Peters Weg, Beitrag 78. Von Susanne

Soeben habe ich Peters Entwurf veröffentlicht, an dem er zuletzt am 19.03. gearbeitet hat.

Zu lesen, wie es ihm zu der Zeit ging, trotz der zunehmenden Luftnot voller Optimismus, innerer Kraft und Zuversicht, zerschneidet mir das Herz und macht mich gleichzeitig glücklich und stolz. Mein geliebter Mann.

Wir waren ahnungslos. Dass Peter einen guten Monat nach diesem Beitrag für immer gehen würde, war undenkbar. So große Hoffnung hatten wir auf Piqray, dieses unglaublich teure Medikament aus den USA, gesetzt – In Deutschland noch nicht zugelassen, dankenswerter Weise genehmigt durch seine Krankenversicherung..

Aber dennoch nahmen die Symptome zu. Im Vordergrund die Luftnot. Eines Tages, Anfang April, fuhr ich spontan los, um ein mobiles Sauerstoffgerät zu holen. Peters Hausarzt hatte ihm inzwischen ein eigenes verschrieben, darauf konnten wir jedoch nicht warten. Der Sauerstoff machte das atmen einfacher, scheißegal, dass dieses Gerät ziemlich laut und schwer war!

Peter wurde immer dünner. Er wog 71 kg und fand es auch einerseits ganz cool, wieder so schlank zu sein, nachdem er durch die Anti-Hormontherapie irgendwann bei 91 kg gelandet war. Jetzt mochte er einfach nichts mehr essen. Die genussvollen Abende mit Käse und Rotwein gehörten der Vergangenheit an. Ich versuchte ihn mit ungewöhnlichen Leckereien – wie Spargel im März – zu begeistern, und hier und da gelang es, dass Peter mit Appetit etwas zu sich nahm.

Das Wetter war traumhaft zwischen Mitte März und Mitte April und mein Sonnenanbeter lag jeden Tag einige Stunden auf der Terrasse, wo ich ihn gut einpackte, wo er schlief, las, nachdachte , träumte. Ich in meinem Büro – Homeoffice ( Danke Corona!) und immer ein Ohr bei Peter.

Wir haben trotz allem in dieser Zeit so viel gemeinsam bewegt. Unser Hausbau: der Baumfällantrag war noch nicht durch, bald begann die Schutzfrist wegen der Nistzeit. Wir trafen uns auf dem Grundstück mit unseren lieben Doppelhauspartnern, Basti und Katy und umwickelten die zu fällenden Birken mit Alufolie und hängten CDs in die Äste, damit die Vögel keinen Bock hatten darin zu nisten. Für Peter hatten wir einen Regiestuhl dabei-Peter saß da und moderierte unser Tun – so lustig und kraftvoll-eine herrliche Aktion!

Wir trafen Familie und Freunde-trotz Corona Lock down (und Peter war sehr vorsichtig, was das anging! „Wenn ich Corona bekomme, bin ich tot“). Hans und Annegret, Julia und Hartwig. Schöne Stunden bei uns. Voller Liebe und Harmonie. Wir alle sind dankbar und glücklich, dass diese Zusammenkünfte stattfanden. Wenn ich mir die Fotos aus dieser Zeit anschaue (und ich werde einige hier teilen), erscheint es mir so unwirklich, dass es dann alles so schnell ging.

Immer hatte ich mich davor gefürchtet, den Moment zu verpassen, an dem es klar sein würde, dass es ab jetzt KEINE andere Aufgabe mehr gibt , als bei Peter zu sein. Und dann war doch so, dass es nicht klar war. Es ging von einem Moment auf den anderen, dass Peter ins Krankenhaus musste. An dem Freitag, 17. April 2020, bin ich nach meinem Arbeitstag noch eine Runde laufen gegangen. Als ich zurückkam, ging es Peter so schlecht, dass ich den Notarzt gerufen habe. Peter wollte eigentlich nicht ins Krankenhaus, also rief ich Dicki an, und dass sein Zwilling bekräftigte, dass das der einzig richtige Weg sei, war es in Ordnung und Peter war bereit dafür.

Als diese unglaublich nette Notärztin und Rettungssanitäterin Peter übernahmen, breitete sich in mir ein Gefühl der Gewissheit aus. Peter würde nicht mehr in die Schemmannstrasse 74 zurückkommen. In unser Zuhause. Ich hatte große Angst, dass Peter an diesem Tag noch sterben würde, es ging ihm auf einmal so wahnsinnig schlecht. Und ich blieb allein zurück. Es ist Corona. Niemand darf mit.

Ich schreibe dieses zu Ende und zeige Euch Fotos aus dieser Zeit. Aber für heute kann ich nicht mehr.

Alles Liebe für Euch! (So behalte ich es bei)

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