Von Krankheit zur Heilung Mein Weg 70

Gewohnheit? Aufgepasst!

Gestern war mein PSA-Wert wieder bei 0. Der Ablauf war wie folgt: Am Freitag beim Urologen wurde mir wie üblich einmal im Monat Blut abgenommen und das Ergebnis für den darauffolgenden Dienstag per Telefon avisiert. Am Dienstag erfolgte jedoch kein Anruf. Ich merkte es nicht, vielmehr wurde es mir erst bewußt als Suse mich abends danach befragte. Kurze gemeinsame Überlegung, ob dieser Nichtanruf wohl ein schlechtes Zeichen sein könne. Suse beruhigte mich. Der erwartete Anruf kam dann am Mittwochvormittag. Schon Erleichterung bei mir, doch anders als bei früheren Malen. Kein Stein, der mir vom Herzen fiel, sondern eben nur eine gewisse Erleichterung. Diese Veränderung ist für mich sehr angenehm. Nicht mehr diese drohende pechschwarze Wolke, die mich geradezu verschlingen droht. Stattdessen das beruhigende Gefühl von „alles gut“. Doch wie die meisten Dinge hat auch dieses Thema zwei Seiten. Nämlich, dass ich in meiner Aufmerksamkeit nachlasse. Es ist nun fast 4 Jahre her, dass meine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Und ich lebe noch. Die Krise scheint vorbei, scheint überwunden zu sein. Möglicherweise !? Doch ich weiß es nicht wirklich. Eigentlich weiß ich nur sehr wenig. Meine letzte schulmedizinische Behandlung erhielt ich im Juni 2017. Schon davor und auch jetzt noch ist mein PSA-Wert bei 0. Das ist gut. Dieser Zustand führt bei mir zu einem gewissen Nachlassen im mich einsetzen für meine Heilung. Jedoch geht es bei dieser Heilung um eine ganzheitliche Genesung. Was meine ich damit?

Viele Aspekte meine früheren Lebens haben zu meiner Erkrankung geführt. Manche sind mir, glaube ich bekannt, andere bis heute nicht. So ist mir nicht klar, ob die Umwelt meine Erkrankung mit verursacht hat und wenn ja und in welchem Ausmaß. Andere Bereich wie beispielsweise meine Lebensführung, Ängste, die mich mein Leben begleitet habe, meine Ernährung, meine Einstellung zu mir und zu vielen Situationen meines Lebens und anderes mehr sind für mich zweifelsohne ursächlich mitverantwortlich. In welchem Ausmaße jeweils weiß ich jedoch nicht genau. Das ist auch nicht so entscheidend. Ich habe mich damals einfach entschlossen, alles in Frage zu stellen und mich all diesen Bereichen zu widmen. Mit voller Absicht und sehr viel Aufmerksamkeit. Das ist mir bis heute gelungen, und die Ergebnisse zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dazu kommt, dass diese neue so andere Form der Lebensführung und Bewusstheit mir Freude macht. Ursprünglich hatte sie ich sie lediglich als Mittel zum Zweck gesehen, nämlich dem Tod von der Schippe zu springen und zu genesen. Doch daraus, im jeweiligen Augenblick meiner anderen Lebensführung, Freude und eine wesentlich intensivere Zeit zu erfahren, ist ein Glück, mit dem ich nicht gerechnet habe. Aus meiner Erkrankung ist etwas Neues entstanden, nämlich ein gänzlich neues Leben, reicher und vielfältiger, als ich ich es vordem für möglich hielt.

Und dennoch…………

Ich ertappe mich dabei, dieses neue Leben als Normalität , als etwas Selbstverständliches anzusehen sehen. Und das ist auch gut so. Denn diese Normalität ist wahrlich selbst erfunden und entwickelt. Sie entspricht meinem Bedürfnis, wie ich leben möchte. so lange ich mir dessen bewußt bin und gleichzeitig wachsam bleibe ist alles gut. Doch ich falle auch in alte Gewohnheiten zurück. Jedenfalls manchmal. Täte ich dies bewußt und absichtsvoll, so wäre es prima. Doch so ist es nicht. Mehr Schokolade, also Süßes, mehr Selbstkritik, mehr Schieben von Aufgaben, die mir eigentlich wichtig sind, weniger Reflektion, Bequemlichkeit, nach dem Motto, es geht schon, und so weiter…… Im Grunde fühle ich mich damit eher unwohl. Ich liebe es doch, bewußt zu leben und zu gestalten. Heute morgen las ich folgenden Spruch: „Zu wissen, dass Veränderung möglich ist, und der Wunsch, Veränderungen vorzunehmen, dies sind zwei große erste Schritte.“ Virginia Satir

Schon während ich dies schreibe verspüre ich wieder große Lust, mehr Aufmerksamkeit und Lebendigkeit zu gestalten. Ich liebe diese Intensität und Leidenschaft. Alles andere ist kalter Kaffee!! Wer mag das schon? Ich nicht.

Alles Liebe für Euch!


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