Von der Krankheit zur Heilung Mein Weg 67

Das Leben mit allem — Voll und ganz

Gestern abend waren Susanne und ich im Kino. Seit langem mal wieder.  „Kindeswohl“ mit Emma Thomson. Ein Film mit vielen Themen, vielschichtig und facettenreich.  Echtes Schauspieler-Kino.

Im Kern geht es, zum einen, um eine Frau, erfolgreich und enorm beschäftigt. Mit  Kompetenz und Klarheit geht sie hochprofessionell und direkt die Fälle, die sie  als Familienrichterin zu entscheiden hat, an. Sie trifft Entscheidungen auf hohem Niveau. Ist in der Lage, sie exzellent zu begründen. Nur wenn es um sie selbst geht, ist sie zu dazu außerstande. Gravierende Eheprobleme mit ihrem Mann führen bei ihr zu kompletter Gesprächsverweigerung , Wut und Rückzug. Gleichzeitig ist in vielen Situationen wahrzunehmen, wie  wie  betroffenste sie ist. Sie versucht, mit ihrem scharfen Verstand die Kontrolle über alles zu behalten. Wie sich zeigt, mißlingt ihr das im Laufe des Films, trotz aller Bemühungen,  mehr und mehr.

Zum anderen geht es um einen Jugendlichen, der an Krebs erkrankt ist und  dessen  möglicherweise lebensrettende Behandlung von ihm und seien Eltern abgelehnt wird. Als Zeugen Jehovas gehen sie davon aus, dass Gott ihnen eine Bluttransfusion verbietet. Nun muss die Richterin entscheiden……….Mit aller Macht versucht sie die ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten und rein rational und vernünftig zu handeln.

Bis auf den Ehemann kann keiner der Protagonisten  aus seinem Innern, aus seinem Herzen, also aus sich selbst heraus, entscheiden!  Im Ergebnis münden Konventionen, Ängste, sowie fehlgeleiteter Glauben  in ein Kaleidoskop von Unglück.

Am Schluß stirbt der Junge und sie ist weiß, wie falsch sie, in der Unterdrückung ihrer Gefühle,  lag. Schieres Unglück.

Weshalb schreibe ich das?

Ganz plötzlich  gegen Ende des Films fühlte ich  Betroffenheit, wurde  traurig. Mir wurde deutlich, dass auch ich meine Gefühle unterdrücke!  Ich kontrolliere meine Gedanken und Handlungen.  Im Grunde ist mein Leben darauf ausgerichtet, wieder gesund zu werden. In wirklich sehr vielschichtiger Art und Weise bin ich das angegangen und tue es immer noch.  Einige Beispiele:

Ich mache täglich meine Visualisierungsübungen. Diejenigen, die meine Seminare besucht haben, wissen, was ich meine. Dabei habe ich den Grundsatz:  Diese Übung einmal pro Tag ist gut, zweimal  ist besser und dreimal ist ausgezeichnet. Also morgens, mittags und abends.

Ich habe einen Haufen Bücher, die sich mit dem Kampf gegen den Krebs beschäftigen, gelesen, immer auf der Suche nach neuen Wegen und Ideen.

Seit nunmehr 3Jahren gehe ich zur Lympfdrainage, trage tagsüber immer einen Kompressionsstrumpf. Meinem Bestreben, dass mein Bein wieder wirklich besser wird, widme ich jeden Tag viel Zeit und Mühe. Die Liste meiner Tätigkeiten liesse sich noch sehr lang fortführen……………….Meditationen, Healing-Code, Reiki, Tagebuch, Schwimmen, Radfahren, Umstellung Ernährung, Atemübungen, andere Krankenhäuser, monatliche Untersuchungen……

All dies mache ich gern. Nicht nur weil es mich in meinem Weg zur Heilung unterstützt, sondern weil es auch Freude macht und im Moment des Geschehens guttut. Dennoch gilt es oft auch, mich zu überwinden und Fünfe eben nicht gerade sein zu lassen.

Manchmal bin ich morgens, direkt nach dem Erwachen noch sehr müde, oder abends vorm schlafengehen . Habe dann keine Lust auf Disziplin.  Manchmal habe ich einen solchen Heißhunger auf Süsses.  Manchmal stehe ich bei der Physio-Therapie vor einem bodentiefen Spiegel und sehe mein dickes Bein. Bin dann betroffen von diesem  hässlichen Anblick. Manchmal denke ich an meine früheren Laufstrecken, die ich nicht mehr nutzen kann. Und manchmal………. Ach einfach vieles!

So vieles in meinem Leben geht nicht mehr. Diese Gedanken, wenn sie dann auftauchen, verdränge ich sofort, lasse sie nicht zu.  Bloß immer positiv sein. Jeder negative innere Impuls darf nicht sein. Schadet mir nur auf dem Weg zu Gesundung.  Weg damit!

Jedoch sind sie, auch wenn ich sie verdränge, weiter da. In mir. Und wirken, wie auch immer. Selbst an dieses Verdrängen wollte ich nicht denken.

Und am Ende dieses Filmes wurde mir das schmerzlich bewußt. Empfand meinen Verlust und meine schon so lang andauernden Anstrengungen. All das, was ich nicht zugelassen hatte. Diese andere Seite meines Lebens. Echtes Mitgefühl mit mir selbst erfüllte mich und trotz aller Traurigkeit begriff ich, wie wichtig es ist, dass auch dieser Aspekt meines Lebens nun seine angemessene Würdigung erhalten wird. Schluß mit dem so tun als ob.

Zunächst jedoch war ich erfüllt von dieser Betroffenheit und dem Wissen um den Verlust so vieler Dinge meines Lebens, die ich vielleicht niemals wieder zurück erlangen würde. Mit Susanne an meine Seite, intensive Gespräche und wieder mal absolutes Verständnis von ihr. Viele Tränen. Wie glücklich ich sein darf, sie an meiner Seite zu haben.   Selbst jetzt, wenn ich dies schreibe, berührt es mich ganz enorm. 

Mir wurde klar, wie bedeutsam es für mich ist, auch diese Seiten meines Lebens zu akzeptieren und dadurch zu integrieren. Nur in der Anerkennung und der damit verbundenen Trauer kann ich sie wohl hinter mir lassen. Auch wenn ich es so gern anders hätte. Tue ich dies nicht, leide ich auf einer sehr unbewußten Ebene. Mittlerweile ist ja bekannt, dass verdrängte negative Gedanken und Gefühle sich körperlich auswirken.                                                                                       Doch das ist nicht der alleinige Grund.    Gut erinnere ich mich noch an das Gespräch mit dem Psychoonkologen im Krankenhaus unmittelbar nach meiner Operation. Wie er mich fragte, ob ich denn Mitgefühl mit mir selbst hätte. Wie ich ihm nicht antworten konnte, die Frage in ihrem Sinn nicht verstand und gleichzeitig einen dicken Kloß im Hals hatte.  Mir wurde urplötzlich klar, dass ich da ein Thema habe. Seither habe ich intensiv das Thema Selbst-Mitgefühl erforscht, habe unter anderem ein einwöchiges Seminar, bei dem es um die Entwicklung von „Mindful-Self-Compassion“ ging, besucht. Völlig neu war mir, dass ich einen Umgang mit mir selbst in liebevoller Güte finden kann. Viele Übungen, um diesen Umgang geradezu kognitiv zu lernen und dann auch zu fühlen. Ein langsames Hineinwachsen. 

Und nun spürte ich es am Ende des beschriebenen Filmes unmittelbar und uneingeschränkt. Ja, es ist so schade, dass ich so viele nicht mehr kann. Ich bedauere es sehr. Doch ich akzeptiere es, und  fühle ich, wie diese Last von mir abfällt und ich leicht und frei mein weiteres Leben gestalten kann.  Diese Akzeptieren gibt mir eine Entlastung, die ich vorher nicht kannte. 

Besser kann ich es nicht beschreiben. Ich hoffe, Ihr versteht mich!

 

Alles Liebe für Euch!

 

 

 

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