Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 73

Chemotherapie………….. Das Schreckgespenst

Am 16. August war es so weit, meine erste Chemotherapie. Morgens um 10 Uhr hatte ich den Termin in der onkologischen Ambulanz der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Ich reihte mich in die Schlange im Flur vor der Anmeldung ein. Diskretions-Abstand war die Devise. Mindestens 10 Patienten warteten darauf, hereingebeten zu werden. „Der Nächste bitte!!“ Erst nach der erfolgten Anmeldung konnten wir im Wartezimmer Platz nehmen. Bis dahin war für alle warten im Stehen angesagt. Im Klartext: Es war offensichtlich, dass die meisten Wartenden krebskrank waren, einige an Krücken, manche leichenblass. Eine begleitende Ehefrau fragte ihren Mann sorgenvoll: „Kannst Du noch?“ Mit zusammengepressten Lippen nickte er nur. Ich versuchte mich mental von dieser bedrückenden Situation zu lösen, mich ausschließlich auf mich selbst zu konzentrieren. Gar nicht so leicht, angesichts dieser herzlosen Gedankenlosigkeit.. Wie ich das hasse!

Nach einigen Vorbereitungen, wie Blutabnahme, Legen eine Zugangs für die nun folgenden Infusionen ging es dann in den Raum mit den vielen Liegesesseln. Wie oft hatte ich solche Räume schon in Filmen gesehen, und sie strahlten für mich jedes Mal eine Aura des Todes aus. Endzeitstimmung. Mit äußerster Konzentration versuchte ich meine Gedanken und Gefühle zusammen zu halten. …… „Es ist gut jetzt hier zu sein! Die Chemotherapie unterstützt mich im Gesundwerden. Ich bleibe ganz bei mir, schließe die ganze Atmosphäre aus.“ Es gelang mir ganz gut,

Ich begann meine mentalen Übungen zu machen, um damit alles, was nun passierte zu unterstützen. Meine nur selten benutzten Noise-Reduktion-Kopfhörer waren nun Gold wert. In meiner Vorstellung bekam jede Krebszelle einen Tropfen vom Gift injiziert und starb ab. Gleichzeitig visualisierte ich Bilder vom Windsurfen und das Bewusstsein und Gefühl von völliger Heilung. So verging die Zeit ganz gut. Nach knapp 4 Stunden war alles vorbei. Ich fühlte mich weder benommen, noch war mir übel. Alles wie immer. Doch das änderte sich, wenn auch nicht in dem Maße, wie ich es von anderen, die ebenfalls eine Chemotherapie erhalten hatte, gehört hatte. Übelkeit , Benommenheit, Appetitlosigkeit und Müdigkeit stellte sich dennoch ein. Ich entschloß, mich zunächst all meine Termine zu verschieben und überlegte, welche Termine mir schon seit längerem keine richtige Freude mehr machen würden. Diese Termine sagte ich endgültig ab. So etwas hatte ich nie zuvor gemacht. Ich verspürte anfänglich Angst davor, es mir nicht leisten zu können, doch schnell stellte sich eine große Erleichterung ein. Gut gemacht! Einige Tage später flogen Susanne und ich für 14 Tage in unser Haus nach Lanzarote. Ruhe und Erholung waren angesagt. Wir waren davon ausgegangen, dass ich viel Zeit für Rekonvaleszenz brauchen würde. Doch dem war nicht so. Eigentlich war es wie immer. Jeden Morgen eine halbe Stunde im Meer schwimmen, über die Insel fahren und die Tag an den schönsten Stränden verbringen, abends essen gehen oder auch wunderbar selbst kochen, einen neuen Tisch kaufen, ins Haus transportieren und zusammenbauen. Außer der Tatsache, dass ich urplötzlich an Haarausfall litt und Susanne mir half, meinen Kopf zu rasieren, war es ein herrlicher Urlaub.

Lediglich das Gehen fiel mir schwer, denn vorher, noch in Hamburg, wurde festgestellt, dass ich im linken Knie einen Innenmeniskusabriß hatte. Eine Verschleißerscheinung aufgrund einer 20 Jahre zurückliegenden Knieoperation. Die Schmerzen waren so, dass mir relativ schnell klar wurde, dass ich um eine Operation während der Chemotherapie-Zeit nicht herumkommen würde. Na ja, mal sehen……….. Direkt nach unserer Heimkehr erfolgte die zweite Chemo. Wieder kapselte ich mich vollständig ab. War nur bei mir in meinen Traumreisen. Wiederum 3 Wochen später dann die Dritte. Ging wiederum ganz gut. Bin nun gespannt, wie nun nach der Hälfte der insgesamt 6 Chemos das Ergebnis sein wird. Auch fehlt immer noch der Befund der Zweitmeinung vom Deutschen Krebsforschungszentrum aus Heidelberg. Zusammen mit einem neuerlich PET-CT wissen wir mehr. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Alles Liebe für Euch!

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