Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 53

Eine Frage der Perspektive 

Nun habe ich seit einem ganzen Jahr dies Lympfödem, und im Laufe der Zeit wurde es nicht besser, sondern es verfestigte sich immer mehr. Mittlerweile kann ich die meisten meiner Hosen nicht mehr tragen. Die Mehrzahl meiner Anzüge kann ich wohl, unabhängig wie gut sie sind,  auf den Müll schmeißen.  Alle Jeans, meine vielen schönen Freizeithosen, alles kann weg. Damals im November letzten Jahres hieß es: „Einige Monate wird es schon dauernd, bis Dein Bein wieder in Ordnung kommt. Immer schön Lympfdrainage, auf die richtige Art und Weise atmen, nachts hochlegen, direkt nach dem morgendlichen Aufstehen, den Kompressionsstrumpf anziehen und bis abends anbehalten. Egal wie warm es ist. Auch im Urlaub.Dann wird’s schon wieder.  Streit mit meiner Versicherung, die die Behandlung nicht mehr zahlen wollte. Dann Streit, weil sie nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten übernehmen will. Dann Ablehnung weiterer, anderer Behandlungen………..usw.“ Dennoch habe ich  losgelegt. In der scheinbaren Gewissheit: Das wird schon wieder!  Und das Ergebnis der vielen Behandlungen, meiner Aktivitäten ist die Erkenntnis, dass es chronisch ist. Egal, was ich tue, es wird nicht einmal ansatzweise so wie vorher. Verdammt!  Was habe auf diese Aussage der Fachleute geflucht, dass es nur ein zeitweises Problem sein wird. Diese mir Hoffnung machende Feigheit oder Inkompetenz. Ich fühlte mich als Opfer und haderte. Kein Laufen wie früher, keine kurzen Hosen im Sommer, auch während des Schlafes das Bein hochlegen, kein Windsurfen in Shorts und,und, und. 

Trotzdem gelang es mir, meinem Leben viele schöne und positive Seiten abzugewinnen. Ich hebe eine wunderschöne Frau, die ich liebe und sie unterstützt mich sehr aktiv und unglaublich liebevoll. Wir wohnen in einem schönen Haus, meine Arbeit macht mir Freude und erfüllt mich. Mein Bruder und ich haben uns ein Segelboot gekauft, auf dem wir diesen Sommer viele schöne Stunden verbracht haben. Auch medizinisch bin ich nunmehr in den allerbesten Händen und es gibt, auch aus ärztlicher Hinsicht, eine kleine Heilungschance.  ( Das sah vor einem Jahr noch ganz anders aus).  Morgens beginne ich mit meinen mentalen Übungen, um dazu beizutragen wieder gesund zu werden. Meine Ernährung habe ich in großem Maße umgestellt und es schmeckt mit im Grunde besser als zuvor.  All das erfüllt mich und trägt dazu bei, ein glückliches Leben zu führen.

Wenn da bloß mein Bein nicht wäre!

Doch vor einiger Zeit änderte sich diese Betrachtung radikal. ich bekam eine gänzlich andere Ansicht meine rechten Beines, zusammen mit dem Lympfödem.

Mir kam auf dem Fußweg ein Mann im Rollstuhl entgegen.  Und dieser Mann hatte nur noch ein Bein! Schlagartig wurde mir klar, wie gern dieser Mann mit mir tauschen würde! Welches Glück es wohl für ihn bedeuten würde, ein zusätzliches Bein wie das Meine zu haben. Und genauso abrupt  wurde mir klar, welches Glück es für mich bedeutet, beide Beine zu haben. Mit oder ohne Lympödem. 

Ich kann Ski fahren, zum Schwimmen gehen, windsurfen und tausend andere Dinge, die für diesen Mann im besten Fall sehr aufwendig sind. 

Es ist ganz egal, wie beschwerlich das Leben zuweilen ist. Wenn wir die Perspektive wechseln, sieht alles gleich ganz anders aus!!

Betrachte ich mein Leben mit den Augen eines anderen Menschen, hilft mir das, auch mein eigenes Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dadurch öffnet sich, geradezu wundersam, ein Weg zu anderen Gedanken und Gefühlen.  Es eröffnet sich  ein neuer Weg. Neue Antworten entstehen in mir.   Das Leben  als Wundertüte. Zu schön!!

Alles eine Frage der Perspektive. 

 

Alles Liebe für Euch!

 

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