Von der Erkrankung zur Heilung Mein Weg 75

Viel passiert……………. 1.Teil

Lange Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Dabei ist so viel geschehen.

Nachdem die Chemotherapie nicht gegriffen hatte , war erst mal guter Rat teuer. Irgendwie ging alles in de falsche Richtung, doch was war richtig? Zunächst galt es, wie schon so oft, sich von dieser Nachricht zu erholen. Angst, Tränen, Mutlosigkeit und düstere Bilder erfüllten mich. Für diesen Wechsel in mir brauche ich immer ein, zwei Tage. Dann habe ich meine Energie und meine Zuversicht wieder. Aber die Gewissheit, dass die Luft dünner wird, war auch schon präsent. Was waren den nun meine Alternativen?

Im Grunde war ich gezwungen der Tatsache ins Auge zu schauen, dass alles, was ich bisher gemacht hatte, nicht zu meiner so sehr gewünschten Heilung geführt hat. Jegliche Schulmedizin hat es nicht vermocht. Meine Visualisierungen , die Änderung meiner Ernährung, mein Blog, meine sportlichen Aktivitäten, eigentlich egal was, ich stand vor dem Scherbenhaufen meines Kampfes gegen den Krebs. Oder? Immerhin wurde im November 2015 eine Knochenmetastase in meiner rechten Hüfte entdeckt. Das ist nun mehr als 4 Jahre her. Und ich lebe noch! Aber nun…..? Während ich die, wie ich nun weiß, nutzlose Chemotherapie erhielt, hatte ich auf einmal Schmerzen im rechten Fuß, die in die Wade ausstrahlten. Komischerweise traten diese Schmerzen nur Nachts auf, wenn ich im Bett lag. Schnell wurden diese Schmerzen so massiv, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Jede Stunde war ich gezwungen aufzustehen und hin und her zu laufen, bis es wieder einigermaßen ging. Dann eine Tablette 5 MG Morphium Akut. Wieder schlafen, bis es nach einer Stunde mit dem Schlaf wieder vorbei war. Egal wie ich mich hinlegte, die Schmerzen kamen sicher und unerbittlich. Tagsüber war es ok, doch dieser Zustand führte zu einer zu wachsenden Erschöpfung und geradezu Angst vor der nächsten Nacht, in der ich meinen Schlaf immer dringender brauchte und ihn nicht bekam. Eine, wie mir schien, ausweglose Situation. Doch es gibt immer einen Weg…….!

Meine Onkologin sprach von einem möglicherweise eingeklemmten Nerv, und man müsste doch mal ein MRT meiner Wirbelsäule durchführen. Und siehe da: Ich hatte eine Metastase im unteren Lendenwirbelbereich. Diese Metastase drückte im Spinalkanal auf einen Nerv, und der Druck auf diesen Nerv war der Grund für meine Schmerzen. Ein Scheißbefund, und gleichzeitig tat sich ein Weg auf. So etwas lässt sich operieren. Eine Art Bandscheibenvorfall-Operation, bei der möglichst viel von der Metastase entfernt , der Wirbel mit Titan-Haken fixiert und anschließend die Stelle bestrahlt wird, damit der erst der Metastase möglich klein bleibt. Gesagt getan, eine 4-Stunden-OP, eine Woche Krankenhaus, dann 10 Bestrahlungen. Die Schmerzen waren letztlich nicht komplett weg, doch ich konnte wieder schlafen. Hört sich vielleicht nicht nach viel an. Doch vorher war ich in einem Zustand von Verzweiflung, der nicht mehr lange zu ertragen gewesen wäre. Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir bewußt, wie unbewußt und oft wenig wertschätzend ich in der Vergangenheit geschlafen habe. Lag ich nachts mal eine halbe Stunde wach, war es in meiner Wahrnehmung ein Gefühl von „schlecht geschlafen“ oder eben auch umgekehrt eben „gut geschlafen“. Erst jetzt ist mir bewußt, wie gut es tut, meinen erlebten Schlaf wahrzunehmen, genießen und zu wertschätzen.

Nun sind diese OP und die nachfolgende Bestrahlung keine Therapie, die mir bei meiner Genesung helfen. Denn die Metastasen im Becken und genauso die Metastasen in der Lunge waren nach der erfolglosen Chemo weiterhin ohne jegliche Therapie und haben die Chance, sich zu vermehren und zu wachsen. Dennoch wäre ich ohne diese schmerzauflösende OP sehr viel weniger in der Lage gewesen, mich mit Zuversicht, Klarheit und Kraft weiter meiner Genesung zu widmen.

In der Onkologie wurde mir dann vorgeschlagen, statt der bisherigen erfolglosen, ambulanten Chemo mit einer 6-maligen, stationären Therapie zu beginnen. Stationär wegen der massiven Nebenwirkungen wie Halluzinationen, extremer Übelkeit, Schwäche und einiges mehr. Gleichzeitig wurde eine Heilung ausgeschlossen! Lediglich ein Versuch, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Was also entscheiden? Wieder mal eine Situation, in der ich mich erstmal überfordert fühlte. Ich war nicht klar im Kopf. Dabei gab noch eine andere Möglichkeit.

Denn seit vielen Monaten werde ich von einer Naturopatin begleitet. Naturopathie ist die Wissenschaft der natürlichen Gesundheit. Bei unseren regelmäßigen Treffen lerne ich von ihr, wie ich mit meiner Energie umgehe, spezielle Atem-Techniken, die mein Immun-System unterstützen. Ich trinke viele verschiedene Tees. Von dem einen pro Tag einen Liter, von dem Anderen einen Becher pro Tag, koche Amaranth-Brei (schmeckt ganz gut – aber immer nur wenige Löffel), nehme pro Tag 3 Esslöffel Leindotter-Öl zu mir, 5 mal Tag am 25 Tropfen eines unsagbar bitteren Öls und vieles mehr. Sie sprach sich mit aller Entschiedenheit gegen diese neue Chemo aus. Herr Krankenberg, Sie stehen eine Nano-Sekunde vor 12Uhr!! Wenn selbst die Ärzte sagen, dass es keine Heilungschance gibt, dann wird die Chemo Ihnen keinen guten, zeitlichen Aufschub geben. Vielmehr wird diese Behandlung dafür sorgen, dass es Ihnen währenddessen unglaublich schlecht gehen wird und Sie anschließend mit hohen Morphium-Gaben ins Hospiz eingeliefert werden. Das ist dann Ihr letzter Gang. Irgendeine Lebensqualität wird es für Sie nicht mehr geben. Oder aber wir gehen einen gemeinsamen Weg, der Ihnen für eine gewisse Zeit ein weitgehend gutes und normales Leben bietet bietet, selbst wenn schlußendlich am Ende das selbe Ergebnis stehen wird. Die Entscheidung treffen Sie allein. “ PUH!

Die Tragweite war mir sofort klar, aber ich fühlte mich erstmal außerstande eine solch bedeutsame Entscheidung zu treffen. Ein Kaleidoskop von Fragen geisterte mir durch den Kopf: Was ist, wenn die neue Chemo doch greift? Worum geht es wirklich, um Gesundung oder nur um einen Aufschub? Kann ich ihrer Kompetenz vertrauen? Wie kompetent sind die ärztlichen Vorschläge? Die Tragweite meiner Entscheidung hinderte mich an klarem Denken. Statt Klarheit nur Widerstreit zwischen Rationalität und Gefühl. Mir war deutlich, dass ich für mich in einen Zustand von kompletter Klarheit und Souveränität kommen wollte, ja mußte, und dann würde ich entscheiden können. Dafür nahm ich mir nun Zeit. Spaziergänge, Stille, Tagebuch, erhellende Gespräche mit Susanne, auch Tränen, Angst und Verzweiflung ob der Tragweite einer falschen Entscheidung. Doch bevor ich nicht in dieser inneren Ruhe sein würde, wäre ich immer in einem Zustand von unauflösbarem Zweifel gefangen. Es gab auf beiden Seiten so viele Für und Wider, die rational nicht lösbar waren. Also weg mit dem Thema, hin zu innerer Stärke. Dann war es auf einmal ganz einfach. Ich entschied mich gegen die Chemotherapie!! Es fühlte sich absolut richtig an. Ich war wieder in mir angekommen.

Nun ging los. Zunächst einmal war drei Tage Fasten angesagt. Die Krebszellen sollen nichts mehr zu essen bekommen. Wir entwickelten einen detaillierten Plan, an den ich mich eisern hielt. Manche machen eine Exel-Tabelle, ich hatte immer mein Ringheft auf dem Schreibtisch liegen und jeden verabredeten Tee, jede Nasendusche, alles trug ich ein. Schnell entwickelte ich ein Gefühl Pflichtbewusstsein und freudiger Zuversicht. Meine Achtsamkeit war auf einem, wie ich fand, hohen Niveau. Das Fasten machte mir nichts aus. Immerhin trank ich viel und die zwei Becher Gemüsebrühe schmeckten und reichten mir.

Meine Aufgaben-Liste

Doch diese 3 Tage Fasten waren nur der Aufgalopp für ein letztlich 3-wöchiges Nichts-Essen. Meine Naturopatin, ich nenne sie jetzt Frau S, verlängerte diese Zeit auf eine sehr geschickte Art und Weise. „Es wäre prima, falls Sie das Fasten noch bis zum nächsten Wochenende weitermachen könnten!“ Hab ich natürlich gemacht, und so wurden aus den 3 Tagen stückchenweise 3 Wochen. Natürlich nahm ich ab, mein körperliches Wohlbefinden litt kaum. Schon verwunderlich, wenn man es nicht kennt. Und ich kannte es nicht. So viele Dinge in unserem Leben kennen wir nicht, haben aber ein festes Urteil darüber! Ob es wirklich der Wahrheit entspricht, überprüfen wir kaum, sondern nehmen es als Tatsache hin. Nur wenn die Umstände besonders sind, sind wir bereit, ganz neue Wege zu gehen. Und ich war bereit, mich dem Gedanken zu verpflichten, meinen Krebszellen die Ernährung so schwer wie möglich zu machen, sie irgendwie auszuhungern.

Dennoch war ich aufgeregt und neugierig, wie es nach dieser langen Zeit denn nun mit dem Essen losgehen würde. „Keine Butter, keine Mayonnaise, keine Milch, kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, kein Käse, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis, kein Obst, keine Linsen, keine Süßkartoffeln!!“ Also nur Gemüse und Salat!! Die erste Gemüse-Pfanne>>>>>ein Hochgenuss! So vergingen die nächsten 4 Wochen, und manchmal war es echt öde und manchmal köstlich. Susanne war wie immer sehr kreativ. Nach Ablauf dieser 4 Wochen war ich bei 73 Kilo angelangt. Morgens im Spiegel sah ich schon komisch aus. Aber egal, Hauptsache der Krebs bekam nichts zu essen. Und ich fühlte mich weiterhin ziemlich gut. Meine Haare wuchsen wieder. Das freute mich sehr. Stück für Stück kam ich wieder in mein altes Aussehen.

JA, WIR SIND,TROTZ SCHWIERIGER ZEITEN, SEHR GLÜCKLICH MITEINANDER

Im Laufe dieser Wochen wurde mir, auch durch zusätzliche, neue Informationen, immer klarer, dass meine Entscheidung, die stärkere Chemotherapie abzulehnen, goldrichtig war. Durch Untersuchungen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und der Abteilung für Human-Genetik der Uni Tübingen stellte sic, In Absprache mit einer Klinik in NY heraus, dass es wohl ein Gen gibt, das für meine Erkrankung verantwortlich ist. „Aufgrund der sehr schlechten Wirksamkeit der zuletzt durchgeführten Chemotherapie und der nachgewiesenen aktivierenden PIK3 Mutation im Tumor bei Herrn Krankenberg ist dabei in erster Linie an eine zielgerichtete Therapie mit einem PIK3CA Inhibitor zu denken.“ Was heißt das jetzt? Ich habe einen Prostata-Krebs, der keinen PSA-Wert zeigt. Das ist über mehr als 3 Jahre nicht festgestellt worden! Darüber hatte ich im vorherigen Beitrag berichtet. Nun weiß man, welches Gen wohl dafür verantwortlich ist. Eben diese aktivierende PIK3 Mutation, die nun mit einem PIK3CA Inhibitor angegangen wird. Die vorher angeratene Chemo hätte nichts genützt. Im Gegenteil!!! Einzig eine enorme Schwächung wäre das Ergebnis gewesen. Nun ging es darum, diese Behandlung, die es bisher in Deutschland für nicht gibt, zu beschaffen. Leider ist sie sehr teuer, nämlich ca. € 28.000 mtl.! Dazu gibt es keine Erfahrung mit diesem Medikament. Was nun passierte, war eine der schönsten, berührensten Erfahrungen, die ich in meinem Erwachsenen-Leben gemacht habe.

Das beschreibe ich in den nächsten Tagen im 2. Teil dieses Beitrages.

Alles Liebe für Euch!

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