Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 57

Durchschnitt oder Exzellenz

Der Befund aus dem Pet-Scan war, wider Erwarten nicht das, was ich mir so sehr gewünscht, was ich mir so sehr visualisiert und worauf ich so sehr hingearbeitet hatte. Susanne hatte mich erneut begleitet und war die ganze Zeit, so ein Pet-Scan dauert ungefähr 3 Stunden, an meiner Seite. Als wir dann zum Gespräch gebeten wurden, sah ich schon beim Eintreten auf dem großen Monitor an der Wand das Leuchten der Metastase an der gleichen Stelle wie vorher. Das dabei in mir abrupt entstehende Gefühl ist nur schwer zu beschreiben. Ungläubigkeit, Entsetzen, verbunden mit dem innerlich gesprochenen Wort „SCHEISSE“ in einer alles andere ausschließenden Intensität. Nichts existiert außer diesem Gefühl. Den Erklärungen des Radiologen, der wie ein Wasserfall redet,  vermag ich nicht zu folgen. Merke nur, dass ich zusätzlich ärgerlich werde, da er, wie so viele Ärzte, so unempathisch ist.                                                                                               Nun zu den Fakten: Die Krebszellen in der Metastase leuchten in gleicher Helligkeit und Größe wie vor der Bestrahlung! Die Bestrahlung brachte  also nicht die erhoffte Besserung oder gar Heilung! Auf dem Weg nach draußen flossen dann doch einige Tränen der Enttäuschung und Fassungslosigkeit.  Susanne erläuterte  mir dann nochmals die Erklärungen des Radiologen. Unter Umständen, hatte dieser gesagt, ist das leuchtende Bild auch etwas anderes, nämlich lediglich die Anzeige der Energie, die durch die Bestrahlung an dieser Stelle entstanden ist. Na ja, mit solchen Aussagen kann ich wenig anfangen, zumal wenn der Arzt, wie in diesem Fall, noch jung und unerfahren ist. Doch auch bei dem ausführlicherem Gespräch mit dem Radiologie-Professor  einige Tage später gab es keine neuen und klareren Auskünfte. Er konnte das Bild nicht deuten.  Auf meine Frage, was er tun würde, hätte er meine Erkrankung und diesen Befund, meinte er nur, abwarten!! Eine völlig unbefriedigende Antwort!! Ich war nunmehr erfüllt von dem Gedanken, in mir ist eine tickende Zeitbombe und könne nun abwarten, bis sie sich melden würde. Sich melden, hieße, es würde irgendwo eine weiter Metastase entstehen. Im Kopf, in der Leber oder wer weiß, wo…..  Es hieß also wieder mal dranbleiben. Die ganzen Möglichkeiten abklopfen, von NY, über Möglichkeiten der operativen Entfernung bis hin zu weiteren Informationen über das, was da in mir ist. Von einer erneuten Biopsie rieten mir alle ab. Die Gefahr einer Verteilung von Krebszellen, wenn es den solche sind, wäre zu groß.  Nach diversen Gesprächen mit Freunden und anderen Ärzten entwickelte sich  langsam ein Plan. Zunächst würde ich nach Heidelberg ins Deutsche Krebsforschungszentrum fahren, um mir dort ein Zweitmeinung der wohl kompetentesten Fachleute in Deutschland holen. Zeitgleich würde der Freund und Arzt, der schon den Besuch im Memorial Sloan and Kettering Cancer Center in NY ermöglicht hatte, die Möglichkeiten einer chirurgischen Entfernung der Knochenmetastase erkunden.

Doch zunächst ging es um eine Zweitmeinung . Wie immer in Begleitung, diesmal durch meinen Zwillingsbruder, fuhr ich also nach Heidelberg. Der dortige Direktor der onkologischen Radiologie hatte im Vorwege alle notwendigen Unterlagen erhalten. Zu meiner großen Erleichterung hatte dieser Professor sich sehr gut vorbereitet und nahm sich wirklich Zeit, alle relevanten Details in Ruhe mit uns zu besprechen. Wie angespannt ich war , ließ sich an einer kleinen Störung erkennen, die uns bei der Ankunft am Heidelberger Klinikum  bei der Suche nach dem genauen Gebäude widerfuhr. Das Navi war nicht in der Lage uns auf dem großen Campus genau zu leiten. Als wir dann geparkt hatten, bemerkten wir, dass wir noch fast einen Kilometer zu Fuß zu gehen hatte, Da mein Bruder, aufgrund eine Fußbruches, an Krücken ging, war das nicht möglich. Obwohl wir immer noch sehr gut in der Zeit waren, wurde ich sofort hektisch und verlor die Übersicht.  Mein Bruder  meinte später lapidar: „Peter war da komplett neben der Spur!“

Nun gut, pünktlich zur verabredeten Zeit, waren wir im Gespräch. Mein Bruder redete, während ich mich zunächst zurückhielt. So hatten wir es auch besprochen. Einige Tage vorher hatte ich den Professor gegoogelt, um mich besser auf ihn einstellen zu können. Ein netter Kerl, der offensichtlich kompetent war. Schnell entwickelte sich ein Gespräch zwischen ihm und meinem Bruder, also zwei Chefärzten, deren Fachchinesisch ich nur schwer folgen konnte. Als der Heidelberger telefonisch noch eine anderen Arzt befragte, meinte mein Bruder nur zu mir: „Das Gespräch ist positiv. Ich erkläre es Dir später genau.“ Folgende Botschaft kristalisierte sich heraus: Der Teil des Pet-CT vom April, der die möglichen Krebszellen und deren Stoffwechsel-Aktivität darstellt, ist in der Tat mit dem Pet-CT vom Juni 2016 identisch. Ob dies jedoch dasselbe aussagt ist unklar. Es könnte eben auch, wie schon in Hamburg gesagt, eine energetische Reaktion auf die letzte hochfrequente Bestrahlung sein. In der Hinsicht war also weiterhin keine definitive Aussage möglich. Doch gibt es noch ein sogenanntes „natives CT“, das die Knochenstruktur darstellt, sich also nicht mit dem Krebs an sich beschäftigt.   Dieses „native CT“ hatten sich die Hamburger Radiologen nicht angesehen.  Und hier gibt  es einen gravierenden Unterschied. Während die Knochenstruktur im Bereich der Metastase  im Juni letzten Jahres weich und in Auflösung war, hatte sie sich nunmehr, selbst für mich sichtbar, deutlich verhärtet und normalisiert. Diese Veränderung ließe nur einen Schluss zu, so der Heidelberger Professor: Entweder ist da kein Krebs mehr oder die Krebszellen schlafen komplett!!. Auf meine gespannte Frage, welche Möglichkeit er denn wohl für wahrscheinlicher halten würde, meinte er, dass aus seiner Sicht mehr dafür sprechen würde, dass da kein Krebs mehr sein würde.       Selbst jetzt, während ich dies schreibe, bekomme ich noch Herzklopfen ob dieser Antwort. Eventuell hat die Bestrahlung und all das, was ich so getan habe, geholfen.  Mehr als zwei Jahre bin ich nun dabei und nun eine solche Einschätzung, die mir doch sehr viel Mut macht, auch wenn sie noch nicht endgültig ist. 

Augenblicklich läuft alles weiter, insbesondere die Anti-Hormon-Behandlung, auf deren Absetzung ich doch insgeheim gehofft hatte, wird fortgesetzt. Und im September wir ein erneutes PET-Ct durchgeführt um das Ganze zu verifizieren. Also zunächst alles wie immer, doch mit einer noch mehr verstärkten inneren Motivation. Soweit zunächst . Ich berichte weiter.

 

Alles Liebe für Euch !

 

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