühl ist gut. Phasen der Angst gehören dazu, sind jedoch sehr selten. Dass Susanne mich in diesen Phasen  hält ist eine wundersame Erfahrung.

 Selbst jetzt, während ich diese Sätze, dass meine Krebserkrankung etwas Gutes hat, schreibe, habe ich das Gefühl, dass sich die Feder geradezu sträubt. Gedanken, die so jenseits all dessem sind, was ich jemals gedacht habe. ( Wie wird es wohl für Euch sein das zu lesen? Na ja, das ist nicht mein Problem!)
Auf jeden fall  haben meine alten Gedanken, Gefühle und Taten ihren Anteil an meinem jetzigen gesundheitlichen Zustand. Also weg damit. Nicht neue Leute bracht das Land, sondern neues Denken brauchen die Menschen. Ich allemal!

Dazu habe ich verschiedene Entscheidungen getroffen. Die bedeutenste ist, dass ich alle Entscheidungen treffe. Die Weisheit der Götter in Weiß ist begrenzt und ihre  erlebte Gedankenlosigkeit gross. Lieber ist es mir und viel besser, alles mit Susanne zu besprechen, zu diskutieren. Sie hat so eine innere Weisheit und Klarheit, mit der sie es mir leicht macht, sie immer wieder zu befragen.                                                                                                                               Gemeinsam haben gelernt, dass es noch viele andere, zusätzliche Wege und Mittel gibt, um wieder ganz gesund zu werden . Diese Wege werde ich kennenlernen und meine Intuition unterstützt mich, das für mich Richtige zu finden.
Die Balance zwischen Arbeit und der Zeit für meine Genesung stelle ich neu ein.  Augenblicklich ist ein Überhang bei meiner Arbeit.
Ich bin bewusst und klar in dem, was mir gut tut und was nicht. Ich richte mein Leben nach der Freude aus. Es wird Zeit, mich mehr und mehr wohlzufühlen.                                                                                                             Für jetzt und alle Zeit, die da noch vor mir liegt.

Susanne und ich heiraten im Frühjahr!!!                                                          Sie vor einem Jahr getroffen und kennengelernt zu habe ist eine wahres Glück. Mit dieser Intensität hatte ich nicht mehr so wirklich gerechnet.  Eine solche Tiefe und ein solches Vertrauen zu finden und zu erleben!  Von Liebe getragene Innigkeit und Nähe, wie ich es mir schöner nicht vorstellen vermag.  Mit ihr verbunden zu sein ist unbeschreiblich schön!!  Ihre Fürsorglichkeit, ihren unermüdliche  Energie in der Unterstützung meines Genesungsprozesses, dazu ihr Lachen, ihre wunderbaren Ideen, unsere vielen, vielen intensiven Gespräche .  Wunderbare Zeiten.

Es gibt keine Trennung zwischen Krankheit und dem anderen Leben. Ist nun meine Krankheit  unter anderem der Auslöser für all die guten  Gedanken und Gefühle in mir, oder sind diese Gedanken und Gefühle  die unbedingt notwendige Voraussetzung für meine Gesundung.?                                                                                                                    Alles ist ein Ganzes, in dem eins ins andere greift, sich also bedingt und insgesamt ein gutes Leben ausmacht.
Henne und Ei sind ein und dasselbe.

 

Alles Liebe für Euch!